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Sunday, December 17. 2006
Ui, die F.A.Z hat in Roboter sollen vor Terror schützen jetzt auch das Forschungsprogramm zur Inneren Sicherheit (sprich Überwachung- und Kontrollforschung) der Bundesregierung im Rahmen des Sicherheitsforschungsprogramms der EU entdeckt. Inhalt des Entwurfs zum "Programm für zivile Sicherheitsforschung" des Bundesministeriums für Forschung und Bildung, aus dem die F.A.Z plaudert – wie sollte es anders ein – neue Videoüberwachungskameras mit intelligenter Videoverarbeitung zur Erkennung "verhaltensauffälliger" Menschen (in Großbritannien heißt das direkter "anti-soziales Verhalten") und zur Überwachung der "sozialen Dynamik" von Menschenmengen, -aufläufen und -massen (sprich Früherkennung von Aufständen), Aufrüstung von Zugangskontrollsystemen mit biometrischen Identifizierungstechniken und "Body-Scannern", neue UAVs (unbemannte Flugvehikel, auch "Drohnen" genannt) für Sicherheitskräfte zur Überwachung aus der Luft. Neu ist, dass es nicht 100, sondern noch 23 Millionen Euro mehr bis 2010 sein sollen, die Bundesforschungsministerin Schavan für unsere Überwachung locker machen will. Was daran futuristisch sein soll und mit einem Standbild aus "RoboCop II" untermalt werden muss, ist mir schleierhaft. Wir holen doch nur nach, was in Großbritannien und den USA entweder gerade entwickelt oder bereits im Einsatz ist.
Sunday, December 17. 2006
Vielen Dank für die Auszeichnung und Glückwunsche auch an meine Bloggerkolleginnen und -kollegen, Mailinglistenbetreiber, Websitegestalter, Webforen- und Wikiautoren, Usenetposter und Programmierer, die ebenfalls an der kreativen, kritischen und informativen Mitgestaltung des Informationszeitalters mitwirken :)
Saturday, December 16. 2006
Ein – noch geschönter – Blick in das modernisierte US-Internierungslager Guantanamo gefällig? Cryptome ermöglicht ihn durch die Guantanamo Photos.
Sunday, December 10. 2006
Bei Google Video gibt es ein interessantes TV-Interview zur Vorratsdatensspeicherung und anderen Datenschutzthemen mit padeluun als Vertreter des AK Vorratsdatenspeicherung und des FoeBuD und dem Rechtsanwalt Meinhard Starostik, der die Sammelverfassungsbeschwerde gegen die Vorratsdatenspeicherung beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe vertreten wird, wenn die Bundesregierung die VDS zum Gesetz macht.
Erst kürzlich hatte sich öffentlich und offiziell die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und Mitglied des Bundestaginnenausschusses Petra Pau in ihrer lesenswerten Rede Die Sicherheits-Architektur attackiert die Gesellschafts-Architektur anlässlich der Veranstaltungsreihe "Gesamtstaatliche Sicherheit" der Sammelverfassungsbeschwerde angeschlossen:
Ich habe vor Wochen die Bundesregierung gefragt, wie viele Datenbanken mit persönlichen und Umfeld-Daten über vermeintliche Kriminelle, Terroristen, Staatsfeinde, "Gefährder" usw. bereits existieren.
Die Bundesregierung hat detailliert, wenn auch unvollständig geantwortet. Demnach gibt es schon jetzt 160 Dateienbanken mit rund 60 Millionen Datensätzen. Das sind keine Peanuts, das ist bedrohlich.
Aber auch das gehört zur neuen Sicherheitsarchitektur. Die Substanz der freiheitlich-demokratischen Grundordnung wird verklappt und unterlaufen. Es geht ans Eingemachte. Deshalb habe ich mich auch einer Sammerklage gegen die Daten-Vorratsspeicherung in Karlsruhe angeschlossen. Die Pressefreiheit und weitere Grundsätze sind gefährdet. Das will ich nicht.
