Wednesday, December 20. 2006Letzte Präsente
Jaja, das Jahr neigt sich dem Ende zu und da möchte man doch den Schreibtisch ordentlich aufgeräumt verlassen. Macht die Bundesregierung auch, wenn sich heute das Kabinett zur letzten Sitzung im Jahr 2006 trifft. Deshalb noch schnell das Passgesetz ändern, bevor es unter den Weihnachtsbaum geht, damit endlich auch die digitalen Fingerabdrücke im RFID Chip des Reisepasses gespeichert werden können.
Dazu aus der Pressemitteilung des Bundesinnenministeriums:
Die Bundesregierung hat heute den Gesetzentwurf zur Änderung des Passgesetzes beschlossen. Mit dem Gesetz soll der rechtliche Rahmen geschaffen werden, um in deutschen Reisepässen neben dem Lichtbild künftig auch zwei Fingerabdrücke zu speichern.
Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble erklärte hierzu: "Konsequente Einbeziehung moderner Informationstechnik in eine moderne Sicherheitsarchitektur - so lautet der Auftrag aus dem Koalitionsvertrag, den wir heute um ein weiteres Stück erfüllt haben (...) Auf diese Weise dient der Einsatz biometrischer Verfahren dazu, eine missbräuchliche Nutzung deutscher Pässe – etwa durch Terroristen – zu verhindern. Der heutige Beschluss ebnet damit den Weg zur weiteren Stärkung der Inneren Sicherheit" (...) Die Daten sind gegen unberechtigten Zugriff gesichert und werden nirgendwo anders als im Chip des Passes gespeichert (...) Alle bislang ausgegebenen Pässe bleiben im Rahmen ihrer Laufzeit gültig. Dabei kommt es nicht darauf an, ob diese Pässe bereits einen Chip mit Lichtbild aufweisen. Bereits mit einem Chip ausgestattete Pässe werden nicht zusätzlich mit Fingerabdrücken versehen (...) Die aufenthaltsrechtliche Regelung geht noch einen Schritt weiter und sieht bei Drittstaatsangehörigen darüber hinaus eine Rechtsgrundlage für den Abgleich der Lichtbilder und Fingerabdrücke mit zentralen Datenbeständen vor (...) Darüber hinaus enthält der Gesetzentwurf Anpassungen im Bereich der Kinderreisedokumente. So werden Kinderreisepässe als Dokumente ohne Biometrie statt wie bislang bis zur Vollendung des 16. Lebensjahres nur noch bis zur Vollendung des 12. Lebensjahres ausgestellt. Die entstehende Lücke soll dadurch geschlossen werden, dass schon vor Beginn der Ausweispflicht mit 16 Jahren der preiswertere Personalausweis beantragt werden kann.
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06:35
Comments (5) Trackback (1) Tuesday, December 5. 2006Biometrisch scannen bis aufs Blut
Nach der Live-Durchleuchtung bis auf die Haut ist die Lebenderkennung auf dem Gebiet der biometrischen Identifizierung ein relativ neuer Ansatz zur Erhöhung der Zuverlässigkeit biometrischer Identifizierungssysteme. Neben dem "multimodalen", d. h. gleichzeitigem Einsatz mehrerer Techniken (z. B. parallele Iriserkennung plus Abgleich der Gesichtsgeometrie plus Stimmenidentifizierung) dient die Lebenderkennung vor allem der Abwehr von Angriffen in Form von Gesichts- oder Irisfotos und Maskierung bei der Gesichts- und Iriserkennung oder gefälschten Fingerabdrücken mittels Folien oder abgeschnittenen Fingern bei der Fingerabdruckerkennung.
Für den Fingerabdruckvergleich mittels Fingerabdruckscan und Vergleich des Scans mit einer digitalen Fingerabdruckvorlage gibt es bereits von einigen Herstellern Verfahren und Geräte zur Lebenderkennung, die einen Biometrie-Hack, wie ihn der CCC vor einiger Zeit vorgeführt hat, erschweren oder verhindern könnten. Alle Geräte und Verfahren basieren auf dem Umstand, dass vom roten Blutfarbstoff Hämoglobin Licht im nahen Infrarotbereich absorbiert bzw. vom restlichen Gewebe stärker reflektiert wird. Die Geräte nutzen den Effekt, indem eine Handfläche oder ein Finger mit Leuchtdioden bestrahlt wird, die Licht im nahen Infrarotbereich abgeben. Das Licht dringt in die unteren Hautschichten ein und wird von den roten Blutkörpern in den Venen absorbiert und ansonsten reflektiert. Das unterschiedlich reflektierte Licht wird anschließend durch eine Kamera aufgenommen. Aufgrund der Absorption bilden sich auf den Kameraufnahmen die Venen als dunkle Muster ab. ![]() Hand- und Fingervenenprofil bei Fujitsu und Hitachi. ![]() Abbildung: Hitachi. ![]() ![]() Abbildung: Fujitsu Schema Identifizierung und Authentifikation über Venenmuster Fujitsu und das koreanische Unternehmen Techsphere sind beide mit zwei Venenscannern auf dem Markt, die entweder die Venen der Handinnenfläche (bei Fujitsu) oder die Venen der Rückhand (bei Techsphere) scannen. Von Hitachi kommt dagegen das biomterische Identifizierungssystem JOHMON, das mit einer Fingerkuppe auskommt: ![]() Identifizierungsmethoden mit Fingerabdruckscans und Gesichtserkennung werden von einigen Leuten auf psychologischer Ebene mit der Polizei in Verbindung gebracht. In öffentlichen Bereichen mögen Leute aus vernünftigen Gründen nicht den Gedanken, etwas zu berühren, was jeder andere zuvor berührt hat. Das ist der Grund, warum wir einen kontaktlosen Handvenenscanner entwickelt haben.
