Nach der
Live-Durchleuchtung bis auf die Haut ist die Lebenderkennung auf dem Gebiet der biometrischen Identifizierung ein relativ neuer Ansatz zur Erhöhung der Zuverlässigkeit biometrischer Identifizierungssysteme. Neben dem
"multimodalen", d. h. gleichzeitigem Einsatz mehrerer Techniken (z. B. parallele Iriserkennung plus Abgleich der Gesichtsgeometrie plus Stimmenidentifizierung) dient die Lebenderkennung vor allem der Abwehr von Angriffen in Form von Gesichts- oder Irisfotos und Maskierung bei der Gesichts- und Iriserkennung oder gefälschten Fingerabdrücken mittels Folien oder abgeschnittenen Fingern bei der Fingerabdruckerkennung.
Für den Fingerabdruckvergleich mittels Fingerabdruckscan und Vergleich des Scans mit einer digitalen Fingerabdruckvorlage gibt es bereits von einigen Herstellern Verfahren und Geräte zur Lebenderkennung, die einen
Biometrie-Hack, wie ihn der CCC vor einiger Zeit vorgeführt hat, erschweren oder verhindern könnten.
Alle Geräte und Verfahren basieren auf dem Umstand, dass vom roten Blutfarbstoff Hämoglobin Licht im
nahen Infrarotbereich absorbiert bzw. vom restlichen Gewebe stärker reflektiert wird. Die Geräte nutzen den Effekt, indem eine Handfläche oder ein Finger mit
Leuchtdioden bestrahlt wird, die Licht im nahen Infrarotbereich abgeben. Das Licht dringt in die unteren Hautschichten ein und wird von den roten Blutkörpern in den Venen absorbiert und ansonsten reflektiert. Das unterschiedlich reflektierte Licht wird anschließend durch eine Kamera aufgenommen. Aufgrund der Absorption bilden sich auf den Kameraufnahmen die Venen als dunkle Muster ab.

Hand- und Fingervenenprofil bei Fujitsu und Hitachi.
Wie Fujitsu, einer der Hersteller, erklärt, ist das nur möglich, wenn sich das Blut bei der Aufnahme im Fluss befindet.

Abbildung: Hitachi.

Abbildung: Fujitsu
Schema Identifizierung und Authentifikation über Venenmuster
Da bei jedem Mensch bzw. jedem einzelnen Finger und jeder Hand das Venenmuster einmalig ist, kann es wie das Sequenzmuster der DNA, das Muster der
Papillarleisten der Fingerkuppen oder das Muster der Irisstrukturen zur biometrischen Identifizierung benutzt werden. Dazu bedarf es eines Venenscans, dessen Ergebis als Mustervorlage in einer Datenbank oder im Chip einer ID-Karte abgepeichert und die mit den aktuellen Venenscans abgeglichen wird.
Fujitsu und das koreanische Unternehmen Techsphere sind beide mit zwei Venenscannern auf dem Markt, die entweder die Venen der Handinnenfläche (bei Fujitsu) oder die Venen der Rückhand (bei Techsphere) scannen.

VP-II S Venenscanner von Techsphere.
Von Hitachi kommt dagegen das biomterische Identifizierungssystem
JOHMON, das mit einer Fingerkuppe auskommt:
Was den Venen-Scan mit kontaktlosen Scannern neben der versprochenen Präzision (z. B. laut Fujitsu falsche Zurückweisungsrate von 0.01%, falsche Akzeptanzrate von weniger als 0.00008 %, 2005) so attraktiv macht,
erklärte Shigeru Sasaki, der Direktor von Fujitsus Labor für Medienlösungen. so:
Identifizierungsmethoden mit Fingerabdruckscans und Gesichtserkennung werden von einigen Leuten auf psychologischer Ebene mit der Polizei in Verbindung gebracht. In öffentlichen Bereichen mögen Leute aus vernünftigen Gründen nicht den Gedanken, etwas zu berühren, was jeder andere zuvor berührt hat. Das ist der Grund, warum wir einen kontaktlosen Handvenenscanner entwickelt haben.
Ist ja auch nachvollziehbar, wenn man aus einem Land kommt, wo man aus Ansteckungsparanoia dauernd mit einem Mundschutz herumläuft.
Auch für Hitachi
liegt der Vorteil der kontaklosen Venenscanner in der niedrigeren psychologischen Barriere gegenüber anderen, invasiveren Identifizierungsmethoden. Die Schnelligkeit des Identifizierungsprozesses und die Einfachheit der Anwendung garantiere darüber hinaus eine hohe Benutzerkazeptanz. Das den Biometrieherstellern und ihren Kunden bei Behörden und Unternehmen mögliche Widerstände der Bürger und Kunden gegen das Ansinnen, sie mit allen biometrischen Methoden zu messen und biometrisch zu "katalogisieren", buwußt ist, zeigt auch sehr schön die folgende Grafik von Hitachi, die derzeitige Identifizierungsmethoden gegenüberstellt:
Wie es in dem Artikel
Vein Pattern Recognition - Biometrics Underneath the Skin heißt, ist das Hand- und Fingervenen-Scanning bis jetzt in Asien weiter verbreitet als in Nordamerika oder Europa. Aber das kann sich ja noch ändern. In Asien werden die Scanner bereits von Banken in Geldautomaten, von Firmen für Zugangskontrollsysteme und PC-Benutzern für das biometrische Login benutzt.
Vielleicht baut man ja auch irgendwann eine
Körperbox, die einen nicht nur virtuell bis auf die Haut auszieht, sondern im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut geht. Eines zeigen die Venenscanner wieder: Nach biografischen Daten wie Name und Adresse oder abstrakten Daten wie Passwörtern und Identifizierungsnummern wird immer mehr der eigene Körper und alle seine Merkmale, also das, was einen physisch ausmacht, zum eigentlichen Ausweis der Identität, Objekt der Kontrolle und Daten- und Signalgeber gegenüber jenen Stellen, die genauestens, allzeit und überall zu wissen begehren, wer man ist, was man macht und wo man ist.