Wie heute Bundesinnenminister Schily
verkündete, wird ab 1. November 2005 mit der Ausgabe der neuen Reisepässe, ganz schick "ePass" genannt, begonnen, in denen auf einem RFID Chip ein digitales 2D-Gesichtsbild und ab März 2007 zusätzlich zwei digitale Fingerabdrücke als biometrische Daten gespeichert werden.
Wer wenigstens die nächsten Jahre von diesem Pass verschont bleiben will, hat bis zum 1. November Zeit sich noch den alten Pass zu besorgen, denn der behält laut Schily noch 10 Jahre seine Gültigkeit und auch mit ihm kann man noch visumfrei in die USA einreisen, was natürlich nicht vor der beometrischen Erfassung durch die U. S. Grenzschutzbehörden bei der Einreise bewahrt.
Wie Schily betonte, würde es mit dem Biometrie-Pass keine zentrale Biometrie-Datenbank geben: "
Die biometrischen Merkmale werden ausschließlich beim Bürger erhoben und nur im Chip des Dokuments gespeichert, das der Bürger bei sich trägt. Eine zentrale Speicherung der Passdaten ist in der EU-Verordnung nicht vorgesehen. Das nationale Passgesetz sieht darüber hinaus ein klares Verbot einer zentralen Passdatei vor."
Aber was kümmert einen sein Geschwätz von heute, wenn es vielleicht morgen jemanden gibt, der das umsetzt, was man sich als letzte und logische Konsequenz insgeheim erwünscht?
Zudem ist laut Schily der deutsche ePass ein wahres Schnäppchen, denn mit 59 Euro für den ePass "
liegt Deutschland damit im internationalen Vergleich weiterhin im unteren Bereich: Beispielsweise werden die biometrischen Pässe in den USA voraussichtlich etwa 75 EURO kosten, in Großbritannien ca. 103 EURO".
Seit neuestem taucht in Schilys Verkündigungen neben dem Kampf gegen den "islamistischen Terrorismus" auch das Motiv auf, Sicherheits- und Überwachungstechniken seien schon deshalb zu pushen, weil sie einen wichtigen Wirtschaftsfaktor für Deutschland darstellen - die WM 2006 sozusagen auch als Leistungsshow für deutsche Hersteller von Biometrie-, RFID-Chip- und Videoüberwachungstechnik:
"Die Pässe sind auch ein Wirtschaftsfaktor. Wir zeigen, dass Deutschland das Knowhow und die Innovationskraft hat, um im jungen Sektor Biometrie Standards zu setzen."
Bereits in seiner Rede
"Die richtigen Prioritäten in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft setzen" am 26. Mai bei dem Swiss Economic Forum kann man diese Argumentationslinie ablesen. Darin verband Schily neoliberale Vorstellungen vom Rückzug des Staates, dem Primat der Wirtschaft mit der Forderung Sicherheits- und Überwachungstechniken zu pushen. Und das geht so:
Nach Schily handelt es sich bei dem deutschen Staat aufgrund "
ausufernder staatlicher Daseinsvorsorge" um einen "
vormundschaftlichen Staat", der sich "
an der einen oder anderen Stelle in die falsche Richtung entwickelt hat", um einen "
erschöpften, überforderten, überdehnten Staat", der sich "
in Zukunft stärker auf seine Kernaufgaben besinnen muss."
Diese Reduzierung auf staatliche Hauptaufgaben sei die "
Art von Prioritätensetzung, die jetzt in Deutschland auf die Tagesordnung gehört..." und natürlich steht für Schily "
die Sicherheitsgewähr bei dieser Prioritätensetzung ganz weit oben. Sie ist der erste und wichtigste Zweck aller staatlichen Gewalt, sie ist der Kern der Staatsräson".