Die Rede von Petra Pau ist auf der Seite zur Veranstaltungsreihe nicht verlinkt, wohl aber in gekürzter und zusammengefasster Form die Rede von Bundesinnenminister Schäuble, in der er das Internet zur "Fernuniversität und Trainingscamp" für Terroristen erklärte.
Ich hatte schon angefangen, für den TV-Beitrag mit Bittorrent herumzuwerkeln, aber da er jetzt bei Google Video zu sehen ist, umso besser. Auch gut, da ich im Schnelldurchgang gelernt habe, mit µTorrent selbst Dateien anzubieten. Ich hoffe, der sehr gute Windows-Bittorrentclient µTorrent wird durch die Übernahme durch BitTorrent ein plattformübergreifender, schlanker, einfach zu bedienender Bittorrent-Client ohne DRM-Beschränkungen. Aber das nur am Rande.
Noch drei Anmerkungen zum TV-Interview:
- Bei dem Interview handelt es sich um einen Beitrag der Reihe "Stadtgespräch Kontrovers" des Berliner Privatsenders TV.B.
Er zeigt, dass man auch im TV eine interessante Sendung zur Vorratsdatenspeicherung machen kann, die länger dauert als eine Notiz in der Tagesschau.
Er zeigt, dass man auch längere Gespräche mit Personen aus NGOs und Datenschutzinitiativen führen und zeigen kann und nicht nur die "talking Heads" aus Politik und Wirtschaft in den Quasselbuden von Christiansen, Beckstein, Strunz, Friedmann und Co.
Er zeigt kurzum mal wieder, dass das ÖRF-Staatsfernsehen bei dem Staat unangemehmen Themen (wie im TV-Interview der Moderator berichtet, fand sich weder Bundesjustizministerin Zypries noch ein untergeordneter Staatsdiener bereit, bei der Sendung mitzuwirken) bezüglich seines Informations- und Meinungsbildungsauftrages völlig versagt.
- Das Engagement von Petra Pau ist zu begrüssen.
Wo sind die anderen "Volksvertreter" und Politiker, die zur Sicherheits- und Innenpolitik und insbesondere zur VDS mit gerunzelter Stirn als "Bedenkenträger" durch die Flure des Bundestages und der Landtage schleichen oder sich mal hin und wieder mit dem kleinen, verbalen Zeigefinger in ausgewählten Presseerzeugnissen zu Wort melden? Aus Fraktionszwang und Karriereangst die innere Gleichschaltung vollzogen?
- Wie Mainhard Starostik und padeluun im TV-Interview berichten, gibt es zwar mittlerweile 6 - 7000 Eintragungen mit dem Meldeformular zur Sammelverfassungsbeschwerde des AK Vorratsdatenspeicherung, aber nur ca. 1000 Vollmachten, die an Mainhard Starostik gesendet wurden.
Die restlichen 5 - 6000 Eintrager sollten dann auch so konsequent sein, den letzten Schritt zu vollziehen und die schriftliche Vollmacht abzusenden. Alle Informationen und Erklärungen dazu liegen mittlerweile vor.
Via: Mailingliste AK Vorratsdatenspeicherung und netzpolitik - Vorratsdatenspeicherung im Fernsehen.
Thursday, December 7. 2006
Und nun lieber Leser gieb fein Acht, die Annette hat Dir 'nen schönen Popanz mitgebracht:
Na das ist mal wieder ein wild zusammengeschusterter Artikel, den uns Annette Ramelsberger in der Süddeutschen mit der Durchsuchung online feilbietet.
Da heißt es direkt am Anfang:
Den meisten Computernutzern ist es nicht klar: Aber wenn sie im Internet surfen, können Verfassungsschützer oder Polizei online bei ihnen zu Hause auf die Festplatte zugreifen und nachschauen, ob sie strafbare Inhalte dort lagern - zum Beispiel Kinderpornographie oder auch Anleitungen zum Bombenbau.
Natürlich nur, wenn es einen konkreten Tatverdacht gibt und nachdem ein Richter zugestimmt hat.
