Zwei interessante Projekte hat die Europäische Kommission aufgelegt, um die "Sicherheit" an und in Flughäfen zu erhöhen. Dabei kommen RFID Chips genauso wie intelligente CCTV Videoüberwachung zum Einsatz. Die Projekte werden über das
SCRATCH Projekt der EU finanziert, das Forschungsvorhaben im Bereich der Flug- und Weltraumfahrt durchführt. Beide Projekte zeigen beispielhaft auf, wie der Terroranschlag in den USA am 11.09.01 und in Madrid und die zukünftigen Terroranschläge die Weiterentwicklung und Verfeinerung, aber auch den breiteren Einsatz von Überwachungstechniken bei einem fragwürdigen Sicherheitsgewinn befördern werden. Der Flughafen und als nächstes der Bahnhof wird dabei zum perfekten Experimentierfeld.
Bei den Recherchen zu den beiden Projekten stößt man auf ein sich immer mehr verzweigendes und ineinander verflochtenes Netzwerk von EU finanzierten Videoüberwachungsprojekten, von denen nie ein Mensch gehört hat, dass ich nur sagen kann, die Europäische Union tut alles in ihrer Macht stehende, um ihren Bürgern ihre Überwachung zu garantieren. Ihr könnt ja mal nur ein paar der Links folgen, dann wisst Ihr, was ich meine.
AVITRACK
Das erste Projekt läuft unter der Bezeichnung
AVITRACK. Zum AVITRACK Projekt erklärt die Kommission in ihrer Pressemeldung
'AVITRACK' - automated surveillance of airport aprons:
"The events of 11 September 2001, in America, and the recent attacks on the Madrid rail system, underline the importance of real-time surveillance capabilities in protecting against hostile actions. History has shown that such actions against aircraft, whether carried out before take-off or in flight, often originate in the aircraft servicing area."
Kern von AVITRACK ist ein Netz aus (Infrarot-)Videoüberwachungskameras die den Bereich der Park- und Wartungszone gelandeter Flugzeuge abdecken. Ein "intelligentes", automatisches Analyseprogramm, das mit dem Netz verbunden ist, wertet die Bewegungsabläufe und -geschwindigkeiten dort befindlicher Individuen, Fahrzeuge und Gerätschaften aus, verfolgt deren Postition und Bewegungen mittels der Videokameras, identifiziert die Objekte und erstellt daraus in Realzeit ein digitales, dreidimensionales Abbild der aktuellen Aktivitäten und Bewegungsabläufe, das mit einem Modell des Normalzustandes abgeglichen wird. Der Abgleich dient der sofortigen Identifizierung von Individuen, Objekten und Bewegungsmustern, die von normalen Schemata abweichen. Bei Abweichungen löst das System Warnungen und Alarme aus. Entwickelt wird das Analysesystem von der französichen IT Firma
SILOGIC. SILOGIC hat bereits Erfahrung mit Überwachungprojekten für den Geheimdienstbereich. Dazu aus der Broschüre
Company Profile an Achievements - Satellite Earth Observation:
Security and Military Intelligence
SILOGIC also extracts high-level information from EO data for security and military purposes. These civil and military applications include automatic detection and localization of road, ships, military targets.
For this purpose, we use advanced algorithms, segmentation, classification and recognition functions to process multi-spectral, fully polarimetric or high range resolution SAR (Synhetic Aperture Radar) data. Selected Bayesian approach, trough markovian models, offers robustness and facilities to resolve diversity of feature extraction and complex image understanding.
Eingebunden ist wohl auch die
Forschungsgruppe Mustererkennung und Bildverarbeitung an der Technischen Universität Wien, die zwar außer der Erwähnung von AVITRACK keine direkte Information zu AVITRACK anbietet, sich aber mit Objekterkennung, 3D-Rekonstruktionen von Bildaufnahmen beschäftigt und den Forschungsbereich
AREA 1: Video Surveillance and Monitoring im Forschungszentrum
Advanced Computer Vision (ACV) leitet.

