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Thursday, June 30. 2005
Der E-Mail Inhalt des BMI Newsletters mit dem Subject "Mit Sicherheit innovativ":
(Es gilt das gesprochene Wort!)
Anrede!
Anrede!
Anrede!
Anrede!
Anrede!
Anrede!
2. Containersicherheit
Anrede!
3. Dokumentensicherheit
Anrede!
Anrede!
Anrede!
Besser kann man die Bedeutung der letzten Wortschwalle aus dem Mundes des mit der SPD untergehenden Bundesinnenministers Schily nicht verdeutlichen - auch was dessen Entgleisungen gegen den ebenfalls abtretenden Bundesdatenschutzbeauftragten, das Durchpeitschen des biometrischen Passes und andere Werbeparolen mit dem Motto "Mehr Sicherheit nicht mehr Überwachung" angeht. Was für alle abgetakelten SPD Politiker vor dem Abdanken der Partei und ihres grünen Wurmfortsatzes gilt, gilt auch für den Herrn Bundesinnenminister: Allerorten wird die rote oder grüne Parteifahne eingeholt, die Narrenflagge gehisst und das Bundeskabinett zum Narrenschiff umfunktioniert. Die 2, 3 Monate Narrenfreiheit nutzen die Narren mit Parteibuch, um noch einmal auszuteilen, lang unterdrückte Wunschvorstellungen auszubreiten, die man vor Monaten noch nicht wagte im Munde zu führen, durchzuziehen, was noch durchzuziehen ist und um noch einmal der große Profilneurotiker zu sein, den großen Zampano bei Christiansen zu spielen, bevor alles vorbei ist und das Wahlbüro ausgekehrt wird. Ich für meinen Teil verabschiede mich zur Sommerpause vom alten Haudegen Schily und gedenke, seinen Auskeilereien keine größere Beachtung mehr zu schenken.
Thursday, June 30. 2005
Wenn man als NGO oder Initiative, die eine militantere oder radikalere Form der Kritik verfolgt, Webserver betreibt, um auf ihnen Kommunikationsplattformen zu unterhalten, muss man wohl am besten den Server zuhause unter den Schreibtisch stellen oder Server, die man bei einem Provider stehen hat, ständig und regelmäßig vor Ort kontrollieren können und Logs auf das absolute Minimum beschränken. Anders kann man zwei Vorfälle in Italien und Großbritannien nicht bewerten. In Großbritannien wurde - wie bereits ein Jahr zuvor - wieder einmal ein indymedia Server von der Polizei beschlagnahmt, nachdem sich die Betreiber geweigert hatten, Details zur IP-Adresse eines Postings herauszurücken. In Großbritannien dürften so einige Überwachungsaktionen auf Hochtouren laufen, denn überall in Großbritannien bereiten sich politische Aktivisten auf das bald stattfindende G8-Gipfeltreffen in Gleneagles vor. Was mit Servern passieren kann, an denen Polizei- und Sicherheitsbehörden Hand angelegt haben, macht die einjährige, verdeckte Überwachung des Austistici Servers deutlich, auf dem eine ganze Reihe von Diensten, Mailboxen für NGOs und Aktivisten gehostet werden - u. a. auch ein Anonymizer und ein Remailer. Wie Austistici in Aruba-Postile 1 / Privacy 0 mitteilt und EDRi in Police backdoor discovered in Italian alternative server berichtet, traten am 15. Juni 2004 Polizisten mit einer Anordnung an den Austistici Provider Aruba mit einer Anordnung heran, die den Provider dazu veranlasste, den Server kurzzeitig vom Netz zu nehmen - wegen eines Stromausfalls, wie man später den Austistici Aktivisten erklärte. Der wahre Grund bestand darin, Backdoorprogramme auf dem Server zu installieren, die dazu dienen sollten, den Webmailaccount der anarchistischen Initiative Crocenera zu überwachen, nach Einschätzung