Wie bereits Netzpolitik in
Gesetzentwurf zur Vorratsdatenspeicherung verfügbar hinwies, ist der
Referentenentwurf des "Gesetzes zur Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung und anderer verdeckter Ermittlungsmaßnahmen sowie zur Umsetzung der Richtlinie 2006/24/EG" des Bundesjustizministeriums bereits im Netz verfügbar.
Die im Titel genannte Richtlinie ist die EU-Richtlinie zur europaweiten Vorratsdatenspeicherung, die im Gesetzentwurf durch die neuen Paragraphen 110a und b im Telekommunikationsgesetz umgesetzt werden soll
und die bekannten Merkmale, Informationen und Verkehrsdaten mit einer sechsmonatigen Vorratsspeicherung enthält. Die Mindestspeicherungsdauer gemäß der EU-Richtline wurde laut Entwurf deshalb gewählt, um "dem Gebot der möglichst grundrechtsschonenden Umsetzung der Richtlinie" zu folgen. Wobei da nichts mehr mit grundrechtsschonend ist – die Grundrechte werden schonend und scheibchenweise demontiert, um mindestens die absolute Kontrolle über Kommunikation und Verhalten im Internet zu erringen.
Das man deshalb auch die umstrittene Speicherung der Daten zu erfolglosen Anrufen nicht vergessen hat, wenn der Anbieter die Daten bereits speichert, ist schon fast selbstverständlich.
Was der Entwurf nicht direkt im Gesetzestext enthält, wohl aber in der Begründung, ist die Inpflichtnahme aller Anbieter öffentlicher Anonymisierungsdienste, sprich Remailer, Tor Node, Anon-Webproxy Betreiber und auch JAP/AN.ON, ebenfalls die Verkehrsdaten auf Vorrat zu speichern, denn:
Und die Verhinderung, sich anonym oder pseudonym E-Mail Accounts zulegen zu können (Nym-Remailer-Accounts lassen grüßen!), denn:
Schon mal in Bezug zu E-Mail Konten an die
Möglichkeiten des neuen "E-gov Perso 2.0 (3.0, 4.0...)" gedacht? Nein? Dann wird es Zeit.
Der
Anonymisierung hat man bereits vor kurzem
den Kampf angesagt und mit
Aktionen gegen deutsche Tor Exit Nodes und JAP untermauert, jetzt wird der Kampf gesetzlich festgeschrieben, denn auch im Bundesinnen- und Bundesjustizministerium weiß man genau, dass verschlüsselte Anonymisierungslösungen bei der Durchsetzung der Vorratsdatenspeicherung
die letzten verbleibenden Mittel darstellen , um der Vorratsdatenspeicherung und ihren Folgeerscheinungen zu entgehen, wenn der VDS nicht auf juristischen und öffentlichkeitswirksamen Wegen beizukommen ist.
Wenn Tor Node Betreiber der VDS nachkommen (müssen), würde das aus der Sicht eines Tor Admins Folgendes heißen:
Folgende Fakten eines Server-Betreibers zu diesem Thema:
Ein gut angebundener TOR-Server mit monatlich 3 TByte Routing-Kapazität produziert in weniger als 1 Woche 50 GByte Logdaten für die VDS. Für die VDS müsste er also 1,5 - 2,0 TByte Speicherkapazität vorhalten. Das wäre das AUS für diesen Server (und sicher viele weitere deutsche Server).
Die deutschen Betreiber stellen mit knapp 200 Servern im TOR-Netz etwas 1/4 der gesamten Kapazität. Eine weitere große Gruppe sind die 300 amerikanischen Server. Meiner Meinung nach wäre das TOR-Netz mit diesem Gesetz am Ende seiner großen Hoffnungen.
Zum Test der Logdatenspeicherung: Man könnte die Speicherung hinsichtlich der von der VDS geforderten Daten etwas optimieren, man könnte die Daten komprimieren, aber mehr als 200 GByte für 6 Monate würden für mich sicher bleiben, zuviel für meine finanziellen und technischen Möglichkeiten.
Die Auswertung der TOR-Logs ist sicher sinnlos, ohne internationale Zusammenfassung aller Logs. Die Auswertung der Daten aller TOR-Nodes erscheint mir ebenfalls abwegig. Wenn aber 1/4 der TOR-Server aufgrund der Datenspeicherung abschalten müssten, ist es ein schwerer Schlag für das Netz.
Karsten N.
Das bedeutet, die Sicherheitspolitiker in den Ländern, in denen sich die VDS durchsetzen würde (zur Erinnerung: In den USA wird ebenfalls heftig
für die VDS getrommelt und dort sind mehrere VDS Gesetzesentwürfe im Umlauf), verbieten nicht per se die Anonymisierung, sondern üben z. B. einen indirekten Kostendruck auf Anonymisierungsdiensteanbieter aus, um sie so in die Knie zu zwingen.