Vermutlich wollte die Autorin aussagen, dass Angreifer – wenn man als Internetbenutzer mit einem Betriebssystem online unterwegs ist, dem Wartung und restriktive Einstellungen fehlen, sprich aktuelle Sicherheitsaktualisierungen, eingeschränkte Netzwerkdienste und die Benutzung eingeschränkter Benutzerkonten, jeden Mailanhang ungeprüft öffnet, mit E-Mail Clients arbeitet, die alles mögliche ausführen, mit einem Webbrowser surft, die auch alles ausführen, weil alles aktiviert ist, was nur ein Klickkästchen hat und bei dem man nicht die Kontrollmöglichkeiten einsetzt, die man als Internetnutzer hätte, unsichere Instant Messaging Plattformen nutzt, die spezielle Würmer freudig begrüßen, keinen eigenständigen und gut gewarteten Paketfilter zwischen Rechner und der DSL-Dose pflanzt und dergleichen mehr – von außen nach innen oder von außen nach innen und wieder hinaus, lokale Daten ausspähen können.
Eine Binsenweisheit, die auch für die Angreifer aus BKA, Verfassungsschutz & Co gilt. Denn Angreifer sind sie aus der Sicht eines um die Integrität seines Rechners und den Schutz seiner Daten bemühten Internetnutzers. Wären sie nicht, basierend auf – wie immer demokratisch legitimierten – Rechtsgrundlagen, im Staatsauftrag und mit mal korrekter, mal unkorrekter Richtergenehmigung unterwegs, müsste man sie nach dem EU-Übereinkommen gegen Computerkriminalität oder dem "Entwurf eines Strafrechtsänderungsgesetzes zur Bekämpfung der Computerkriminalität (StrÄndG)" wegsperren. Aber ihr Ansinnen gehört ja zu dem, was "alles an Menschenmöglichem getan werden kann", um die gefühlte Sicherheit in der Bevölkerung vor den Terroristen zu stärken. Das dabei der konkrete Tatverdacht vielleicht noch für die Internetpolizisten des BKA und der LKAs gilt, aber viel weniger für die Internetagenten der Geheimdienste, geht der Autorin ab. Aber sie macht dem bösen Internet mit seinen verkappten Terroristen mit ihrer pauschalen Übertreibung, dass den Staatsdienern immer und überall alles möglich sei, tüchtig Angst und verarbeitet auch fleißig die Reizworte – Kinderpornografie und Bombenanleitungen – die alle Initiatoren und Befürworter der polizeilich-geheimdienstlichen "Überwachung des Internets" ständig im Munde führen. Sie werden die Worte der Autorin mit Wohlgefallen vernehmen. Und weiter geht's im Sauseschritt:
Aber haben sich die Behörden erst einmal eingehackt, ist für sie eigentlich alles sichtbar: Die E-Mails, die man bekommen, die Internetseiten, die man angesehen und auch die Dateien, die man angelegt hat. Da muss kein Fahnder mehr einen Computer beschlagnahmen, die Durchsuchung funktioniert online und quasi ferngesteuert.
Oha, wenn die kleinen und großen Netzspione der Behörden also nicht auf den Typus des Internetnutzers stoßen, der das genaue Gegenteil des obigen Netzbürgers darstellt – man mag ihnen fast wünschen, sie hätten wirklich immer mit der Internetvariante der beiden Kofferbombenamateure zu tun, denn ansonsten hätte der ganze Spionagespuk ja gar keinen Sinn – offenbart sich ihnen auf geradezu magische Weise das Gestern und Heute der Browserhistorien, IRC- und IM-Logs, E-Mails und Dateien in ganzer Pracht.
