Mein erster Versuch mit
Movable Type ist weiter gediehen. Ich habe mir
mySQL installiert, etwas abgesichert, einen User für die Blogdatenbank und die Blogdatenbank angelegt. Für jemanden, der höchstens mal etwas von SQL, Primärschlüsseln, Datensätzen und Tabellen gehört hat, war das schon schwierig. Dann habe ich noch einen virtuellen Bloghost für meinen lokal laufenden Apache angelegt und MT nach Installationsanweisung konfiguriert und installiert und siehe da, das Standardtestblog erscheint im Browser und irgendwas wird auch in die Blogdatenbank von mySQL geschrieben. Funktioniert also schon mal. Es ist jedenfalls an sich interessant, mal die Sache von der anderen Seite zu sehen, als nur einen fertigen Blogservice zu nutzen. Vielleicht bekomme ich ja sogar Lust, mich ab und zu näher mit mySQL und dem Blogkram zu beschäftigen ;o)
Da es grad um Blogs geht - ich höre ja auch immer gerne beim
CCC Radio mit. Morgen geht es im Chaosradio um die
"Blogosphäre". Als Ergänzung oder zum "Vorhören" bieten sich imo die Chaosradiosendungen
79 "Das Semantische Web" [
mp3|
ogg] und
86 "Hallo Radio, hörst du mich?" [
mp3|
ogg] an, in denen Blogs und die Blogossphäre schon ansatzweise zur Sprache kamen.
Zum morgigen Thema "Die Blogosphäre" schreiben die Macher in der Ankündigung:
Eine neues Kommunikationsphänomen erfasst das Internet: nach der privaten Nutzung von Mail und News erlangt nun auch das Web eine persönliche Note. Die individuelle Kommunikation auf tagesaktueller Basis findet in der Öffentlichkeit statt und ist sehr persönlich, wenn auch nicht sehr privat. Über Weblogs, auch Blogs genannt.
Von manchen als "Tagebücher" verkannt, haben Weblogs in den letzten Jahren durch ein paar einfach technische Weiterentwicklungen eine ungeheure Popularität erlangt: tausende neue Weblogs entstehen täglich weltweit und erlauben eine neue Form der Nachrichtenverteilung und -bewertung. Weblogs stossen auch in zunehmenden Maße bei der Wirtschaft auf Interesse, sei es in Form kommerzieller Weblogdienste oder einfach als alternative Kommunikationsform mit der Kundschaft.
Chaosradio 87 führt in die Welt der Weblogs, die "Blogosphäre", ein und erläutert sowohl die sozialdynamischen Prozesse als auch die technischen Grundlagen der neuen Webbewegung.
Aha, dass Web erlangt eine
persönliche Note! Erlangt es die erst jetzt in den Blogs durch persönlich bis privat gehaltenes Publizieren oder durch die Beteiligung der Besucher/Leser?
Ich meine, ich könnte auch eine normale Homepage oder ein PHP Webforum anlegen und darin persönliches oder privates zum Besten geben, Kommentare oder Gästebucheinträge bieten auch dort den Besuchern die Möglichkeit, zum Inhalt beizutragen. Irgendwie sind doch Blogs damit kein neues Kommunikationsphänomen, bzw. unterscheiden sich für mich nicht viel zum herkömmlichen Webpublizieren.
Aber wenn man sich herkömmliche Websites und -foren ansieht, geht es dort meistens mehr um fachlich-sachliche Themen und Links. Man benutzt die allgemein nicht für persönlich-private Texte. Also müsste das Private-Persönliche doch eines der herausragenden Merkmale von Blogs sein.
Wenn ich mir aber die sogenannte Blogosphäre ansehe, trifft das aber auch nur auf einen Teil der Blogs zu und ich finde schon, dass die Bezeichnung als "Tagebuch" oder "Journal" für derartig ausgerichtete Blogs zutreffend ist, auch wenn ich mir vorstellen kann, dass die Blogautoren das nicht gerne hören werden. Warum weiß ich nicht, denn ein "Tagebuch" Weblog ist doch an sich qualitativ nicht geringer zu bewerten als ein "Fach" Weblog (auch wenn mir persönlich diese Logs nicht so sehr liegen, weil mir im allgemeinen die Alltagserlebnisse von Dutzenden von Leuten, die ich nicht kenne, nichts bringen).
Der andere Teil wiederum stellt zum größten Teil Linksammlungen oder Linkverweise dar, aber im Unterschied zur herkömmlichen Verlinkung im Web wird der Link durch Kommtare und Bewertungen des Blogautoren ergänzt - darin erschöpft sich für mich auch mehr oder weniger die
Nachrichten-Funktion von Weblogs. Es ist doch meistens so, dass man in Blogs nur von Ereignissen liest, die man schon von anderen Nachrichtenquellen wie Zeitungen, Mailinglisten, Radio erfahren hat. Eine wirkliche Nachrichtengenerierung und -verteilung sehe ich nur dann, wenn man sich ausschließlich auf Weblogs stützen würde - aber wer macht das schon. Aber trotzdem spielt doch das stärkere Hervorteten des Autoren als Person sowohl in "Tagebuch" als auch "Fach" Weblogs eine große Rolle, auf den Foren und Homepages bleibt die Person an sich mehr im Hintergrund.
Was bei den Blogs noch hinzukommt, ist die einfache und schnelle Art und Weise, mit der jede Person sofort publizieren kann, was imo vor allem den ganzen Blogdiensten zu danken ist. Kein Erlernen von HTML, CSS oder PHP, kein umständliches "Homepagebauen" hindert jemanden noch daran, im Web zu publizieren.
Was die (alternative) Kommunikation durch Blogs im Vergleich mit Mail, News, Chats angeht - da ist es doch bei den Blogs nicht so doll bestellt. Auf jeder Mailingliste, in jeder Newsgroup oder in jedem Channel wird doch mehr zweiseitig kommuniziert, als in einem Blog. Der Blogautor schreibt, die Blogbesucher konsumieren und dürfen allenfalls einen Kommentar hinterlassen - nicht gerade etwas, was ich als
alternative Kommunikationsform oder
neues Kommunikationsphänomen im Sinne eines zweiseitigen, intensiven Kommunikations-Austausches von gleichberechtigten Kommunikationspartnern verstehe. Darunter würde ich mir ein offenes Blog vorstellen, ähnlich der Autorenkollektivblogs, in dem es die Trennung zwischen Blog-Besitzer und Blog-Konsument nicht mehr gibt, aber die Beiträge des einzelnen Autors vor Veränderung oder Verfälschung durch andere Autoren geschützt bleiben, wenn das gewünscht wird. In so einem Blog würde es deshalb auch keine Trennung mehr zwischen Beitrag und Kommentar geben, sondern neben alleinstehenden Beiträgen Beiträge die sich zueinander ergänzen oder Diskussionen widerspiegeln. Das erinnert mich wiederum mehr an die
WiKis, die, so weit ich das sehe, der gemeinsamen Arbeit an Dokumentationsprojekten dienen und weniger dem alltäglichen und persönlich gehaltenen Austausch vieler Personen.
Tja, fast alles bleibt im Dunkeln und ich bin genauso schlau oder dumm wie zuvor. Ändert sich ja eventuell nach der Chaosradiosendung, falls ich es schaffe, meine Ohren trotz der dämlichen Erkältung offen zu lassen. Oder man läßt den ganzen Theoriekram einfach beiseite, schreibt seine Einträge und liest die der anderen Blogonauten ;o)