der Austistici Leute aber auch dazu geeignet war, ein ganzes Jahr lang den gesamten Traffic in Richtung des Austistici Servers abzufangen und zu entschlüsseln, was ca. 30000 Nutzer, 6000 Mailuser und 500 Mailinglisten betreffen könnte. Leider entdeckten die Betreiber das Backdoor erst am 21. Juni 2005 - wegen der Falschaussage des Providers und weil man sich bis dato wohl nicht vorstellen konnte, dass mittlerweile jeder "Serverausfall" bedeuten kann, dass eine staatliche Überwwachungsmaßnahme läuft. Wie EDRI berichtet, haben die Austistici Betreiber in einem ersten Schritt eine formale Beschwerde beim italienischen Datenschutzbeauftragten eingelegt, an alle User eine Warnung ausgegeben und sehen sich nach einem neuen Hoster um (der dann auch irgendwann als Schnüffelgehilfe tätig wird bzw. tätig werden muss?), während Mitglieder der Partito della Rifondazione Comunista und der italienischen Grünen eine formale Anfrage an den italienischen Minister für Kommunikation gestellt haben, um in Erfahrung zu bringen, ob die verantwortlichen Behörden und Polizeien im Einklang mit italienischen Gesetzen zum Schutz der Privatsphäre und der Meinungsfreiheit gehandelt haben - wenn man davon noch sprechen kann. Bei Austistici gehen derweil die Überlegungen weiter, welche Gegenstrategien man einschlagen kann, um in Zukunft derlei Überwachungsangriffen zu entgehen, Überlegungen, die sich jede Initiative, Organisation und NGO ernsthaft machen sollte, die sich in ihrer politischen Arbeit und Aussage nicht nur auf milde Presseerklärungen, Unterschriftenlisten und Lichterketten beschränkt.
Friday, June 24. 2005
…gerade auf 3sat. Ein Autor namens "Böldl", der geradezu dazu einlädt, ihn in "Blödl" umzubennen, liest wohl aus seinen Kindheits- und Stadterinnerungen vor. Die Kameramänner stehen verloren in der Dekoration herum, die irritierenderweise aus übergroßen Mensch-Ärger-Dich-Nicht Spielbrettern besteht, als würde gerade der internationale Mensch-Ärger-Dich-Nicht WorlCup übertragen werden. Die Autoren und klug drein schauenden Kritiker sitzen an Pulten, wie man sie aus den zahllosen Rate-Shows her kennt - schließlich gibt es ja auch was zu gewinnen. Schon irgendwo absurd, sich vom Fern-Sehen drei Stunden lang aus Büchern vorlesen zu lassen, andererseits erfreulich, dass dafür noch Platz im ÖRF ist. Eine schöne Aktion wäre es, die Preisverleihung an einem Tag mit schlechtem Wetter auf allen Kanälen zu übertragen. Wer Böldl nicht mag, dem empfehle ich "Riven Rock" von T. C. Boyle, das ich gerade lese.
Thursday, June 16. 2005
Ich habe mal vor fünf Jahren einen Text zu Software- und Hardwarekeyloggern geschrieben und mir damals ausgemalt, das wäre doch die ideale Lösung für alle Sicherheitsbehörden und Geheimdienste, wenn alle Keyboard- und Motherboardhersteller Hardwarekeylogger wie DRM und TPM Module direkt bei der Produktion fest einbauen würden, die dann von den Behörden im "Bedarfsfall", bei "Vorliegen konkreter Anhaltspunkte für den Verdacht...", "nach richterlicher Anordnung gemäß..." - blabla, man kennt ja die Formulierungen in den einschlägigen Gesetzen, die Überwachung regeln - aktiviert werden dürften. Deshalb war es für mich auch nicht überraschend, über die Entdeckung des Keyghost Hardwarekeyloggers in fabrikneuen Produkten von Dell (jedoch stümperhaft implementiert) zu lesen, den ich mir vor fünf Jahren angesehen hatte.