Ist ja auch nachvollziehbar, wenn man aus einem Land kommt, wo man aus Ansteckungsparanoia dauernd mit einem Mundschutz herumläuft.Auch für Hitachi liegt der Vorteil der kontaklosen Venenscanner in der niedrigeren psychologischen Barriere gegenüber anderen, invasiveren Identifizierungsmethoden. Die Schnelligkeit des Identifizierungsprozesses und die Einfachheit der Anwendung garantiere darüber hinaus eine hohe Benutzerkazeptanz. Das den Biometrieherstellern und ihren Kunden bei Behörden und Unternehmen mögliche Widerstände der Bürger und Kunden gegen das Ansinnen, sie mit allen biometrischen Methoden zu messen und biometrisch zu "katalogisieren", buwußt ist, zeigt auch sehr schön die folgende Grafik von Hitachi, die derzeitige Identifizierungsmethoden gegenüberstellt: ![]() Vielleicht baut man ja auch irgendwann eine Körperbox, die einen nicht nur virtuell bis auf die Haut auszieht, sondern im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut geht. Eines zeigen die Venenscanner wieder: Nach biografischen Daten wie Name und Adresse oder abstrakten Daten wie Passwörtern und Identifizierungsnummern wird immer mehr der eigene Körper und alle seine Merkmale, also das, was einen physisch ausmacht, zum eigentlichen Ausweis der Identität, Objekt der Kontrolle und Daten- und Signalgeber gegenüber jenen Stellen, die genauestens, allzeit und überall zu wissen begehren, wer man ist, was man macht und wo man ist.
Biometrisch scannen bis aufs Blut Posted by Kai Raven
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17:35
Comments (2) Trackbacks (0) Wednesday, November 29. 2006Grenzenlose Freiheit für biometrische Daten
Wenigstens ein Detail zur "globalen Sicherheitshülle", die US-Heimatschutzminister Chertoff vor anderthalb Jahren ankündigte, offenbarte heute der Direktor des US-VISIT Programms Robert Mocny auf einer internationalen Konferenz zu Biometrie und Ethik. Laut des Artikels DHS floats proposal for 'Global Envelope' of terrorist info sharing geht aus der Rede Mocnys auf der Konferenz hervor, dass das "Global Envelope Programm" dazu dient, internationale und einheitliche Standards zum globalen Informationsaustausch von biometrischen Daten der Personen einzuführen und durchzusetzen, die von den USA, der EU und der UN als Terroristen eingestuft und dann in Terrorlisten und Antiterrordateien aufgenommen wurden. Vor einer Woche hatte Chertoff den baldigen Wechsel zur Erhebung der Fingerabdrücke aller Finger für das US-VISIT System angekündigt.
Wie Mocny sagte, wird in der Anfangsphase der Umsetzung des Programms der gegenseitige Austausch von Fingerabrücken, Irisscans und Gesichtsbildern zuerst mit "engen verbündeten Regierungen in Großbritannien, Europa und Japan" vollzogen – den "technisch fortschrittlichen, industriellen Demokratien". Auf die Frage, wie Informationsaustauschabkommen mit Ländern aussehen würden, die die gesamte politische Führung eines Landes als Terroristen einstufen, gab Mocny lapidar die Antowrt, es gäbe halt Grauzonen. Zu den Grauzonen zählen dann auch die biometrischen Daten der Personen, die fälschlich oder aufgrund von Vorverdächtigungen u. a. in der amerikanischen "No-Fly-Liste" und den diversen Terrorlistenlisten gelandet sind. Mocny räumte auch ein, dass alle zehn Datenschutzgesetze in den USA Ausnahmen Ausnahmeklauseln für Zwecke der Nationalen Sicherheit beinhalten. Die entweder gar nicht vorhandenen, unterschiedlichen oder ungenügenden Datenschutzbestimmungen in anderen Ländern dürften mit dazu beitragen, dass der Umsetzung des Programms Bemühungen der US-Regierung zur Nivellierung internationaler und nationaler Datenschutzgesetze vorausgehen werden, die uns dann die Sicherheitspolitikern als nötige "Harmonisierung" verkaufen, damit dem "freien (Ab-)Fluß biometrischer Daten" – und damit der langfristig globalen Identifizierung – nichts mehr im Wege steht. Siehe auch: IDABC - INT: US to push for global 'security envelope' Register - Police wolves pace round electric EU sheep - European council dilutes data proposals to taste
Grenzenlose Freiheit für ... Posted by Kai Raven
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Comments (3) Trackback (1) Monday, November 27. 2006Iris statt PIN/Passwort
Der japanische Elektronikkonzern OKI hat laut Pressemitteilung ein Programm zur biometrischen Iriserkennung entwickelt, das ab März 2007 in Mobiltelefone und PDAs oder öffentliche Internetterminals integriert werden kann, die mit einer herkömmlichen Kamera ausgestattet sind.
