Heute habe ich mir den russischen Film
Wächter der Nacht im Kino angesehen. Um das schon mal vorwegzunehmen: Ein paar Mal bin ich aufgeschreckt. Aber nicht aufgrund von Schocks, sondern weil ich zwischendurch immer wieder eingenickt bin.
Der Film strotzt nur so von öden Versatzstücken bereits gesehener Filme, ein wahres Patchwork aus Matrix, Underworld, Ghostbusters und anderer Mystery- und Horrorstreifen, die schon längst in das Dunkel meines Gedächtnisses entschwunden sind. Dazu lahme Dialoge, vollgeballert mit oberflächlichem Mystizismus, vorgetragen von Darstellern, die mich an Onkel Wanja erinnern, der ansonsten auf dem Lande Kartfoffeln für den nächsten Vodka erntet oder den ungepflegten Holzfällerhemdträger, der ansonsten auf Moskaus Boulevards die Passanten um ein paar Rubel angeht. Das Ganze in Kulissen und mit Requisiten, wie man sie in den Sowjetfilmen der 70er und 80er Jahre findet.
Kurz zur "Handlung": Da sind die Guten ("Wächter der Nacht"), die Mächte des Lichts, die dauernd in Uraltransportern über die Straße rasen, mit einer Art Raketenantrieb wohlgemerkt, allesamt stecken sie in einer Montur, wie sie besser die Ghostbusters trugen und schlechter wohl irgendwelche Kanalarbeiter. Die mächtigste Waffe besteht aus einer ollen Taschenlampe, wie man sie in Opas Werkzeugkasten findet, in die dann komische Kristalle wie im Esoterikshop um die Ecke anstatt der Glühbirne hineingedreht werden. Trifft ein Strahl aus diesem russischen Lichtschwert Vampire, die wie greinende Junkies ohne Sinn und Verstand ihren Part spielen, gibt es die obligatorischen Verbrennungsblasen.

Ein Wächter der Nacht mit Taschenlampenwaffe im Gedränge der Moskauer U-Bahn.
Die Bösen ("Wächter des Tages") bestehen wie gesagt aus Vampiren und anderem Kroppzeug wie Gestaltwandler, wobei letztere merkwürdigerweise auch wieder bei den Guten zu finden sind. Der Anführer der Bösen erinnert mit seinem Käppi ein wenig an die italienischen Faschisten der Vergangeheit, während der Anführer der Guten bei den Stadtwerken arbeitet und sich wohl bis zum Endkampf, der sich noch über zwei weitere Filmteile erstrecken soll, als Parteifunktionär verdungen hat, so, wie er aussieht. Dazwischen stehen die "Anderen", die sich noch nicht zwischen Gut und Böse entschieden haben, aber auch über irgendwelche übernatürlichen Fähigkeiten verfügen. Mittendrin wird noch ein Messias plumpsen, dessen Entscheidung für das Gute oder Böse natürlich über das Schicksal der Welt bestimmen wird.
Die einzigen Lichtblicke in diesem Kampf zwischen Gut und Böse waren ein paar surreal präsentierte Szenen, Szenen mit (unfreiwilliger?) Situationskomik, ein paar nette Special Effects und die Tatsache, dass auch die Guten etwas Dreck am Stecken haben. Am Ende war ich am rästeln - hatte ich wirklich einen russischen Fantasy-Horror-Streifen gesehen, eine russische Parodie auf das ganze Horror-Mystery-Gedöns aus Hollywood oder eine gut verpackte Darstellung des tristen Daseins in den Vorstädten Moskaus?