Kein Internetnutzer, der verschlüsselte Dateisysteme einsetzt, die sich – man höre und staune – gar auf einem unixoiden Betriebssystem statt dem Windows-OS, das natürlich alle Terroristen nutzen (müssen), befinden können. Kein Websurfer, der penetrant die vom Browser zwischengespeicherten Cookies, besuchten Links, Saugchroniken und andere Heimlichkeiten elimieren lässt, wenn er genug vom Web hat und der renitent seine E-Mails verschlüsselt, stört das heimliche Stöbern bei Tag und bei Nacht. Das Verbiegen der Pfade zu Mailordnern, Mailboxdateien, Profilverzeichnissen und Ablegen von Briefen, Bildern und Voicemails in verschlüsselte Container und Partitionen kommt selbstverständlich auch nicht gegen die Fernsteuerung der gesteuerten Fahnder an. Aber oh Schreck, wie man flugs darauf erfährt,
soll nun auch das Bundeskriminalamt (BKA) in großem Maß dürfen, was die Kollegen in den Ländern längst tun.
Was tun sie denn? Die Antwort folgt:
Die Polizeien der Länder betreiben diese Art der Fahndung schon lange: Sie schleichen sich zum Beispiel in Internetforen ein, wo Kinderpornohändler miteinander kommunizieren oder legen im Internet Köder aus für Täter, die der Organisierten Kriminalität zuzurechnen sind. Auch der Bundesverfassungsschutz ist bei der Internetrecherche eifrig zugange. Die Experten nennen das "Offensive Nutzung Internet", abgekürzt ONI.
Jaja, sie nennen es auch vulgär "Internetstreife", "Zentralstelle für anlassunabhängige Recherchen in Datennetzen (ZaRD)" oder bald auch "Internet Monitoring und Analysestelle (IMAS)". Aber sie sollen eben jetzt das dürfen, was die Kollegen noch nicht durften, aber bald alle dürfen sollen. Der Ingo, der Wolf, hat es mit seinem neuen Verfassungsschutzgesetz für das Land Nordrhein-Westfalen schon eingeritten und der Schäuble noch draufgesattelt. Das es noch einen Unterschied gibt – den es nach Meinung der Wölfe nicht mehr gibt – zwischen verdeckter Recherche im öffentlichen Internet und verdecktem Einbruch in private Rechner (sollte er denn gelingen), den man an dieser Stelle auch hätte erwähnen können...geschenkt. Und so schließen wir für dieses Mal gnädig den Vorhang und warten auf den Originaltext des "Programms für die Stärkung der inneren Sicherheit" des Bundesinnenministers, auf dem der Artikel der Süddeutschen basiert. Wer sich von den werten Lesern noch fragen sollte, worüber da alles die Rede ist und die bequemen Links vermisst – fasst es als kleines Addventsrätsel auf und begebt Euch doch mal auf die spannende Quest durch dieses Weblog und die der Blogroll. Der heilige Gral bleibt Euch versagt, dafür vielleicht so manch neuer Gedanke, bittere Erkenntnis und Antrieb zum Handeln nicht. Siehe dazu auch:
Schieflage - Schäuble & Co. sind eine Gefahr für die Gesellschaft
Ingo Wolf - Plenarrede von Innenminister Dr. Ingo Wolf anl. der 2. Lesung des Gesetzes zur Änderung des Verfassungsschutzgesetzes vom 07.12.2006
Surveillance Studies - …und immer mal wieder das InternetJürgen Kuri - Online-Durchsuchung von PCs durch Strafverfolger und Verfassungsschutzgulli - Grüne Welle für staatlich organisierten HausfriedensbruchTagesspiegel - Die Ermittler surfen mitFlorian Rötzer - Lauschangriff auf Festplatten
Christian Rath - Die Polizei als Hacker
Burks - Viren und Trojaner vom BKA?
Z A F - Jetzt den Bundestrojaner herunterladen
Wednesday, December 6. 2006
Wie die Süddeutsche heute in Staatsanwaltschaft belauschte Journalisten berichtet, wurde nicht nur die Anwaltskanzlei von el-Masris Anwalt Gnjidic und Gnjidic selbst auf Veranlassung der Münchner Staatsanwaltschaft abgehört, sondern insbesondere auch die Telefonate, die Gnjidic mit Journalisten des ZDF und des Stern führte. Der Stern Journalist Hans-Martin Tillack dazu:
"Ich bin schockiert, dass ausgerechnet Journalisten betroffen sind von dieser Maßnahme, die ja eigentlich den Tätern gelten sollte. Es ist höchst gefährlich, wenn sich der Eindruck verbreitet, dass Journalisten ohne weiteres abgehört werden - das schreckt potentielle Informanten ab".