Allerdings halte ich das Ganze für eine Ente, aber eine Ente, die vorstellbar ist :) Denn das wiedergegebene Antwortschreiben des DHS zeigt eine merkwürdige Ansammlung von Firmen und Institutionen, die zwar alle etwas mit Überwachung in den USA zu tun haben, wohl aber nicht vereint auf einem Antwortschreiben des DHS zu finden wären: Den U. S. Secret Service und die Firma SAIC, die zwar u. a. für das DHS hostet, aber angeblich auch noch die Datenschutzbeauftragte für das DHS stellt. Außerdem wird nicht das Wappen des DHS verwendet, sondern eine Sheriffstern ähnliche Abbildung. Lädt man sich dann noch die PSD Vorlage des angeblichen Briefes herunter, sieht man mit Gimp, dass zwei Ebenen verwendet wurden, von denen eine mit "Dear Mr. loljewsdidwtc" benannt wurde, also antisemtisch-verschwörungstheoretisch "Lol, Jews did WTC". Via Fefe's Blog: Und hier noch nen Hardware-Trojaner, von Dell?
Monday, June 13. 2005
Über Florians Eintrag Pubsub Client bin ich auf den Java Jabber Client JBother gestoßen und habe mir den in der Version 0.8.7.1 näher angesehen.
 JBother Roster  JBother tabbed windows
JBother erinnert sehr stark an PSI. Man kann ohne Probleme Nachrichten zwischen PSI und JBother per GnuPG verschlüsseln, bei JBother kann man ebenfalls Sounds verschiedenen Events zuordnen, die Oberfläche mit Skins ändern usw. Was mir im Gegensatz zu PSI gut gefallen hat: Chatfenster mit Tabs statt Einzelfenster bei PSI, umfangreiche Konfiguration von MUC Rooms per GUI. Was ich (noch) nicht so toll finde: Die unheimlich lange Startzeit, der Datentransfer ging überhaupt nicht, jedenfalls zwischen PSI und JBother (gleichzeitiger Test zwischen PSI - PSI funktionierte), keine Kantenglättung bei Schriften, unsortierte Anzeige der GnuPG User-IDs (keine Key-IDs), was bei einem großen Schlüsselring mit z. T. gleichen User-IDs für verschiedene Schlüssel sehr unpraktisch ist bei der Zuordnung des Schlüssels, kein Proxysupport. Abgesehen von diesen "Macken" ein schöner Jabber Client und eine Alternative zu PSI.
Saturday, June 11. 2005
GlobalVoices hat ein paar Details und klärende Informationen zum letzten "Website & Weblog Crackdown" in China von dem Blogger Isaac Mao in Shanghai per Skype-Konversation erfahren, die man sich auch als mp3 Datei herunterladen kann. Demnach sitzen die Blogger zwischen zwei Stühlen. Hosten sie selbst ihr Weblog, müssen sie sich mit ihren persönlichen Daten direkt beim Ministerium für Wahrheit registrieren, richten sie ihr Blog bei einem chinesischen Weblogprovider ein, entfällt das, aber der Weblogprovider muss sich natürlich registrieren und gemäß der Zensurvorgaben des Ministeriums dafür Sorge tragen, dass über seine Server keine Weblogs laufen, die "Propaganda" für Demokratie und Menschenrechte machen. Unter den verbliebenen Bloggern, die sich noch nicht registriert haben und noch nicht von dem Night Crawler Schnüffeltool des Ministeriums aufgespürt wurden, herrscht anscheinend zur zeit Unsicherheit, denn einige Blogger warten noch ab und hoffen wohl, nicht bemerkt zu werden, andere Blogger bekommen Probleme bei der Registrierung, je nachdem welche Meinung das Registrierungsbüro zu "Websites" und "Weblogs" hat.
 Blog in China mit Registriernummer, die mit der Registrierseite des Ministeriums verlinkt ist.
Eine Schlüsselrolle dürfte der Registriernummer zukommen, die registrierte Blogger in ihrem Weblog anzeigen müssen, denn die wird vermutlich als Schlüssel dienen, mit denen das Crawlerprogramm den Abgleich mit der Datenbank der registrierten Domaininhaber und Blogger vornimmt.