OKIs Programm basiert auf einem selbst entwickelten Algorithmus, der vermutlich Bestandteil von OKIs Face Sensing Engine wird, einer kompakten Gesichtserkennungssoftware zur Integration in mobilen Geräten oder Fotoapparaten und für OKIs IRISPASS Software, die für spezielle Iriserkennungskameras arbeitet, wie sie bei Zugangskontroll- und Identifizierungssystemen eingesetzt werden. Im März 2006 hatte OKI zusammen mit der byometric systems AG auf der CeBIT eine vollautomatische Iriserkennungskamera vorgestellt. Die byometric systems AG ist auch bei der automatisierten Grenzkontrolle in Frankfurt dabei. Wenn man in Zukunft das Handy einschaltet oder vor einem Internetterminal sitzt, heißt es nicht mehr "Bitte PIN eingeben" oder "Username und Passwort", sondern das könnte dann so aussehen: ![]() Abbildung: OKI
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20:02
Comments (3) Trackbacks (0) Sunday, November 26. 2006DNA-Sippenhaft für das dunkle Zeitalter
Der Independant berichtet in DNA of suspects' families to be held on police files über geheime Richtlinien der britischen Regierung zur staatlichen nationalen DNA Datenbank, die eine "DNA-Sippenhaft" errichten und ein drastisches Beispiel für die zahlreichen Warnungen darstellen, dass die Erfassung der DNA und die Identifizierung per DNA-Analysen ein uferloses Ausmaß annehmen wird.
Laut des Artikels sieht die noch interne, aber der Zeitung vorliegende Richtlinie des britischen Innenministeriums vor, dass die Polizeibehörden bei Verdächtigen in Ermittlungsverfahren, deren DNA Spuren an Tatorten aufgefunden wurden, Ausschau nach DNA Mustern in der DNA Datenbank halten, die ähnliche Sequenzen aufweisen wie die aufgefundene DNA des Verdächtigen. Bei Übereinstimmung werden die über den Abgleich identifizierten Verwandten und Familienmitglieder zur Herausgabe aller Namen und Adressen weiterer Verwandter gezwungen, von denen dann die Polizeibehörden ebenfalls Blut- oder Gewebeproben nimmt, um die daraus ermittelte DNA mit der aufgefundenen DNA Spur abzugleichen. Das geht dann so weiter, bis die Polizei über das sogenannte "Family Searching" auf die DNA des eigentlichen Verdächtigen stößt. Weigern sich die Verwandten, kann die Polizei bei Ärzten, Krankenhäusern und Krankenkassen die Herausgabe aller medizinischen Aufzeichnungen und Proben erzwingen. Die Verweigerer sollen in diesem Fall auch als kriminelle Verdächtige eingestuft werden. Es dürfte klar sein, dass die polizeistaatlich ermittelten Informationen der unschuldigen Familienangehörigen ebenfalls in der DNA Datenbank abgepeichert werden. Bei einem ausreichenden "Pool" von Verdächtigen, Kriminellen und DNA-Spuren ist es dann nur eine Frage der Zeit, bis man die DNA der Gesamtbevölkerung erfasst hat. Als Ergänzung zum DNA-Profiling das präventive Persönlichkeitsprofiling in Großbritannien, über das in Datenbank mit potenziellen Gewalttätern berichtet wird.
DNA-Sippenhaft für das dunkle Zeitalter Posted by Kai Raven
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11:45
Comments (2) Trackback (1) Sunday, November 26. 2006Mehr zu Orwells Mikrofonen
Die Times berichtet heute im Artikel Word on the street ... they’re listening ebenfalls über das akustische Überwachungssystem von Sound Intelligence für Videoüberwachungskameras.
Wie die Times schreibt, besitzen die Mikrofone zur Stimmenanalyse eine Reichweite von ca. 91 Metern. Die Software von Sound Intelligence zur Erkennung aggressiver Wortwechsel und Äußerungen analysiert zwölf Faktoren, darunter den Lautsstärkepegel, Geschwindigkeit, Tonhöhe und Klangfarbe der Sprecher. Dabei können Hintergrundgeräusche ausgefiltert werden, so dass sich die Mikrofone auf einzelne Konversationen in öffentlichen Räumen einstellen können. Aus dem Artikel geht auch hervor, dass man die Software zur automatischen Steuerung der Kameras einsetzen kann – erheben mehrere Personen ihre Stimmen, richten sich neige- und schwenkfähige Videoüberwachungskameras auf die Personen aus. Die Akustiksensoren werden in den Niederlanden entgegen des Fernsehberichts auch in der Stadt Utrecht und mittlerweile an ingesamt 300 Kameras eingesetzt. Neben den erwähnten Orten auch in Sozialämtern, Gefängnissen und sogar in T-Mobile Shops. In Zukunft also überall dort, wo staatliche Institutionen und Unternehmen Ärger mit Bürgern und Kunden erwarten. Großbritannien wird das nächste Land sein, das die Akustiksensoren einsetzt. Das System wurde bereits Vertretern öffentlicher Verkehrsbetriebe, Stadträten und Polizeibehörden vorgeführt, die ein reges Interesse bekundeten. Da London 2012 die Olympischen Sommerspiele ausrichtet, denken die Behörden daran, die in London installierten Videoüberwachungskameras bis dahin mit dem System von Sound Intelligence auszurüsten. Ein starkes Interesse dürfte auch Beijing anmelden, wo 2008 die Olympiade stattfindet. Zu diesem Anlass sieht sich China zur Zeit auf dem internationalen Markt für Videoüberwachungslösungen um, da die Videoüberwachung in Beijing und im Umland stark aufgerüstet werden soll. Zur datenschutzrechtlichen Regulierung heißt es in der Times, dass die Datenschutzgesetze in den Niederlanden (noch) keine kontinuierliche Aufzeichnung von Sprache in öffentlichen Räumen zulassen, zum Sound Intelligence System habe die staatliche Datenschutzaufsichtsbehörde aber ihren Segen geben. In Großbritannien fallen nach Aussage eines Sprechers des obersten Datenschutzbeauftragten Richard Thomas die Tonaufzeichnungen unter die gleichen datenschutzrechtlichen Vorschriften wie die Bildaufnahmen der angekoppelten Videoüberwachungskameras. Sie könnten (noch) nicht zur Aufzeichnung privater Gespräche verwendet werden. Letzens hatte sich der britische Datenschutzbeauftragte zwar laut zu Wort gemeldet und vor der "Überwachungsgesellschaft" gewarnt, aber seine Grundsätze für die CCTV-Überwachung enthalten bereits im Ansatz auch die Befugnis zur akustischen Überwachung in öffentlichen Räumen, wenn die Inhalte privater Gespräche nicht betroffen sind:
Standards
Das zur akustischen Überwachung in öffentlichen Räumen in Zukunft weiterer Regelbedarf besteht, steht ebenfalls in den Grundsätzen:
10. Information so obtained must only be obtained for prevention or detection of criminal activity, or the apprehension and prosecution of offenders. It should not be retained and used for any other purpose. If the equipment used has a sound recording facility, this should not be used to record conversations between members of the public (First and Third Data Protection Principles).
