Wie allgegenwärtig neue Kontroll- und Überwachungstechniken in unseren Alltag eindringen, zeigt uns der Register in dem Artikel
Beer fingerprints to go UK-wide.
Das Beispiel der britischen Stadt Peterborough mit ihrem
CCTV- und Webpranger-Programm machte bereits deutlich, dass sich in Großbritannien die Einrichtung und der Ausbau von Kontroll- und Überwachungssystemen unter dem Motto der "Terrorismusbekämpfung" oder der "Bekämpfung anti-sozialen Verhaltens" bis in die kleinste Provinzstadt fortpflanzt – eifrig gefördert und unterstützt durch eine Phalanx nationaler und lokaler Programme und Fördertöpfe, die in den Ministerien, den Polizeiorganisationen und Stadträten eingerichtet werden, um jede Stadt noch sicherer zu machen.
In dem Artikel wird berichtet, dass man in der britischen Kleinstadt
Yeovil in den Pubs das
inTOUCH System des britischen Unternehmens
CreativeCode installiert, um "anti-soziales Verhalten" im Umfeld der Pubs zu bekämpfen – vermittelt durch den
Bezirksrat von South Somerset und finanziert über den seit April 2005 eingerichteten
Fonds für sicherere und stärkere Gemeinden des britischen Innenministeriums, über den zum Beispiel auch Nachbarschaftspatrouillen und CCTV-Videoüberwachungskameras mitfinanziert werden.
inTOUCH wird von CreativeCode als "biometrisches Mitgliedschaftssystem" bezeichnet, dessen "primäres Ziel die Reduzierung von Störungen und Verbrechen sei, die durch Alkoholgenuß motiviert sind". Die "Mitglieder" sind in diesem Fall also die "Gäste" von Pubs, Nachtclubs und Discos.
Von den "Mitgliedern" wird ein digitaler Fingerabdruck genommen, dessen Hashwert zusammen mit biographischen Daten und einem Gesichtsfoto in einem "Mitgliedsprofil" einer zentralen Datenbank abgespeichert wird. An den Eingängen der teilnehmenden Einrichtungen – in diesem Fall den Pubs – wird ein Touchscreen und ein Fingerprint-Lesegerät aufgestellt. Der Pubkunde muss anschließend bei jedem Besuch seinen Finger scannen lassen, worauf das Profil des Kunden auf dem Touchscreen erscheint.
Der Gastwirt kann zusätzlich Berichte über "anti-soziale Verhaltensweisen und Vorkommnisse" in das Profil des Kunden einpflegen und erhält auch aufbereitete Staistiken zu den "Verhaltensgewohnheiten" des Gastes, d. h. wie oft und zu welcher Uhrzeit ein bestimmter Gast den Pub aufsucht.
Da das inTOUCH System netzwerkfähig ist, können viele Pubs an einem inTOUCH Verbund teilnehmen. Zugriff auf das Kundenprofil erhält ein Pub dann, wenn der Kunde den Pub zum ersten Mal besucht und über den Fingerabdruckscan identifiziert wurde. So erhält jeder teilnehmende Gastwirt Informationen über das "Wohlverhalten" des Gastes in seinem und in anderen Pubs. Ist man als Gast auffällig geworden und hat zu viele negative Vermerke in seinem Profil gesammelt, kann in dem System ein Vermerk eingetragen werden, der dazu führen kann, dass man in allen beteiligten Pubs Hausverbot bekommt und für bestimmte Zeit gesperrt wird.
Über den "Kneipen-Bann" entscheidet ein lokaler Ausschuss der
nationalen "Pubwatch" Organisation, in der es vor allem von ehemaligen Polizeibeamten wimmelt und die seit 1995 den angeschlossenen Wirtschaften beibringt, wie man seine Kundschaft am besten im Auge behält, von Störungen unter Alkoholeinfluß abhält und was man als Gastwirt zur Terrorbekämpfung beitragen kann. Dazu zählt auch der Einsatz von CCTV-Kameras und Systemen wie inTOUCH.

Logo der Pubwatch Organisation.
Wie aus dem Pubwatch
Newsletter für Oktober 2006 hervorgeht, hatte man bereits vor inTOUCH das
"Clubcan" System des britischen Unternehmens idscan erfolgreich unter den Gaststätten promotet, bei dem weniger eingreifend ein Kartenlesegerät mit Touchscreen am Kneipeneingang aufgestellt wird und das neben eigenen Mitgliedskarten 223 andere ID-Formate in Personalausweisdokumenten und die Daten der Pässe aus 162 Ländern einliest. Ähnlich wie bei inTOUCH werden auch hier die Daten in Kundenprofilen in einer Datenbank gespeichert, die ebenfalls zur Abwehr von Gästen herangezogen werden, die durch "anti-soziale Verhaltensweisen" auffällig geworden sind.
Wie es in dem Artikel heißt, wird den Gastwirten in Yeovil das inTOUCH System mit einer späteren und damit längeren Öffnungszeit und den geringen Kosten von 1,50 Pfund pro Tag schmackhaft gemacht. Neuen Wirten, die eine Lizenz für den Ausschank erhalten wollen und das inTOUCH System ablehnen, wird zugleich bedeutet, dass sie bei der Polizei Bericht zu erstatten haben und ihnen die Lizenz entzogen wird, wenn sie nicht nachweisen können, dass sie zu einer erheblichen Reduzierung von Gewalttaten beigetragen haben, die unter Alkoholeinfluß begangen wurden. So kann man neue Kontrollsysteme natürlich auch durchsetzen. Das britische Innenministerium, Nachbarstädte und Polizeivertreter haben bereits ein reges Interesse an dem Feldversuch in Yeovil bekundet, einige Städte planen bereits ebenfalls den Einsatz von inTOUCH.
Zu den angestrebten Effekten konnte die Vertreterin des Bezirksrates nur angeben, dass sie nicht wisse, ob das inTOUCH System dazu geführt habe, dass sich Verbrechen in Nachbarstädte verlagern. Verbechen unter Alkoholeinfluß seien in Yeovil seit Februar 2006 aber um 48% zurückgegangen – es gab genau zwei(!) größere Vorkommnisse in Yeovil seit Februar und über kleinere Straftaten konnte die Bezirksverteterin keine Auskünfte geben.
Der Minister des US-Heimatschutzministeriums Michael Chertoff freut sich schon auf die nächste Generation der digitalen Erfassung von Fingerabdrücken zwecks biometrischer Identifizierung. In einer Rede anlässlich des "Industrietages" zum US-VISIT System,
Tracked: Nov 23, 18:06