Intensiviert wird der Druck durch Beschlagnahmeaktionen gegen die Rechner und Server (s. o.), auf denen Tor Router bzw. Anonserver laufen, egal, ob es der heimische Rechner ist, ein Server in Deutschland oder ein Server im europäischen Ausland bzw. überall dort, wo sich die Regierungen der Cybercrime-Konvention angeschlossen und gegenseitige Kooperationsverträge zur Strafverfolgung abgeschlossen haben. Zur Umsetzung der internationalen Beschlagnahmungsmöglichkeiten gemäß des Übereinkommens über Computerkriminalität des Europäischen Rates in bundesdeutsches Recht heißt es im Entwurf:
Und im entsprechenden Passus der Begründung:
Neben dem Verlust der unbeobachteten Kommunikation und der zu erwartenden Verminderung und Einschränkung anonymer Dienstangebote in Deutschland würde uns die Vorratsdatenspeicherung auch sonst teuer zu stehen kommen, denn wie es im Entwurf heißt, sei wegen der nicht vorgesehenen Kostenerstattung für höhere Betriebskosten und Investitionen durch die Vorratsdatenspeicherung zu "erwarten, dass die betroffenen Unternehmen diese Kosten bei ihrer Preisgestaltung berücksichtigen und damit im Ergebnis auf die Kunden abwälzen werden, soweit der Telekommunikationsmarkt dies zulässt".
Die Bürokraten im Ministerium rechnen aber mit einer geringfügigen Verbraucherpreissteigerung, da sich die zusätzlichen Kosten für die VDS bei "einem großen deutschen Diensteanbieter mit einem Jahresumsatz von annähernd 60 Mrd. Euro" etwa 700000 Euro pro Jahr belaufen. Zu zahlen haben wir auch die 17 Euro/h Entschädigung für jedes Auskunftsersuchen, was bei den Bürokraten mit den über den Daumen gepeilten 500 - 10000 Auskunftsersuchen pro Jahr mit 8500 - 170000 Euro zu Buche schlägt. Angesichts der
132 Millionen, die man Schäuble mal eben für neue Internetüberwachungsprogramme in den Rachen schiebt, zwar Peanuts, aber immerhin.
Wer zu viel Geld und Zeit übrig hat, der beschaffe sich offshore und möglichst mit anonymer Bezahlung einen Rootserver in einem
Datahaven und richte dort Tor Exit Nodes und Mismaster/Mixminion Remailer ein – wir werden sie brauchen.
Man lese dazu auch:
AK Vorratsdatenspeicherung –
Appell an Bundeskanzlerin: Stopp der Vorratsdatenspeicherung gefordertVirtuelles Datenschutzbüro –
7. Symposium zum Datenschutz bei der Telekommunikation und im InternetSex, Drugs & Compiler Construction –
Wollt ihr die totale Überwachung?get privacy –
Anonymisierungsdienste = Schutz vor dem Staat jotbe –
Keine Anonymität mehr im Netz?Heise –
E-Mail-Konto nur noch gegen Personalausweis?
Knowledge brings Fear -
Told you so…
Wie ich gerade bei Stefan lese, wird PGP 15 Jahre alt. Damals setzte sich Phil Zimmermann hin und schrieb ein Programm mit dem es dem Privatmann möglich war, seine Privatsphäre mehr zu schützen. Nach dem derzeitigen Referentenentwurf für das Gesetz zur Vo
Tracked: Nov 16, 10:21
Ich habe mal zum Spaß ein Statistikplugin in Serendipity aktiviert. Das ergibt ein kleines, anschauliches Beispiel in Farbe, was der Unterschied zwischen Tor anonymisiertem und nicht anonymen Zugriff ist und zeigt kurz und knapp, was es bedeutet, wenn die
Tracked: Nov 17, 16:00
Ein neues Produkt, das aus einem Deal zwischen dem Hersteller der Gesichtserkennungssoftware FaceVACS Cognitec (Testsieger der BioP I Studie und auch beim BioP II Test bei der automatischen Grenzkontrolle in Frankfurt mit an Bord) und dem Anfang 2006 gegr
Tracked: Nov 17, 23:24
Zur Vorratsdatenspeicherung ist ja hier und anderswo alles bzw. vieles gesagt, deshalb in Kürze der Hinweis auf die Möglichkeit, sich mit einem Eintrag in ein Formular des Arbeitskreises Vorratsdatensspeicherung persönlich an einer Verfassungsbeschwerde
Tracked: Nov 22, 16:48
Anlässlich der erfreulichen Zahl von bereits 6000 gemeldeten Beschwerdewilligen gegen die VDS (die auch alle hoffentlich die Bevollmächtigung abgeschickt haben), die der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung in 6.000 Klagen gegen geplante Vorratsdatenspeic
Tracked: Nov 30, 19:52
Bei Google Video gibt es ein interessantes TV-Interview zur Vorratsdatensspeicherung und anderen Datenschutzthemen mit padeluun als Vertreter des AK Vorratsdatenspeicherung und des FoeBuD und dem Rechtsanwalt Meinhard Starostik, der die Sammelverfassungs
Tracked: Dec 10, 10:31
Und wieder ein Tor Exit Node in Deutschland weg. Und wie das vor sich ging, beschreibt ein Tor Exit Node Admin so: Am 13.10. erhielt der Betreiber eines deutschen Tor-Nodes (Attribute: Exit, Fast, Stable, Guard, V2Dir) vom Hoster des dedizierten Servers
Tracked: Dec 15, 22:31