It is intended that this Code of Practice will be revised on a regular basis in order to take account of developments in the interpretation of the provisions of the data protection legislation, developments in the technology involved in the recording of images, and developments in the use of such technologies, the use of sound recording...
Aber nicht der britische Datenschutzbeauftragte äußert sich derzeit verstärkt zur neuen Dimension der Überwachung öffentlicher Räume, sondern die britische Vereinigung der Polizeichefs (ACPO), die sich meistens uneingeschränkt für weitere Überwachungsmaßnahmen ausspricht.Die ACPO setzt sich laut des Registerartikels Home Office to grab for more CCTV power zusammen mit dem Innenministerium folgerichtig für eine Modernisierung und Aufrüstung der 4.2 Millionen Videoüberwachungskameras ein, damit sie mittels Aufnahmen besserer Qualität durch Einsatz digitaler statt analoger Videotechnik bessere Beweismittel liefern und für die zusätzliche Ausstattung mit neuen Überwachungstechniken wie den Sound Intelligence Sensoren gerüstet sind, um als "Plattform zur automatischen Identifizierung von Personen und Erkennung verdächtigen Verhaltens" dienen zu können. Gleichzeitig wollen die Polizeichefs sicherstellen, dass die Sicherheitsbehörden die staatlichen und privaten Videoüberwachungskameras rechtlich abgesichert und demokratisch abgefedert nutzen. Nach Meinung des Vorsitzenden der CCTV ACPO Arbeitsgruppe zur CCTV-Überwachung, Graeme Gerrard, "bestehe die Notwendigkeit der einwandfreien Regulierung der CCTV-Überwachung, um die Bürgerrechte zu schützen" und die Kameras müssten regelmäßig überprüft werden, dat sie "mit dem Datenschutzgesetz übereinstimmen sollten. Aber das ist zur Zeit nicht geregelt, was eine Verschwendung polizeilicher Arbeitszeit und öffentlichen Geldern darstellt". Deutlicher kann ein Polizeivertreter den staatlichen Überwachungsaktionismus ohne vorherige Technologiefolgeabschätzung nicht ausdrücken. Um die zukünftigen Perspektiven der CCTV-Überwachung und den Regelungsbedarf zum Thema zu machen, wird im Dezember die "CCTV Strategie zur Reduzierung der Kriminalität" veröffentlicht, die ACPO und Innenministerium ausgearbeitet haben. Zum geplanten Einsatz der Sound Intelligence Technik in Großbritannien merkte Gerrard im Times Artikel an:
In Großbritannien ist das ein neuer Schritt. Klar ist, dass es jemanden oder etwas zur Überwachung von Leuten gibt, die sich auf der Straße unterhalten und bevor wir daran gehen, diese Technik einzusetzen, würde es eine Anzahl rechtlicher Hindernisse geben.
Siehe dazu auch den BBC Artikel Olympics audio surveillance row. Darin gefällt sich der ehemalige britische Innenminister David Blunkett in der Rolle des Bürgerrechtlers und Datenschützers, gleichzeitig die CCTV-Videoüberwachung verniedlichend:
Wir benötigen eine Diskussion darüber, ob die Öffentlichkeit meint, das wäre eine vernünftige Nutzung der Technologie oder nicht. Eine weitere Frage dreht sich darum, ob die Polizei die Kapazitäten hat, um sich damit zu befassen.
But the former home secretary David Blunkett called publicly on the government to block the scheme.
Zu seiner Amtszeit spielte er noch den "Big Blunkett", der mit Einschränkungen der Bürgerrechte voranpreschte und sie als "Luftgespinste" bezeichnete.