Denn Sicherheit ist nicht nur als "Standortvorteil" wichtiger Bestandteil - nach Schily der Wichtigste - der Rahmenbedingungen, die der Staat setze, um ein Land attraktiver für Investitionen und Investoren zu machen, sondern ist auch eine wichtige Produktionsressource, die es in Deutschland zu nutzen gilt:
Das "World Economic Forum" in Genf hat für seinen jährlichen "Global Competitiveness Report" 102 Länder auf ihre Wettbewerbsfähigkeit hin untersucht. Deutschland gelangte weltweit auf einen sicherlich beachtlichen 13. Rang, den wir aber unbedingt deutlich verbessern müssen. Bei der Sicherheit stehen wir noch weit besser da. Hier rangieren wir sogar auf dem 7. Platz. Ganz ähnlich urteilen die Experten vom "World Competitiveness Yearbook" aus Lausanne. In den Kategorien "persönliche Sicherheit und Schutz des privaten Eigentums" erhält unser Land überall Bestnoten. Wenn es um die Sicherheit geht, steht Deutschland bei den Rankings noch vor Ländern wie den USA, Taiwan oder Schweden, die im Gesamtergebnis als besonders attraktive Investitionsstandorte beurteilt werden.
Diesen Standortvorteil Sicherheit werden wir in Deutschland auch weiter ausbauen. Dazu müssen wir vor allem die Chancen neuer Techniken, wie Digitalfunk, Biometrie und DNA-Analyse, für die Verbrechensbekämpfung und den Verbrechensschutz nutzen.
Der Schily'sche Staat also als Staat, der, um seine Aufgaben als Sozial- und Wohlfahrtsstaat weitestgehend kastriert, sich voll auf seine Kernaufgabe der Absicherung der Wirtschaftsstandorte in Deutschland und Förderung der Produzenten bemüht, die mit ihren Produkten zu jener Absicherung beitragen und dafür die Überwachung und Kontrolle derer übernimmt, die nicht länger mehr als die mimimalste Existenzsicherung, Absicherung im Alter und Gesundheitsversorgung vom ehemaligen Sozialstaat Deutschland zu erwarten haben.
Kein Wunder das beim Bundesinnenminister, der so gern seine Reden mit "Zitaten großer Männer" schmückt, auch Adam Smith und dessen Werk "Der Wohlstand der Nationen" in der Rede erste Geige spielt:
Dass staatlich organisierte Sicherheit notwendig ist, damit sich auch die wirtschaftliche Freiheit entfalten kann, das war schon Adam Smith klar, dem großen Wirtschaftsphilosophen und Vordenker des liberalen Marktes. Der Staat - so Adam Smith - solle das Wirtschaftsleben vor Angriffen anderer Staaten schützen. Er soll die Sicherheit zwischen den Bürgern gewährleisten und jene Einrichtungen schaffen, die nicht durch die Initiative des Einzelnen entstehen oder entstehen können.
Äußere Sicherheit, innere Sicherheit und Infrastruktursicherung - diese drei Staatsaufgaben lassen sich heute längst nicht mehr so genau voneinander trennen wie zu den Zeiten von Adam Smith. Im Zeitalter globaler Bedrohungen sind diese Themen eng miteinander verwoben.
Tja, Ottoy Schily wäre auch nach dem Regierungswechsel gut als Bundesinnenminister der CDU zu gebrauchen, mit Parteiwechseln hat er ja auch Erfahrung, wenn nicht schon
Wolfgang Bosbach in den Steigbügeln stehen würde.
Davon Wind bekommen via rabenhorst Was der Schily beim Economic Forum in Thun wieder abgelassen hat, ist ganz schön heftig. Nun kann man (offensichtlich) dem Thema Terrorismusbekämpfung einen höheren Stellenwert beimessen, als ich dies tue. Dementsprec
Tracked: Jun 01, 21:00
BMI kündigt ePass-Ausgabe für 1. November an ...
Tracked: Jun 03, 17:48
RFID? Fingerabdrücke? Eigentlich bin ich ja doch ganz froh mir jetzt schon einen Ausweis beantragt zu haben. Denn der wird noch ein paar Jährchen nach der Einführung der neuen Generation gültig sein. ...
Tracked: Jun 04, 14:21
Weil's im November so weit ist mit den neuen Reisepässen inklusive RFID-Chip und gespeicherten, biometrischen Daten hatte sabbeljan Anfang Juni seine eigene Aktion "lauf-pass" (schöner Name) gestartet und gibt nun hier und hier wieder, wie er dem alten bz
Tracked: Jul 22, 16:30
Erinnert man sich noch, wie das BSI und das Bundesinnenministerium bei der Vorstellung des ePasses und des Golden Reader Tools mit Inbrunst und Stolz verkündete, wie verdammt sicher doch der RFID-Reisepass wäre und Deutschland gar als Vorreiter und Brutst
Tracked: Aug 04, 09:25