Um chinesischen Bloggern zu helfen, ein Weblog außerhalb des Einflußbereichs der chinesischen Zensoren zu führen, wurde die Aktion Adopt A Chinese Blog ins Leben gerufen, verbunden mit dem Aufruf an Leute, die ihr Weblog auf einem eigenen Server hosten, chinesischen Bloggern "Unterschlupf" zu gewähren. Chinesen können diese Angebote finden, indem die "Adoptiveltern" auf ihrer Seite bzw. in ihrem Blog einen Beitrag mit dem Technorati oder del.icio.us Tag "adoptablog" versehen.
 Adopt a Chinese Blog Logo.
Via: Comittee to Protect Bloggers: More details on chinese blog crackdown.
Saturday, June 11. 2005
Na das fügt sich ja nahtlos an die billigen Rechtfertigungen an, die Microsoft abgab, als Microsoft (u. a.) mit dem Vorwurf konfrontiert wurden, sie würden auf Teufel komm raus Geschäfte mit dem Teufel machen, wobei hier mit den Teufeln die Zensoren des chinesischen Regimes gemeint sind. In dem Artikel Microsoft bans 'democracy' for China web users der Financial Times, der pikanterweise auch von MSN Money übernommen wurde, berichtet die FT, dass Microsoft im chinesischen Ableger der MSN Spaces Weblogplattform die Eingabe von Begriffen wie "Demokratie", "Freiheit", "demokratische Bewegung", "Demonstration", "Unabhängigkeit Taiwans" blockiert. Ähnliche Berichte zu dieser Praxis gab es schon im Dezember 2004, z. B. bei BoingBoing. Chinesische User von MSN Spaces in China bekommen nach Eingabe einer der Begriffe die Fehlermeldung angezeigt:
"This item contains forbidden speech. Please delete the forbidden speech from this item." Other phrases banned included the Chinese for "demonstration", "democratic movement" and "Taiwan independence".
Das verwundert auch nicht, denn wie die FT weiter schreibt, sitzt das chinesische Regime bei MSN Spaces immer mit im Boot, weil das Microsoft Angebot ein Joint-Venture mit Shanghai Alliance Investment (Sail) darstellt, einem Ableger der Stadt Shanghai und die MSN Spaces selbst vom Joint-Venture Shanghai MSN Network Communications Technology betrieben wird, an dem Microsoft mit 50% beteiligt ist. Außerdem bietet Microsoft auf dem MSN Portal nur Nachrichten und Artikel an, die von lokalen, chinesischen Partnern stammen, die natürlich nur Inhalte fabrizieren, die den chinesichen Zensoren genehm sind.
MSN verweigerte jeden Kommentar zum Bann der bösen Wörter und lies nur durch das chinesische Joint-Venture verkünden:
"MSN abides by the laws and regulations of each country in which it operates, the MSN Spaces code of conduct forbids the posting of content that 'violates any local and national laws'".
Und wenn die ganzen Polit- und IT-Fuzzis, die ihre "Weblogs" bei MSN Spaces blog.focus.msn.de betreiben, von denen ZAF in Gähn berichtet, nur einen Funken Verstand, Sensibilität oder politisches Gewissen hätten, dann würden sie es sich vielleicht noch einmal überlegen, wo sie ihr "Weblog" betreiben. Via Pecking Duck: No "democracy" for Microsoft users in China.
Friday, June 10. 2005
Im Jahr 2004 wurden in Deutschland 6 633 156 Straftaten polizeilich erfasst. Damit ist bundesweit ein Anstieg um 0,9 Prozent zu verzeichnen. Die Entwicklung der Fallzahlen ist auch durch eine systemumstellungsbedingte Nacherfassung in Baden-Württemberg beeinflusst. Ohne diese Nacherfassung wäre die Zahl gegenüber dem Vorjahr nahezu konstant geblieben. Die Gesamtaufklärungsquote liegt bei 54,2 Prozent (2003: 53,1 Prozent, 1993: 43,8 Prozent) und stellt damit die höchste Aufklärungsquote seit Erstellen der PKS dar.