He told BBC Radio Five Live's Weekend News programme that the suggestion was "simply unacceptable", and smacked of the "surveillance state". Mr Blunkett said the idea echoed the fictional authoritarian Brave New World of Aldous Huxley's novel. "As you walk down the street you expect to be able to have a private conversation," he said. "If you can't guarantee that - and here is someone speaking who has been pretty tough in terms of what should be available to protect society - I believe we have slipped over the edge." He said he hoped the government would not authorise it. "There is an enormous difference between surveilling people in terms of CCTV - where what you see is what anyone can see walking down the road - and actually recording someone's private conversations," he said.
Mehr zu Orwells Mikrofonen Posted by Kai Raven
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10:52
Comments (3) Trackback (1) Thursday, November 23. 2006Orwells Mikrofone auf dem Vormarsch
Mikrofone an Videoüberwachungskameras, um Schußgeräusche zu erkennen oder in die Gespräche bei sportlichen Großereignissen hineinzuhören, kennt man ja schon. In den Niederlanden tastet man sich langsam voran, damit auch diese Szenerie Orwells Wirklichkeit wird:
Es war noch ein wenig früh. Die Fahrt war ohne Schwierigkeiten vonstatten gegangen; das Mädchen war so augenscheinlich wohlbeschlagen, daß er weniger Angst empfand, als er normalerweise hätte haben müssen. Vermutlich konnte man sich darauf verlassen, daß sie einen sicheren Ort kannte. Im allgemeinen durfte man nicht annehmen, auf dem Lande sehr viel sicherer als in London selbst zu sein. Freilich gab es in der Natur keine Televisoren, aber es bestand immer die Gefahr verborgener Mikrophone, die eine Stimme auffangen und so zur Feststellung des Sprechers führen konnten; außerdem war es nicht leicht, eine Vergnügungsreise zu machen, ohne Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.
Wie der New Scientist mit dem passenden Titel Big brother is listening to you berichtet, hat man nach London auch in Groningen und Rotterdam damit begonnen, an Videoüberwachungskameras Mikrofone zu installieren. Zusätzlich kommen die Mikrofone in Zügen und Bahnhöfen zum Einsatz. Die dahinter stehende Software Sigard von Sound Intelligence, einem kommerziellen Spin-Off der Universität von Groningen, analysiert die aufgenommenen Stimmen, ob sich in ihnen Agression und Ärger zeigt und sendet bei erkannter Aggression einen Alarm an die nächste Polizeistation. Drei Verhaftungen aufgrund der Stimmenanalysemikrofone gab es schon.
G. Orwell: 1984 ![]() Sigard Schema. Abbildung: Sound Intelligence. Neben jedem Kameraauge bald auch ein Kameraohr? ![]() Der Überwacher vor dem Monitor am Joystick und eine Szene wie aus "Blue Velvet". ![]() Aggressiver Passant vor Videoüberwachungskamera und Mikrofon. ![]() Augen und Ohren wachen im Stadtdschungel. ![]() Warnmeldung im Kontrollzentrum und das reale Aussehen des Akustiksensors. Wer wettet darauf, dass in ein paar Jahren die Mikrofone keine kompletten Gespräche belauschen?
Orwells Mikrofone auf dem Vormarsch Posted by Kai Raven
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22:41
Comments (0) Trackback (1) Thursday, November 23. 2006Heimatschutzminister freut sich auf zehn kleine Fingerlein
Der Minister des US-Heimatschutzministeriums Michael Chertoff freut sich schon auf die nächste Generation der digitalen Erfassung von Fingerabdrücken zwecks biometrischer Identifizierung.
In einer Rede anlässlich des "Industrietages" zum US-VISIT System, erklärte Chertoff, mit den nächsten Erfassungsgeräten werden von jedem Ausländer, der in die USA kommen will, alle zehn Fingerabdrücke erfasst und nicht die zwei wie bisher für das US-VISIT System. Auch werden die zehn Fingerabdrücke nicht nur mit den Fingerabdruckdatenbanken des Heimatschutzministeriums, des FBIs und mit internationalen Datenbanken, die mit den US-Datenbanken verknüpft sind, abgeglichen, sondern mit allen Fingerabdrücken, die an Plätzen im Ausland, wo sich "Terroristen" aufgehalten haben (im Umfeld von Anschlagsplätzen, Trainingslagern, konspirativen Wohnungen) durch Mitglieder der Special Forces, FBI Ermittlungsteams im Ausland, Soldaten der U. S. Army erfasst und in Datenbanken gespeichert wurden.
Now we have had some success with two-print capture, and with actually having a two-print system that is workable. And that is, of course, our currently existing U.S.-VISIT system.