Abbildung auf der AREA1 Projektseite.
OpTag
Das zweite Projekt
OpTag, zu dem die Europäische Kommission keinerlei Informationen bereithält, widmet sich dem Innenbereich von Flughäfen und konzentriert sich auf die "potentiellen Terroristen" unter den Fluggästen. Ziel des Projektes ist die permanente und lückenlose Bestimmung der Position jedes Fluggastes sowie die Identifizierung von "verdächtigen" Verhaltens- und Bewegungsmustern bei Passagieren und Flughafenbesuchern.

Die Fluggäste auf dem OpTag Screen in der Sicht der Panorama-Videoüberwachungskameras und als Punkte, die ihren Aufenthalt wiedergeben, gemeldet von den aktiven RFID-Tags.
Auch hier kommen Netzwerke von CCTV-Videokameras zum Einsatz, aber kombiniert mit RFID-Chips, die diesmal nicht einem tollen Einkaufserlebnis dienen oder der Feststellung, wo sich Yoghurtbecher XYZ befindet, sondern die von eingecheckten Passagieren bei sich getragen werden (versteckt in Bordkarten?), auf denen vermutlich das Check-In System Identifikationsdaten speichert. Das gesamte Publikum im Flughafen wird mittels normaler, optischer Videoüberwachung kontrolliert und mittels verhaltensanalytischer Software überprüft. In der Zusammenfassung heißt es dazu im Original:
The proposed system could form an essential component or Airline passenger identification and threat assessment systems through the automated identification of suspicious passenger movements or through the closer monitoring of individuals considered to pose a risk to secure operations.
This project will deploy networks of enhanced Closed Circuit Television (CCTV) systems coupled to local, direction based, passenger tracking system using a "far-field" Radio Frequency Identification (RFID) tags. The system will facilitate real-time location of individual passenger within the airport, the analysis of both mass traffic & individual behaviours, and, where appropriate, the semi-automatic control of CCTV based vision systems to observe and record suspicious or unauthorised activity.
Three developments are required to implement the system:
- - A compact, low cost transponder carried by every passenger,
- - A compact, high resolution, panoramic imaging system together with software to follow a target and confirm the identity of the tagged individual,
- - An ergonomic user interface to facilitate augmented surveillance.
The use of 2 complementary yet independant systems (one RFID based, one vision based) is intended to ensure an appropriate balance of active and passive tracking, to enable an operator to track a passenger throughoutr the facility and to minimise opportunities to evade the system.
Geleitet wird dieses Projekt von der britischen IT Beratungsfirma
EUROPUS Ltd - European Project and Management Consultants.
Nachtrag vom 25.09.2006:
Das RFID Journal berichtete zu OpTag am 18.09.06 in
Airport Monitoring System Combines RFID With Video. Weitere Informationen zum OpTag Projekt gibt es auf den Seiten des
OpTag Konsortiums.
Nachtrag vom 15.10.2006:
Wie aus einem
Bericht der BBC vom 12. Oktober 2006 hervorgeht, wird das OpTag System auf dem kleinen, ehemaligen Militärflughafen
Debrecen in Ungarn getestet. Als weiterer Akteur des OpTag Projekts wird das
Centre for Security and Crime Science am University College London (UCL) genannt, an dem Forschungsarbeiten zu den technischen Komponenten durchgeführt bzw. mit weiteren Forschungsinstituten und Sicherheitsunternehmen koordiniert werden.
In der Pressemitteilung
UCL engineers to run airport surveillance trial in Hungary des UCL vom 1. September 2006 wird erklärt, dass als Abschluss des OpTag Projekts im Oktober die ersten Tests in Debrecen erfolgen. Die aktiven RFID Tags werden entweder – wie oben vermutet – in Bordkarten oder in Armbänder integriert.
Mit Hilfe der von den RFID Chips ausgesendeten Identifikationsnummer, die eine Reichweite von 10 - 15 Metern aufweisen und mehrfacher Messung der Signale durch RFID Antennen / Empfänger kann die Position eines Passagiers bis auf einen Meter genau lokalisiert werden.

