Die FAZ schreibt in
Ein Anschluß unter dieser Nummer zu 50 Jahre Telefonseelsorge der Kirchen. Darin heißt es:
Ricke [Anm.: Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom AG] könnte bei der Telefonseelsorge anrufen, ohne seine Identität preiszugeben. Aus der Telefonzelle, aus Japan oder übers Firmenhandy. Die Seelsorger, die meisten von ihnen Ehrenamtliche, die ein schwieriges Auswahlverfahren durchlaufen haben, wüßten nicht, mit wem sie es zu tun haben. Sie sähen auf ihrem Telefon noch nicht einmal, von wo aus er anruft von wo aus er jederzeit auflegen könnte.
Umgekehrt melden sich die Telefonseelsorger meist nicht mit ihrem richtigen Namen, wie auch die mittlerweile 105 deutschen Orte geheimgehalten werden, an denen die Mitarbeiter im vergangenen Jahr an die zwei Millionen Anrufe von Hilfesuchenden entgegengenommen haben. Die Anonymität könnte größer nicht sein - deshalb ist die Vertrautheit so groß.
Nicht immer geht es bei der Telefonseelsorge so ernst zu – wobei die Anrufer oft amüsierter sein dürften als die Seelsorger. S. hatte mal 25 Aufleger hintereinander. Jeder dritte Anruf dauert kürzer als eine Minute. Das können Scherzanrufe von Schülern sein...
Mit dem Artikel stellt die FAZ einen wichtigen Anwendungsbereich der Anonymisierung und eine wichtige Funktion anonymer Angebote dar und beschreibt drei Merkmale der Anonymisierung, die man 1:1 auf Anonymisierungstechniken im Internet übertragen kann.
Viele Menschen sind zur Bewältigung persönlicher Krisen und Probleme und zur Lösung von Konflikten mit anderen Personen oder Institutionen auf die Beratung Dritter und den Austausch mit Betroffenen angewiesen. Der Schritt, sich aktiv um Hilfe zu bemühen, fällt vielen Menschen leichter, wenn sie wissen, dass sie damit nicht ihre Person offenbaren müssen und sich sicher sein können, dass die von ihnen offenbarten Informationen nicht durch Dritte mit ihrer Person verbunden und diese Verbindung festgehalten werden kann.
Wäre das nicht per Anonymisierung gewährleistet, würde dieser Schritt vielfach unterbleiben und aus einem Problem eine persönliche Katastrophe erwachsen, die Mitmenschen im Umfeld des Betroffenen oder auch die Gesellschaft als Ganzes in Mitleidenschaft ziehen kann.
Nicht nur am Telefon, auch im Internet können sich für Hilfesuchende durch die Kommunikation mit anderen Betroffenen, in Webforen und mit Anlaufstellen Lösungsansätze ergeben, die sie unbeobachtet und befreit von der Furcht, dadurch Sanktionen befürchten zu müssen, über die Nutzung anonymer Angebote und Strukturen wie Tor und Remailer aufnehmen können. Das war auch eine Motivation des AN.ON Projekts, dessen Server die letzten Tage
beschlagnahmt wurde.
Auf der anderen Seite können z. B. die Anbieter von Plattformen für Beratung und Austausch ihre Angebote über versteckte Tordienste anonymisiert betreiben, um sich vor negativen Reaktionen und Aktionen zu schützen.
Das es dabei auch zum Missbrauch Einzelner kommt, der in den Telefonzentralen der Telefonseelsorge als Scherzanruf in Erscheinung tritt und im Internet als Abruf illegaler Inhalte oder anonym versendete E-Mail mit beleidigendem Inhalt, schmälert nicht die wichtige Funktion der Anonymisierung und den Stellenwert der Gewährleistung von Anonymität, um Hilfe und Konfliktbewältigung anbieten zu können.
Aber auch diese Fakten geben Angriffsansätze für Anonymisierungsgegner ab, die sich insbesondere gegen kontrollier- und sanktionierbare Systeme wie AN.ON / JAP richten lassen. Denn die Gegner werden sich vielleicht noch darauf einlassen, Anonymität für staatlich genehmigte und gebilligte Hilfsangebote zu gewähren, sie aber auch darauf einschränken wollen. Für die Systeme würde dieser Ansatz bedeuten, dass man eine feste Liste von Zielrechnern bedienen darf, ein privat geführtes Webforum, das auf Missbilligung stößt, jedoch nicht.
In den USA gibt es schon lange Vertretungen für Whistleblower wie zum Beispiel die National Security Whistleblowers Coalition, das National Whistleblower Center oder das Government Accountability Project und man macht sich auch Gedanken über einen besonde
Tracked: Oct 02, 13:46
Jedenfalls in der jetziger Form.In Zeiten von Vorratsdatenspeicherung und Data-Mining, des "Krieges gegen den Terror" und des "Kampfes gegen Anonymität", in denen im Auge des Staates jeder als potentieller Terrorist einzustufen und dementsprechend allzeit
Tracked: Nov 19, 12:28