Nach Chertoff soll sich das Wissen darüber bei Terroristen in nagende Selbstfragen und -zweifel ummünzen, ob man nicht irgendwe auf der Welt einen Fingerabdruck an den bezeichneten Plätzen hinterlassen haben könnte und so als "Abschreckung" wirken. Nur Pech, wenn es der gute Chertoff nicht mit Amateurterroristen zu tun bekommt, sondern mit Terroristen, die sich gleich zwei Latexhandschuhe überstülpen, notfalls ihre Finger verätzen oder mit Sekundenkleber vollkleistern.What that will let us do, when we get the 10-print capture device, is for any single foreigner who crosses into our borders, get their 10 prints, and run them not only against our existing databases to see whether they have been here before under a different name or whether there is a criminal record in this country or internationally against them, but to stand those 10 prints against latent prints lifted from around the world in terrorist safe houses or in battlefields, to see whether the person crossing the border has ever been involved in training in an al Qaeda training or believed running an al Qaeda safe house. That kind of ability to identify someone who has interacted or touched the facilities of terror is exactly the kind of 21st century tool that will give us a measure of protection at our borders that has never been dreamed of in the history of this country. And let me tell you another benefit. This is going to be a great deterrent, because when we get this device fully deployed and operational, when we capture these fingerprints, when we run them against these databases, what will then happen is we will have a world in which any terrorist who has ever been in a safe house or has ever been in a training camp is going to ask himself or herself this question: Have I ever left a fingerprint anywhere? Have I ever touched anything which might have been picked up by DOD, a member of the armed forces, or by an FBI agent and dusted for prints and had those prints lifted and put in a database? That is the kind of deterrent that is going to drive these terrorists crazy. Die unschuldigen Nicht-Terroristen, die sich zufällig an gleichen Orten aufgehalten haben wie Terroristen und die man dann an den Grenzen erst einmal abführt, werden sich fragen, wie ihre Fingerabdrücke in die Datenbanken der Sicherheitskräfte geraten konnten – war es vielleicht die Truppe von Sicherheitskräften, die einem beim Shopping oder in der Kneipe während des letzten Auslandsurlaubs unterwegs die Fingerabdrücke abgenommen hatte?
Heimatschutzminister freut sich auf ... Posted by Kai Raven
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18:04
Comments (2) Trackback (1) Friday, November 17. 2006Minority Report Identifikation und Authentifikation
Ein neues Produkt, das aus einem Deal zwischen dem Hersteller der Gesichtserkennungssoftware FaceVACS Cognitec (Testsieger der BioP I Studie und auch beim BioP II Test bei der automatischen Grenzkontrolle in Frankfurt mit an Bord) und dem Anfang 2006 gegründeten Start-Up und Hersteller einer Software zur Authentifikation und Identifikation Cogneto hervorgehen wird, weist uns den Weg, wie weit biometrische Identifikationsverfahren und Videoüberwachung vordringen werden.
Zuerst nur für's Online-Banking und nicht nur am Geldautomaten der nahen Zukunft oder in einer Videoüberwachungskamera, demnächst vielleicht auch für's Internet Log-In, bei der Anmeldung des Handys oder für die Foto-Fahndung 3.0? Cogneto stellt dazu seine UNOMI Software bereit, die "mit cognometrics betrieben wird, einer hardwarefreien Technik, die dynamische Biometrie mit Kognitionspsychologie verbindet – zur Überprüfung mehrfacher physischer Merkmale, Verhaltenscharakteristika und Denkweisen genauso wie lokaler und globaler Risikofaktoren, um beanspruchte Identitäten zu validieren". Das Ganze beginnt mit einer "freundlichen, einfachen und stressfreien Benutzeroberfläche", in die Kunden und Benutzer anstelle von Passwörtern und PINs ihre liebsten und angenehmsten Erinnerungen eingeben sollen, weil diese im Gegensatz zu abstrakten Daten wie Passwörtern unvergesslich und für jeden "Kunden" einmalig seien. Von Cogneto werden diese Erinnerungen, die der Kunde und Benutzer seiner Bank, seinem Telefonieanbieter (oder ISP) offenbart und anvertraut, natürlich "Passthoughts" genannt, die im UNOMI System über die Zeit zu " Passthought Tagebüchern aus erfreulichen Erinnerungen", also "Erinnerungsprofilen" zusammengefasst werden. Will der Kunde und Benutzer Zugriff erhalten, werden ihm – wie auch immer – aus diesem Pool Erinnerungen präsentiert, die er wiedererkennen muss. Zugleich wertet ein weiteres Softwaresystem zur Schadensbegrenzung zusätzliche Faktoren aus, zu denen die Tageszeit, der geografische Standort des Benutzers, der verwendete Internetzugangsprovider (die "Verkehrsdaten") und wohl etliche Informationen zählen, die unter den Begriffen "Scoring" und "Rating" bekannt sind. Hinzu kommen Daten, die Informationen repräsentieren, die darauf hindeuten könnten, dass ein Angriffs- oder Betrugsversuch stattfindet (Rate der fehlgeschlagenen Log-Ins, DoS, aktuelle Virenverteilung und dergleichen). Aus den Daten versucht das Risikomanagementsystem die Wahrscheinlichkeit eines Identitätsdiebstahlversuchs bzw. die Wahrscheinlichkeit, dass der Benutzer mit der wahren Identität Zugang erlangen will, zu berechnen. An dieser Stelle kommt Cognitec ins Spiel, deren biometrische Gesichtserkennungssoftware FaceVACS in die Cognometrics Engine integriert wird und dem System Daten zur Kopf- und Körperhaltung, Gesichtsmimik und -geometrie und dem Alter zuführt. Für den Kunden und Benutzer bedeutet das neben der Freigabe seiner Erinnerungen und seiner Einschätzung die Freigabe von Gesichtsfotos und sich zusätzlich über die Kamera in seinem Handy oder die Webcam am oder im Rechner aufnehmen und von Cognetos Software mit den hinterlegten Fotos erkennen zu lassen. Ist ja kein Thema bei der Verbreitung der Kameras und der Nachlässigkeit, mit der sich Leute ablichten lassen und der Dreistigkeit, ungefragt andere Leute abzulichten. Das meint auch der Cogneto CEO Ralph Scobie:
"Mit Webcams, die jetzt Standard auf vielen PCs sind, ist das ein leichter Weg für Banken, Risken zu managen und den Sicherheitslevel bei bestimmten Kundenkonten zu erhöhen. Die Integration von Cognitecs Gesichtserkennungssoftware in unseren mehrschichtigen Übereinstimmungs-Ansatz zur Authentifikation markiert einen wahren Neubeginn für das Online-Banking..."