OpTag RFID Antenne.
Foto: BBC.
Die ID-Nummer ist mit den persönlichen Daten und dem Gesichtsbild des Fluggastes verknüpft, die in einem zentralen Kontrollsystem gespeichert sind, was die Kosten reduziert und die Geschwindigkeit der Messungen erhöht. Über den Abgleich des Gesichtsbildes mit den Aufnahmen der hochauflösenden Panoramakameras und Verknüpfung der Daten mit den RFID Messungen kann der Passagier zusätzlich optisch identifiziert werden. Aus Andeutungen geht hervor, dass mit dem Videoüberwachungskamerasystem gleichzeitig alle Passagiere analysiert werden, ob jemand verdächtige Verhaltensweisen zeigt.
Die Software zur Datenverarbeitung wurde vom Department of Geomatic Engineering am UCL
entwickelt. Daran beteiligt ist auch die opto-elektronische Forschungsabteilung des
Department of Electronic & Electrical Engineering am UCL, das zur automatisierten Objekterkennung für Kameras und Entwicklung von Algorithmen zur Mustererkennung und -unterscheidung forscht.
In dem Artikel
OpTag - Improving Airport Efficiency, Security and Passenger Flow by Enhanced Passenger Monitoring der Europäischen Kommission werden weitere Details und Informationen zum OpTag Projekt genannt.
The OpTag system will enable the immediate location of checked-in passengers who are either missing or late, and thus reduce passenger-induced delays and speed up aircraft turn around. The system could also form an essential component of Airline passenger identification and threat assessment systems through the automated identification of suspicious passenger movements or through the closer monitoring of individuals considered to pose a risk to secure operations.
Dem Artikel zufolge werden im Flughafen Debrecen vier der digitalen Panoramkamerasysteme installiert, jedes System besteht aus acht ringförmig angebrachten Kameras.

Rundum-Überwachung mit der OpTag Panoramakamera.
Foto: Europäische Kommission.
Das OpTag Projekt startete am 2. Januar 2004 und war auf drei Jahre angelegt. Die Gesamtkosten werden mit 2212971 Euro angegeben.
Neben EUROPUS, UCL und dem Flughafen Debrecen sind an OpTag weitere Unternehmen und Forschungseinrichtungen beteiligt: Die ungarische Beratungsfirma
Slot Consulting Ltd., die den Test im Flughafen organisiert und die Vermarktung von OpTag auslotet, das
Institut für Telekommunikationssysteme an der TU Kreta, das britische Unternehmen
Photonic Science, das die Video- und die im BBC Artikel erwähnten X-Ray-Kameras beisteuert, das britische Unternehmen
Longdin & Browning und das britische Unternehmen
Innovasion, spezialisiert auf die Entwicklung und Anwendung von RFID Chips.
In ein paar Jahren oder Jahrzehnenten – je nachdem, wie schnell sich die ökonomische und politische Lage national und international destabilisert – werden Systeme wie OpTag, die "
Foto-Fahndung" oder ähnliche Systeme wie in
RFID und CCTV Überwachung in der Stadt der Zukunft zur "normalen" technischen Überwachungsinfrastruktur gehören, die uns jeden Tag begleitet. Wenn wir den "geschützten Kernbereich unserer Lebensgestaltung" in unseren vier Wänden – sollte er bis dahin noch existieren – verlassen, ist es damit vorbei, sich in der Öffentlichkeit unerkannt und unbeschwert im Verhalten zu bewegen und zu leben.
Alte Geschichte, von der BBC neu aufgelegt: Die Bewegungsverfolgung und Überwachung von Passagieren in Flughäfen mittels kombiniertem Einsatz von Panorama-Videoüberwachungskameras und RFID-Tags (wer da nicht an die Foto-Fahndung denkt, ist beschränkt). Di
Tracked: Oct 12, 16:07