Wie das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz
mitteilte, sind die Querelen um den erzwungenen Einbau einer Überwachungssschnittstelle in den JAP Proxy in Dresden und die illegale Beschlagnahme eines Datensatzes durch das BKA und das LKA Sachsen im zweiten Halbjahr 2003 immer noch nicht vorbei.
Nach zahlreichen Beschwerden seitens des Datenschutzzentrums war sowohl die richterliche Anordnung, die zum zeitweiligen Einbau der Überwachungsfunktion führte, aufgehoben als auch die Beschlagnahmung für rechtswidrig erklärt worden. Den genauen Ablauf kann man
hier in meiner Zusammenfassung nachlesen.
Nun geht es dem Datenschutzzentrum darum, gegen die Mühlen der Bürokratien in der Justiz und beim BKA/LKA, sicherzustellen und nachzuprüfen, ob die Angaben des beschlagnahmten Datensatzes wirklich in allen Akten und Datenbanken gelöscht wurden. Dabei hat das Zentrum festgestellt, dass die Angaben zur IP unterschiedlich in den Akten geschwärzt wurden, desweiteren waren "Anordnungen" an das BKA ergangen, ebensolche Schwärzungen durchzuführen, das BKA wiederum behauptet, diese Aktenschwärzung durchgeführt zu haben, der Datensatz sei aber direkt an das LKA Sachsen übermittelt worden, das wiederum behauptet, nie einen Datensatz erhalten zu haben.
Das heißt noch nach einem Jahr ist der Fall nicht endgültig aufgeklärt, die genaue Verwendung des Datensatzes ungewiss.
Mir stellt sich dabei die Frage, ob ein Anonymisierungssystem oder - dienst wie AN.ON/JAP, vom Staat finanziert, angesiedelt in Rechenzentren von Universitäten und bestehend aus einer Handvoll von Proxy-Kaskaden, die alle in Deutschland beheimatet sind, überhaupt noch angesichts der immer größerer werdenden Begehrlichkeiten und der Bereitschaft, Überwachungsspielräume zu erweitern, einen Sinn hat.
Ich meine, Grundvoraussetzung für solch ein System ist der von staatlichen oder öffentlichen Einrichtungen unabhängige Betrieb, die Mitwirkung möglichst vieler Teilnehmer, die dezentral - auch gerade geographisch - agieren. All das trifft auf JAP nicht zu.
In diesem Zusammenhang musste ich die letzten Tage wieder an Piratensender und die
Free Data Haven denken, die eigentlich die optimalsten Plattformen für Anonymisierungs- und Datenaustauschdienste darstellen.
Der Begriff der
Data Haven, oder
freien Daten-Oase geht auf den Cyberpunk Titel "Inseln im Netz" (1988) von Bruce Sterling zurück. Auch bei Gibson oder in Neil Stephensons Titel "Snow Crash" (1992) kommen Data Haven vor. Damit kann man Serving- und Hostingangebote bezeichnen, die von Firmen oder Organisationen angeboten werden, deren Server und Cluster sich möglichst auf exterritorialem Gebiet befinden und somit staatlichen Reglements und Zugriffen entzogen sind.
Mehrere miteinander vernetze
Daten-Oasen, in denen Server stehen, auf denen Onion-Router Proxys wie Tor oder nur anonymisierende, verschlüsselnde Proxys fürs Websurfen und andere Formen des Datenaustauschs,
Mixmaster-Remailer für den anonymen Mailtransport und ähnliche Plattformen laufen, wären Infrastrukturen, die gegen staatliche Zugriffe gefeit wären, wenn man mal davon absieht, dass man den Betreibern den Netzzugang gänzlich blockieren könnte.
Nur gibt es meines Wissens nur eine Data Haven,
HavenCo auf einer ehemaligen Militärplattform, die sich mit zweifelhafter Souveränität aber auch Humor
Fürstentum Sealand nennt.

Die Data Haven Sealand 2000 © Ryan Lackey.
Auch die
Kosten wären nicht gerade ohne. So bietet Havenco z. B. einen "Managed Server" für 3000 US$ für die Einrichtung, monatlich 3500 US$ für den Betrieb und 1800 US$ für 1 Mbps Bandbreite.
Wie wäre es, wenn sich alle nationalen und internationalen Datenschutz- und Bürgerrechtsorganisationen zu einem Verein o. ä. zusammenschließen würden und dann über Mitgliedsbeiträge mehrere dieser Server in verschiedenen Daten-Oasen (vielleicht könnte man ja so etwas auch bei Servingfirmen in irgendwelchen Inselstaaten bekommen, die sich nicht viel darum scheren, was dort auf Servern läuft) betreiben würden, schließlich denkt man ja auch überall an gemeinsame Datenbanken und Antiterrorzentren für Geheimdienste? Nur mal so in's Blaue gedacht ;o)
Via stop1984 Newsticker
D: Verfahren um den Internet-Anonymisierungsdienst AN.ON noch nicht abgeschlossen.
Eine der bekanntesten "Daten-Oasen" – Sealand / HavenCo – über die ich 2004 anlässlich der Überwachungsanordnung gegen JAP in JAP und Free Data Haven schrieb, ist durch ein schweres Feuer stark beschädigt worden. Feuer auf Sealand.Foto: Harwi
Tracked: Jun 25, 13:45
Wie bereits Netzpolitik in Gesetzentwurf zur Vorratsdatenspeicherung verfügbar hinwies, ist der Referentenentwurf des "Gesetzes zur Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung und anderer verdeckter Ermittlungsmaßnahmen sowie zur Umsetzung der Richtlini
Tracked: Nov 15, 17:44