Angesichts der BND Aktionen gegen Journalisten und ihre Informanten oder der Durchsuchungsaktion gegen Cicero fällt der Schock des Journalisten schon reichlich naiv aus. In einigen Pressekreisen sollte man sich doch langsam die Frage gestellt haben, ob der Schutz der Presse und der Journalisten nur noch auf dem Papier des Gesetzes steht und der Stellenwert der Pressefreiheit wirklich noch geachtet wird und ob das alles nur "bedauerliche Einzelfälle" sind, wie die beliebte Ausrede unter Politikern lautet, wenn sie auf Lausch- und Spionageangriffe auf die Presse angesprochen werden, oder ob sich dahinter eine schleichende Entwertung journalistischer Schutzrechte und der Pressefreiheit in Deutschland verbirgt, die zum System wird. Vielleicht ist das ja auch ein heilsamer Schock, der zur Erkenntnis führt, dass angesichts immer größerer Überwachungsbefugnisse und -eingriffe seitens der Polizeibehörden und Geheimdienste der deutsche Rechtsstaat auf das Maß relativiert wird, das sich Innen- und Sicherheitspolitiker wünschen. Aber immerhin zeigt sich die Einsicht, dass es mit leichterer und vermehrter Kommunikationsüberwachung und Vorratsdatenspeicherung auch für Journalisten ans Eingemachte geht. Nicht umsonst gilt im Gesetzesentwurf zur VDS der Berufsgeheimnisträgerschutz nur in abgeschwächter Form für Journalisten und Rechtsanwälte. Sie wird sich spätestens dann zeigen, wenn mehr Informanten abspringen, Whistleblower unter erschwerten Bedingungen befragt werden müssen und sich weitere Fälle ergeben, wo Journalisten als unfreiwllige Informationszuträger missbraucht wurden. Siehe dazu auch:
Financial Times - Lauschangriff auf el-Masris Anwalt löst Empörung aus
Tagesschau - "Das Ganze stinkt zum Himmel"
Tuesday, November 21. 2006
Vormerken in Eurem Lightning Kalender oder "Personal Information Manager" Eurer Wahl. Wäre übrigens neben dem Versand des Newsletters und der Ankündigung im Feed eine gute Ergänzung für Chaosradiosendungen: Links mit dem Termin auf der Chaosradioseite und im Feed, den man dann in den Kalender übernehmen könnte. Die nächste Chaosradiosendung am 29.11.06 beschäftigt sich mit Instant Messaging – Realtime Kommunikation im Internet. Mit von der Partie ist neben Tim Pritlove und Holger Klein auch Florian Holzhauer, einer der Admins des Jabberservers jabber.ccc.de. Der Ankündigungstext:
Instant Messaging (IM) ist nichts neues, doch setzt es in dieser Zeit zum großen Sprung an. Zahlreiche Diensteanbieter wie Google, GMX oder Web.de liefern heute zur kostenlosen E-Mail-Inbox auch Instant Messaging-Dienste dazu und treiben ein einheitliches Messaging-Netzwerk voran. IM wird zur SMS des Internets - ist aber deutlich billiger und vor allem deutlich flexibler.
Als ICQ 1997 mit seinem Dienst an die Öffentlichkeit trat war vielen der daraus nachfolgende Erfolg des Konzeptes unvorstellbar. Viel zu sehr orientierte man sich an Web und E-Mail. Doch während E-Mail unter Dauerbeschuss durch Spam steht und Web das One-on-one-Kommunikationsbedürfnis nur beschränkt bedienen konnte wurde IM immer populärer und ist heute Ausgangspunkt für viele interessante neue Dienste und Anwendungen.