Scobie ist übrigens längst nicht so freizügig mit seinen persönlichsten und innerlichsten Daten wie es die Benutzer des Cognetosystems sein sollen. Auf seiner Biographieseite antwortet er auf die Frage nach seinen "verrücktesten Erinnerungen", es "seinen zu viele, um davon zu erzählen" und auf die Frage nach seinem "wildesten Traum": "Hey, Privatssphäre ist ein Kernpunkt – nicht nur im Internet".Hat das System alle nötigen Daten, Bilder und Informationen beisammen, werden sie zur Cognometric Engine transportiert, dem "Hirn" des Ganzen. ![]() Das Cognetosystem im Überblick. Abbildung: Cogneto. Am Ende führt die Engine noch ein Sicherheits-Rating durch, das einen Scorewert auswirft, der wiedergibt, ob die vor dem Rechner oder Handy sitzende Person die ist, für die sie sich ausgibt. Wie Cogneto angibt, nach Forschungstests und bei etwas Training und Lernen für das System in 10 Sekunden.
Minority Report Identifikation und ... Posted by Kai Raven
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23:21
Comments (0) Trackbacks (0) Friday, October 27. 2006Facettenreiche Verhaltensüberwachung mit Videokameras
Die beiden großen Trends auf dem Gebiet der Videoüberwachung sind technischer und sozialer Natur.
Zur technischen Evolution zählen bessere Optiken, die Kameras mit größeren Zoomfähigkeiten, größerem Blickwinkel und größerer Lichtsstärke versehen, um Personen und Objekte auf große Distanzen, in größeren Räumen und unter suboptimalen Umweltbedingungen aufzunehmen, die Mobilisierung der Kameras mit Elektromotoren, die ehemals starre Kameras mit Schwenk- und Neigebewegungen versehen, um jeden Bereich im Blickwinkel "bestreichen" und sich auf veränderliche Szenarien einstellen zu können, die Verlagerung von Speicherraum und Prozessoren aus den Kontrollzentren in die Kameras und ihre Vernetzung per Funk, die zum Wechsel von der analogen zur digitalen Videoüberwachung gehören und zu guter Letzt die Ergänzung der Optik um Mikrofone und Lautsprecher, womit zur visuellen auch die akustische Überwachung und die verbale Reaktion auf Aktivitäten überwachter Personen hinzukommt. Über die lokalen Speicherpuffer und die Kompression der digitalen Videodaten können größere Mengen an digitalen Aufnahmen erfasst, verarbeitet und länger vorgehalten werden – es gibt nicht nur die Vorratsdatenspeicherung für digitale Kommunikationdaten. Die Vernetzung ermöglicht statt punktueller Ortsüberwachung flächendeckende Raumüberwachung und eine größere Flexibilität der Überwachung, wenn z. B. Zielobjekte von einem in einen anderen Überwachungraum wechseln und sich die Überwachung der Kameras der Bewegung der Objekte anpassen soll. Auf den Prozessoren und in den Computern der Kameras laufen Programme und Algorithmen, die einen Teil der Erkennung und Interpretation der aufgenommenen Objekte, Szenerien und Vorgänge vom menschlichen Wachmann auf die Kamera übertragen. Dabei rückt immer mehr die Charakterisierung von Objekten, die Interaktion zwischen Objekten, Personen und Objekten oder Personen und Personen und die Bewertung menschlichen Verhaltens in das Zentrum des Interesses. Die Kameras dringen so über Automation und Vernetzung, "Intelligenz" und "erkennendem Selbst-Sehen" statt bloßer Aufnahme in Bereiche vor, die nie zuvor eine Kameralinse gesehen hat. Schon durch die schiere Anzahl und das Wachstum der Kamerainstallationen werden vorher unbeobachtete Bereiche oder gar private Rückzugsgebiete im öffentlichen Raum förmlich "aufgebraucht". Ehemals konzentriert auf spezielle Objekte, die sich mit hohen Schutzinteressen verbinden (Kernkraftwerke, Militärbasen, Unternehmensgelände, Finanzinstitute, Lagergebäude, Gefängnisse, Bahnhöfe und Flughäfen), halten Videoüberwachungskameras Einzug in Straßen der Innenstädte, Wohnviertel, Parkanlagen, in Fahrzeugen des öffentlichen Transports wie Züge, Taxis und Busse, Einkaufszentren, Freizeitstätten und Vergnügungsparks, an oder gar in Casinos, Bars, Clubs und Kneipen. Bedingt durch die technische Evolution werden Kameras immer kleiner und können auf größere Distanzen installiert werden, was sie der Aufmerksamkeit der Beobachteten entrückt, wenn diese sich nicht bereits dort an ihren Anblick gewöhnt haben, wo sie in massiver Anzahl auftreten. So werden Kameras immer mehr zum Alltag wie Straßenlampen, Stromverteiler oder Bankautomaten, was das Gefühl der Bedrohung, dass sich zur Zeit noch bei eingen Zeitgenossen zeigt und begrenzte öffentliche Debatten auslöst, in ein paar Generationen zum Verschwinden bringen wird. Obwohl gerade sie es sind, die nicht nur ihre Schädel und Augen vor den biometrischen Algorithmen im Innern der Kameras offenbaren, um identifizierbar und lokalisierbar zu werden, sondern deren Art, sich