Ungewohnte Kritik an
RFID kam aus den Reihen der Smart Card Alliance, einer Lobbygruppierung der RFID Industrie, die sich eigentlich auf ihre Fahnen geschrieben hat, die RFID Technik international voranzutreiben und vor allem ohne Verzögerung auf kritische Berichte zu RFID in den Medien zu reagieren. Was die Allianz kritisiert ist die neue PASSport "Vicinity" RFID Smartcard, die das US-Heimatschutzministerium für den täglichen Grenzverkehr an den Grenzen zu Kanada, Mexiko und auf den Bermudas einsetzen will. Der neuen RFID-Karte war ein
RFID-Testprogramm vorangegangen, das seit Januar 2006 läuft.
Laut ihrer Pressemitteilung
Proposed Passport Card with RFID Technology Bad News for Privacy and Security vom 19. Oktober kritisiert die Allianz den geplanten Einsatz von RFID-Chips nach dem ISO/IEC 18000-6, Type C Standard, der auf dem EPC Gen 2 Class 1 UHF Standard basiert, der von
EPCglobal entwickelt wurde und eigentlich für die Güterverfolgung in Lieferketten gedacht ist. Damit wird die RFID Smartcard des Heimatschutzministeriums mit einem RFID Chip ausgerüstet, der auf 6 Meter Entfernung auslesbar ist, also weit mehr als in den neuen internationalen Pässen mit RFID Chip.
Laut des Government Technology Artikels
DHS Strengthens U.S. Border Security With RFID Technology wird im RFID Chip "nur" eine Identifikationsnummer gespeichert, die von den RFID Lesegeräten an den Grenzübergängen ausgelesen und zu einer Datenbank des Heimatschutzministeriums übertragen wird, in der mit der gleichen Nummer die persönlichen Daten und ein digitales Gesichtsbild abgespeichert sind. Damit die Grenzposten die Echtheit der Karte und die Identität des Grenzgängers überprüfen können, werden natürlich diese Daten aus der Datenbank zur Grenze zurück transportiert.
Die Smart Card Allianz bezweifelt aufgrund von Datenlecks in behördlichen Datenbanken, dass die US-Regierung die Sicherheit der Heimatschutz-Datenbank und die sichere Übertragung der biographischen Daten gewährleisten kann. Außerdem sei nur die Chiptechnik wie in den ePassport Pässen sicher genug, während es die neue PASSport RFID Karte ermöglichen könnte, die Bewegungen der Träger zu verfolgen, sobald er die Smartcard außerhalb einer Schutzhülle mit sich führt. Hatte die Smart Card Allianz zu den
Experimenten zum Klonen von RFID Chips noch erklärt, das Klonen wäre keine Bedrohung für die Sicherheit der US-Grenzen und die Privatsphäre der Smartcard-Träger, benutzt sie das Kloning von RFID Chips als Argument gegen die PASSport Karte in ihrer aktuellen Kritik.
Auch wenn aus der Kritik der Allianz die Verärgerung spricht, dass sie bei der geplanten PASSport Karte nicht miteinbezogen wurde und sie die Interessen der Hersteller vertritt, die als Zulieferer der ePassport Pässe tätig sind, ist die Möglichkeit nicht von der Hand zu weisen, dass über neue RFID Chips mit größerer Lesereichweite und entsprechenden Netzwerken aus RFID-Lesegeräten die Verfolgung der Bewegungen und Aufenthaltsorte von Personen über große Distanzen realisierbar ist. In diesem Sinne erprobt das US-Heimatschutzministerium eine bis jetzt freiwillige RFID-Technik, da die PASSport Karte als Alternative von den Grenzgängern genutzt werden kann, die irgendwann die RFID Chips mit kurzer Reichweite in Pässen und Personalausweisen ablösen wird.