Chaosradio erzählt die Geschichte von Instant Messaging und erläutert die technischen Details, die dahinterstehen. Ein großer Schwerpunkt wird das XMPP-Protokoll (auch als Jabber bekannt) sein, dass nach langer Zeit die Ablösung der technisch grundverschiedenen und proprietären Angebote von Yahoo, AOL, Microsoft und anderen verspricht. Dazu möchten wir auch die kulturellen Auswirkungen der IM-Nutzung diskutieren und hören, welche Bedeutung IM in Eurem Alltag spielt.
Bis dahin kann man auf der Mitmachseite zur Sendung Links, Fragestellungen, Infos und Themen, die angesprochen werden sollten, hinterlassen.
Sunday, November 19. 2006
Interessante Sendung mit dem Titel "Das Jahrhundert der Denkmaschinen", auf die Murksblog in Elektronenhirne lernen dazu, Bio-Hirne weniger hinweist. Die Sendezeit erklärt, warum sie auch weniger hierzulande lernen und ist mal wieder ein schönes Beispiel, wie das ÖRF seinem Bildungsauftrag für die Massen nachkommt.
Saturday, November 18. 2006
Passt gerade nach einem Herbstspaziergang:
Die Scharen von mächtigen Raben
Es fliegen im Abend tief über die Ähren
Die Scharen von mächtigen Raben,
Wie Geheimnisse lautlos, die sich begraben,
Wie Gedanken, die sich im Zwielicht mehren.
Und es hängen die Ähren zum Straßengraben,
Als ob sie Sehnsucht nach Menschen haben.
Es steht noch ein Mäher im Klee, im dunkeln;
Du hörst nicht die Sense, du siehst nur ein Funkeln.
Es huscht noch ein Vogel schnell in die Hecke,
Die Feldwege schlängeln sich hinter Verstecke,
Die Raben kreisen und machen Runden,
Tauchen unter und sind in der Erde verschwunden.
Von Max Dauthendey (1867 - 1918)
Via: WDR Radiosendung "Die Seele der Raben" (noch bis 18:00 Uhr) :)
Friday, November 17. 2006
Ein neues Produkt, das aus einem Deal zwischen dem Hersteller der Gesichtserkennungssoftware FaceVACS Cognitec ( Testsieger der BioP I Studie und auch beim BioP II Test bei der automatischen Grenzkontrolle in Frankfurt mit an Bord) und dem Anfang 2006 gegründeten Start-Up und Hersteller einer Software zur Authentifikation und Identifikation Cogneto hervorgehen wird, weist uns den Weg, wie weit biometrische Identifikationsverfahren und Videoüberwachung vordringen werden.
Zuerst nur für's Online-Banking und nicht nur am Geldautomaten der nahen Zukunft oder in einer Videoüberwachungskamera, demnächst vielleicht auch für's Internet Log-In, bei der Anmeldung des Handys oder für die Foto-Fahndung 3.0?
Cogneto stellt dazu seine UNOMI Software bereit, die "mit cognometrics betrieben wird, einer hardwarefreien Technik, die dynamische Biometrie mit Kognitionspsychologie verbindet – zur Überprüfung mehrfacher physischer Merkmale, Verhaltenscharakteristika und Denkweisen genauso wie lokaler und globaler Risikofaktoren, um beanspruchte Identitäten zu validieren". Das Ganze beginnt mit einer "freundlichen, einfachen und stressfreien Benutzeroberfläche", in die Kunden und Benutzer anstelle von Passwörtern und PINs ihre liebsten und angenehmsten Erinnerungen eingeben sollen, weil diese im Gegensatz zu abstrakten Daten wie Passwörtern unvergesslich und für jeden "Kunden" einmalig seien. Von Cogneto werden diese Erinnerungen, die der Kunde und Benutzer seiner Bank, seinem Telefonieanbieter (oder ISP) offenbart und anvertraut, natürlich "Passthoughts" genannt, die im UNOMI System über die Zeit zu " Passthought Tagebüchern aus erfreulichen Erinnerungen", also "Erinnerungsprofilen" zusammengefasst werden. Will der Kunde und Benutzer Zugriff erhalten, werden ihm – wie auch immer – aus diesem Pool