Ist Euch auch schon aufgefallen, dass der Krieg im Libanon, den einige Leutchen in den Sendern immer noch mit Begriffen wie "Konflikt" und "Krise" relativieren, im Gegendsatz zum Irak-Krieg visuell und inhaltlich fast überhaupt nicht im TV stattfindet bis auf die obligatorischen kurzminütigen Meldungen in den Nachrichtensendungen, die damit den gleichen Stellenwert erhalten wie das Bier, dass sich zur Zeit viele in den Biergärten gönnen. Gestern oder vorgestern kam in der ARD ein etwas längerer Bericht, der irgendwie "Der nahe Osten brennt?" (auch noch mit Fragezeichen) hieß - zur späten Abendstunde, während man nach der Tagesschau einen Brennpunkt für die bescheuerte Hitze übrig hatte.
Nicht zu fassen – da sind Hundertausende auf der Flucht, wenn sie noch flüchten können, da werden zwei Brüder auf der israelischen Seite nach einer Hisbollahraketenangriff zu Grabe getragen und hocken Leute seit Tagen und bald Wochen in Bunkern, während in Beirut ganze Stadtteile wie damals in Baghdad ausradiert werden und da meldet sich auch der Chef der arabischen Liga zu Wort, den man aber nur auf CNN zu hören bekommt, mehr visuelle Eindrücke gibt es ebenfalls nur in den arabischen Sendern. Irgendwelche größeren Berichte oder Analysen über das US-Veto und das einwöchige Wegsehen der USA oder über die Radikalisierung und den Zulauf, den alle islamistisch(-terroristischen ) Organisationen und Parteien erfahren werden oder über die Potentiale für einen Krieg, der den gesamten Nahen Osten erfassen könnte usw. usw. usw.? Im deutschen Massenmedium Nr. 1 herrscht ein erstarrtes Schweigen, eine unheimliche Stille, die auch Sender wie Phoenix erfasst, der eine Natur- und Reisedokuwiederholung nach der anderen dudelt und Arte wie 3sat machen kräftig auf Kultur wie bisher.
es war der 20. märz 2003. marschflugkörper und bomber griffen irakische stellungen und städte an. das fernsehen war überall live mit dabei. eingebettet und manchmal noch etwas unabhängig. fast jeder sender unterbrach sein laufe...
Tracked: Jul 22, 12:20