im öffentlichen Raum auszudrücken, zu bewegen und zu verhalten in immer mehr Facetten von den Linsen der Kameras erfasst und den Computern dahinter kategorisiert und beurteilt wird. Je mehr Facetten hinzukommen, auf die entsprechende Reaktionen und Sanktionen erfolgen – akut auf herbeieilende Sicherheitskräfte oder Lautspecheransagen limitiert – desto mehr werden sich individuelles Verhalten und Gebaren den Forderungen beugen und anpassen, die sich in den Reaktionen und Sanktionen ausdrücken. Auch das wie die Ausweitung der Kamerainstallationen ein schleichender Prozess. Was die Kameras zur Zeit ohne die Hilfe und Interpretation ihrer menschlichen Bediener an Verhalten und Gebaren "wahrnehmen" und als bedrohlich oder "anti-sozial" einstufen können, sind grobe, zuvor definierte Muster, die sich für die Kameras als Änderungen in Zeit, Raum, der Geometrie der Objekte widerspiegeln: Schnelle oder zu langsame Bewegungen, die Berührung mit und das Eintreten von Objekten in räumliche Zonen des Verbots, Zusammenballungen von Objekten in Räumen, in denen sie ansonsten isoliert auftreten, das Isolieren einzelner Objekte aus Umgebung und Hintergrund und die Verfolgung ihrer Bewegung. Um mehr Facetten des menschlichen Verhaltens per Videoüberwachung auf- und wahrzunehmen, muss die Kameraüberwachung facettenreicher werden und sich von grober zur feinen Unterscheidung der Muster menschlichen Verhaltens weiter entwickeln. Das ist das Ziel des Videoüberwachungssystems mit "Computer Vision" (dem obigen "erkennendem Selbst-Sehen"), dem sich der New Scientist Artikel Surveillance system spots violent behaviour widmet. Wie der New Scientist berichtet, erforscht man an der Universität von Texas ein neues Softwaresystem zur Videoüberwachung – also das, was auf den Prozessoren der "intelligenten Videoüberwachungskameras" läuft – das bald in der Lage sein soll, verschiedene "Typen von Aktivitäten", sprich Verhaltensweisen, Bewegungen und Gebaren von und zwischen Menschen zu unterscheiden und zu erkennen. Dabei steht die Erkennung auf Gewalt hindeutender Aktivitäten im Mittelpunkt, denn damit kann man Videoüberwachung am Besten verkaufen und Forschungsgelder erhalten. Letzlich ist "Gewalt" durch jeden anderen Verhaltenstyp austauschbar. Wie das System technisch dazu in die Lage versetzt werden soll, beschreibt der Artikel so:
[Die Wissenschaftler] entwickelten eine Software, die jeden Bildframe analysiert und Pixelcluster identifiziert, die mit einem groben Modell des menschlichen Körpers übereinstimmen. Sie untersucht dann das Zusammenspiel sich voneinader unterscheidender Pixelcluster, um die Interaktionen zwischen Individuen zu klassifizieren.
Bei Tests mit sechs verschiedenen Paaren, die 54 verschiedene, inszenierte Interaktionen darboten, konnte bis jetzt eine 80% Genauigkeit der Erkennung der korrekten Aktivität erzielt werden. Mit einem kommerziellen Einsatz rechnet man in ein paar Jahren.Viele Interaktionen können jedoch zweideutig sein. Eine Person, der jemand einen Kaugummistreifen oder eine Zigarette anbietet, kann ähnlich aussehen wie eine Person, die zum Beispiel mit einem Messer bedroht wird. Um das zu meistern, beschlossen [die Wissenschaftler], ein Profil für jeden Verhaltentstyp zu konstruieren. Parks (einer der Wissenschaftler) nennt das eine "semantische Analyse" der Interaktion. Das bedeutet, dass mehrere, verschiedene Faktoren einbezogen werden. Zum Beispiel müssen sich bei der Identifizierung von zwei Personen, die sich die Hände schütteln, deren Hände nicht nur geschlossen haben, sondern sich auch synchron bewegen. [Die Wissenschaftler] kodierten präzise eine Beschreibung dieser Schlüsselmerkmale, nach denen die Software sucht, wenn sie eine Szenerie analysiert. Das erlaubt die Zuordnung eines Wahrscheinlichkeitswerts, dass eine bestimmte Aktivität beobachtet wird. Interessant ist die Antwort von Parks auf die Kritik eines Kollegen, die "Vision" Kapazität des Systems müsse wesentlich verfeinert werden: Er arbeite an einer Verbesserung, die vom Einsatz vieler Kameras mit verschiedenen Blickwinkeln profitiert. Immer mehr installierte, technisch hochgezüchtete Videoüberwachungskameras ziehen also eine ausgefeiltere und umfassendere Bobachtung und Beurteilung des Verhaltens nach sich und neue "intelligente Software" zur videogestützten Verhaltensanalyse fordern mehr Kamerainstallationen. Siehe auch gulli - Überwachung 2.0: Kameras sollen aggressives Verhalten automatisch erkennen und engadget mit Smart surveillance systems may soon detect violent behavior.
Facettenreiche Verhaltensüberwachung ... Posted by Kai Raven
in Anonymität, Biometrie, CCTV / Video, Owl at
19:09
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