Die Times berichtet in
Spies trawl Friends Reunited for terror whispers über OSINT und HUMINT Aktivitäten seitens der drei britischen Geheimdienste GCHQ, MI5 und MI6 sowie der NATO, die wie z. B. das
Open Source Center (OSC) der CIA / DNI oder das
U. S. Air Force Office of Scientific Research Weblogs, Dienste für soziale Netzwerke und Chats per Data Mining analysieren und auch mit Agenten "vor Ort", die sich mit Pseudonymen tarnen, aktiv teilnehmen. Zu diesem Zweck hat die britische Regierung die verdeckt operierende
Open Source Joint Working Group (OSJWG) Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich aus Agenten der genannten Geheimdienste zusammensetzt und die mit dem OSC kooperiert.
Laut der Times ist die Gründung der Arbeitsgruppe neben dem Erwerb und Einsatz von Data Mining Programmen und dem Training von Geheimdienstagenten in verdeckter Überwachung im Internet und der Anwendung von OSINT Methoden nur Teil eines neuen, geheimen Programms, um kontinuierlich eine große Anzahl von Weblogs, Webchats und sozialen Netzwerken zu überwachen. Selbst spezielle Software, um Podcasts auszuwerten, sollen zum Instrumentarium der Spooks gehören.
Die Ziele sind wie immer dieselben: Über die Analyse sozialer Kontexte, von Schlüsselwörtern und der internen Kommunikation Namen und Personen zu identifizieren, die selbst eine Bedrohung darstellen oder die ihrerseits Kontakte zu Personen aufweisen, die bereits auf den Terror Watchlists stehen, sowie die Beziehungsgeflechte zwischen diesen Personen aufzudecken. Wie schnell man auf den Watchlists landet und auch als Friedensaktivist, der sich zu stark für "falsche Seiten" engagiert, Objekt derartiger Programme wird, kann man andauernd in den Feeds verfolgen – um nur eine Zielgruppe neben den angepeilten Terroristen zu nennen.
Aufhänger der Story sind laut der Times das Eingeständnis seitens der britischen Geheimdienste, dass im Rahmen des Programms das "Freundschaftsnetzwerk"
Friends Reunited überwacht wird, das wie das deutsche Pendant
StayFriends ehemalige Schulkameraden und -freunde oder ehemalige Arbeitskollegen zusammenbringen will.
"There is obviously stuff that can be grabbed by anybody without intercepting communications. There is constant monitoring of sites for information which is open and can be of use."
Sprecher des Außenministeriums zur Überwachung von Friends United.
Wenn schon eher unpolitische und harmlosere Netzwerke wie die genannten Angebote ins Visier der Geheimdienstanalysten geraten, kann man sich vorstellen wie ehrgeizig die OSINT Pläne diesseits und jenseits des Atlantik wirklich sind. Der Vorteil: Da sich Diskussionen und Kommunikation durch die "Web 2.0 Revolution" und die Weblogs zu einem großen Anteil ins WWW verlagert hat und die nur verschwindend gering anonym / pseudonym oder verschlüsselt stattfindet, kann man auch eine große Anzahl von Personen und ihre Kommunikation überwachen und analysieren und das ohne großartige Prozeduren wie richterliche Beschlüsse oder gesetzliche Schranken. Ich kann mir vorstellen, dass mit der Umsetzung des
Terrorismusbekämpfungsergänzungsgesetzes und ähnlicher Landesgesetze bei den Kriminalämtern, BND und Bundesverfassungsschutz verstärkt ähnliche Aktivitäten einsetzen werden – ebenso wie in allen anderen EU-Staaten – wenn die Aktivitäten nicht eh konzertierte Anstrengungen der Verbündeten im "Krieg gegen den Terror" darstellen.
Für Training und Anleitung der verdeckt arbeitenden Geheimdienstmitarbeiter, die man auf Quellen ansetzt, die nicht mittels Data Mining und Webcrawler Programmen zugänglich sind, nennt der Artikel die beiden Standardwerke
Open Source Intelligence Handbook und das
Intelligence Exploitation of the Internet Manual der NATO, die neben dem
Open Source Intelligence Reader Agenten u. a. darin unterweisen, wie man die Nutzung des Webs anonymisiert, anonyme Identitäten einrichtet und nutzt und wie man sich zum Beispiel als Geheimdienstmitarbeiter zu verhalten hat, wenn man sich an Chats beteiligt. Also die gleichen Techniken, die Internetnutzer anwenden, wenn sie nicht auf dem Radar der Sicherheitsbehörden auftauchen wollen :)
Die Federal Computer Week berichtet in Rutgers will lead DHS-financed info research über ein weiteres Data-Mining Projekt, das neben der Analyse von E-Mails, Agenturmeldungen, Chatlogs auch auf die Überwachung und Analyse von Weblogs zielt. Das Projekt wi
Tracked: Aug 22, 12:44
Nicht nur Bürger, Universitäten, Unternehmen, derzeitige Geheimdienste und Militärs sind für das Data-Mining des Internets und der Medien zwecks Antiterrorkampf zuständig, sondern auch altgediente Pensionäre und Veteranen, die sich in der klandestinen Ver
Tracked: Nov 26, 12:29