Also gestern habe ich mal wieder einen Film gesehen, der mir Albträume bereitet hat und bei dem ich an Michael Friedmann denken musste. Der Film beginnt mit einer persönlichen Katastrophe der Hauptperson, dann folgt eine Katastrophe nach der anderen und er endet auch katastrophal. Streckenweise kaum zu ertragen, die Tragödie der Hauptperson mitzuverfolgen.
Auf Arte lief "Lilja-4-ever" aus dem Jahr 2002, der die Geschichte der 16-jährigen Russin Lilja und ihres jüngeren Freundes Volodja erzählt. Die lebt irgendwo in Russland in einem Vorstadtslum mit ihrer Mutter, die sich eines Tages mit ihrem Freund in die USA absetzt und ihre Tochter ihrer Tante überlässt, einer alten Vettel, die Lilja in eine miese Absteige umquartiert, um sich die Wohnung selbst unter den Nagel zu reißen. Bald geht das Geld aus, der Strom wird abgestellt und es gibt nichts mehr zu essen. Daraufhin überwindet sich Lilja, es ihrer gleichaltigen Freundin gleichzutun und anschaffen zu gehen. Ihrem Freund Volodja geht es auch nicht besser, da ihn sein Vater ständig aus der Wohnung schmeißt, wenn er ihn nicht verprügelt. Kurze Ausflüchte bieten nur das gemeinsame Klebstoffschnüffeln. Nachdem sie auch noch von den Nachbarjungen vergewaltigt wird, lässt sie sich mit dem älteren Andreij ein, der sich nett gibt und ihr verspricht, mit ihr nach Schweden zu gehen, das im Vergleich zur russischen Tristesse das "Paradies" sei. Ausgestattet mit einem gefälschten Pass macht sich Lilja auf den Weg nach Schweden, während Andreij zurückbleibt, denn sein Job als Frauen- bzw. Menschenhändler ist vollbracht. In Schweden wird sie von ihrem "Arbeitgeber" Wittek abgeholt, der auch sofort den Pass einkassiert und sie in eine karge und trostlose Wohnung eines Hochhauses einsperrt. Danach geht es jeden Abend zu einem neuen Freier, eine Vergewaltigung reiht sich in einem düsteren Reigen an die nächste. Als ein Fluchtversuch fehl schlägt und Lilja von ihrem Zuhälter brutal zusammengeschlagen wird, geht sie den gleichen Weg wie ihr Freund Volodja, der sich inzwischen mit Tabletten umgebracht hat. Sie stürzt sich von einer Autobahnbrücke und stirbt im Rettungswagen.

Lilja am Ende ihres Leidensweges.
Wie es auf der
Seite zum Film bei Arte heißt, teilen nach Angaben der Europäischen Kommission und der Vereinten Nationen rund 500.000 Frauen das Schicksal Liljas, Opfer von Menschenhändlern zu werden und das BKA sagt, dass 87 % der Frauen und Mädchen aus den ehemaligen Ostblockstaaten stammen. Weitere Infos zum Film und zum Hintergrund bietet auch die
Seite zum Film des Filmverleihs Arsenal.
Auf der Seite findet sich noch ein guter Kommentar des Regisseurs Lukas Moodysson:
Jeder Regisseur trägt Verantwortung und hat insgeheim die Hoffnung, ein wenig die Welt verändern zu können. Denn die befindet sich nicht in einem Status Quo, sondern ist ständigem Wechsel unterworfen. Jeder Film kann eine Winzigkeit verändern - im Guten wie im Schlechten, selbst der dümmste Hollywoodfilm. Filme be- und entkräften Vorurteile, vermitteln konservative oder moderne Rollenbilder. Das zeigt langfristig Wirkung. Ich hoffe, 'Lilja 4-ever' schärft das Bewusstsein. (...) Die Menschheit bewegt sich am Abgrund. Die Schere zwischen Reich und Arm, zwischen den Mächtigen und den Ohnmächtigen geht immer weiter auf. Wir können der Gewalt nicht entgehen, sie ist überall. Es ist fünf vor zwölf für die Menschheit.
Also, sehr zu empfehlen der Film, auch oder gerade wegen der schonungslosen Darstellung und der Thematik.