Erinnerungen präsentiert, die er wiedererkennen muss. Zugleich wertet ein weiteres Softwaresystem zur Schadensbegrenzung zusätzliche Faktoren aus, zu denen die Tageszeit, der geografische Standort des Benutzers, der verwendete Internetzugangsprovider (die "Verkehrsdaten") und wohl etliche Informationen zählen, die unter den Begriffen "Scoring" und "Rating" bekannt sind. Hinzu kommen Daten, die Informationen repräsentieren, die darauf hindeuten könnten, dass ein Angriffs- oder Betrugsversuch stattfindet (Rate der fehlgeschlagenen Log-Ins, DoS, aktuelle Virenverteilung und dergleichen). Aus den Daten versucht das Risikomanagementsystem die Wahrscheinlichkeit eines Identitätsdiebstahlversuchs bzw. die Wahrscheinlichkeit, dass der Benutzer mit der wahren Identität Zugang erlangen will, zu berechnen. An dieser Stelle kommt Cognitec ins Spiel, deren biometrische Gesichtserkennungssoftware FaceVACS in die Cognometrics Engine integriert wird und dem System Daten zur Kopf- und Körperhaltung, Gesichtsmimik und -geometrie und dem Alter zuführt. Für den Kunden und Benutzer bedeutet das neben der Freigabe seiner Erinnerungen und seiner Einschätzung die Freigabe von Gesichtsfotos und sich zusätzlich über die Kamera in seinem Handy oder die Webcam am oder im Rechner aufnehmen und von Cognetos Software mit den hinterlegten Fotos erkennen zu lassen. Ist ja kein Thema bei der Verbreitung der Kameras und der Nachlässigkeit, mit der sich Leute ablichten lassen und der Dreistigkeit, ungefragt andere Leute abzulichten. Das meint auch der Cogneto CEO Ralph Scobie:
"Mit Webcams, die jetzt Standard auf vielen PCs sind, ist das ein leichter Weg für Banken, Risken zu managen und den Sicherheitslevel bei bestimmten Kundenkonten zu erhöhen. Die Integration von Cognitecs Gesichtserkennungssoftware in unseren mehrschichtigen Übereinstimmungs-Ansatz zur Authentifikation markiert einen wahren Neubeginn für das Online-Banking..."
Scobie ist übrigens längst nicht so freizügig mit seinen persönlichsten und innerlichsten Daten wie es die Benutzer des Cognetosystems sein sollen. Auf seiner Biographieseite antwortet er auf die Frage nach seinen "verrücktesten Erinnerungen", es "seinen zu viele, um davon zu erzählen" und auf die Frage nach seinem "wildesten Traum": "Hey, Privatssphäre ist ein Kernpunkt – nicht nur im Internet". Hat das System alle nötigen Daten, Bilder und Informationen beisammen, werden sie zur Cognometric Engine transportiert, dem "Hirn" des Ganzen.
 Das Cognetosystem im Überblick. Abbildung: Cogneto.
Mit mathematischen Verfahren und von der Kognitionspsychologie abgeleiteter Funktionen entwirft die Engine bei jedem Zugang u. a. Vorhersage-Modelle, die aussagen, wie das typische Verhaltensmuster des Kunden / Benutzers während der folgenden Transaktionen aussehen wird. Diese Modelle werden mit den aktuellen Verhaltensweisen und Daten zum Kunden auf Übereinstimmung abgeglichen und statistisch analysiert, wobei die Daten der biometrischen Gesichtserkennung (die wohl zukünftig noch mit der Stimmen- und Spracherkennung zu kombinieren wäre, denn Mikrofone und Headsets sind wie Webcams überall verfügbar) und der Risikoanalyse einfließen. Am Ende führt die Engine noch ein Sicherheits-Rating durch, das einen Scorewert auswirft, der wiedergibt, ob die vor dem Rechner oder Handy sitzende Person die ist, für die sie sich ausgibt. Wie Cogneto angibt, nach Forschungstests und bei etwas Training und Lernen für das System in 10 Sekunden.
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