So steht es in der Schlussbemerkung der Kriminalitätsstatistik 2004. ZAF zieht daraus in polizeiliche Kriminalitätsstatistik zu Recht den Schluß, dass die Zahlen gegen eine Ausweitung der staatlichen Überwachungsmaßnahmen und -spielräume sprechen. In Klima der Angst zum Artikel "Warum wir eine Zunahme der Kriminalität sehen, wo keine ist" von Katja Seefeldt hatte ich vor gut einem halben Jahr auch schon mal auf die Diskrepanz zwischen dem Rückgang von Kriminalität, der in den letzten zehn Jahren zu beobachten ist und den Argumenten der Scharfmacher in allen Parteien hingewiesen, die, gestützt durch "Reportagen" in den Medien mit gleichglautendem Tenor, mit der "Kriminalität auf Deutschlands Straßen und in deutschen Städten" und dem "Sicherheitsbedürfnis der Bürger" für immer weitergehende Überwachungsbefugnisse für Polizei- und Geheimdienstbehörden hausieren gehen und damit beim BILD-Bürger, der sich für Statistiken nicht interessiert, auch gut ankommen. Auch immer wieder ein beliebtes Wahlkampfmotiv der CDU/CSU, die sich ja gerne als die Kompetenzträger in Sachen Innere Sicherheit positionieren. Aber wenn solche Studien und Statistiken veröffentlicht werden, bleibt es im Lager der Scharfmacher und Hardliner sehr still, was ja verständlich ist, wenn die Realität der Zahlen mit ihren Szenarien kolidiert. Bricht man den diffusen Begriff des "internationalen" oder "islamistischen Terrorismus", der zweiten Argumentationsgrundlage, auf konkrete Zahlen in Deutschland herunter, dürfte es ähnlich aussehen. Aus diesem Grund sind den Hardlinern auch die Begriffe "Aufklärungsquote" und "Kriminalitätsprävention" zur Strafverfolgung und Strafverhinderung so wichtig, weil man damit trefflich behaupten kann, die Kriminalität steige ja im Gegensatz zur Aufklärungsquote gerade deshalb nicht, weil man den Polizeien und Diensten neue Überwachungs- und Analyseinstrumente und größere Überwachungsspielräume zubilligt.
Thursday, June 9. 2005
Ich kann mich da Hugos Meinung in Zum Abschuss freigegeben nur anschließen. Aus diesem Grund weiß ich auch, was ich von Leuten zu halten habe, die so was wie "TV total" gerne glotzen oder sich ihre ganze Meinung BILDen lassen und warum bei mir Leute wie Raab und Sendungen wie "TV total" total weit oben auf der persönlichen "TV Blacklist" stehen. Hier mal ein Ausschnitt aus Ravens Personal TV Blacklist (RPTVB) laut Nextview EPG von heute :o)
TV total (Pro7)
Das Geständnis - Heute sage ich alles (Pro7)
Das Familiengericht (RTL)
Richterin Barbara Salesch (Sat1)
Das Jugendgericht (RTL)
Richter Alexander Hold (Sat1)
taff (Pro7)
Brisant (ARD)
Leute heute (ZDF)
Prompt (Pro7)
Exclusiv (RTL)
Big Brother (RTL2)
Akte irgendwas (Sat1)
24 Stunden (Sat1)
talk talk talk (Pro7)
Johannes B. Kerner (ZDF)
Die Oliver Geissen Show (RTL)
Fliege (ARD)
Blitz (Sat1)
Eure letzte Chance (Pro7)
Vera am Mittag (Sat1)
SAM (Pro7)
Britt - Der Talk um Eins (Sat1)
Zwei bei Kallwass (Sat1)
We are Family! (nicht Papst) (Pro7)
Leute heute (ZDF)
hallo deutschland (ZDF)
Beckmann (ARD)
Sabine Christiansen (ARD)
Thursday, June 9. 2005
Jeder, der Suchmaschinen wie Google oder Yahoo nutzt, kennt die Filtereinstellungen zur Ausblendung von Inhalten, die als jugendgefährdend gelten. Man klickt als User Ja oder Nein an und bestimmt damit, ob man bestimmte Links, die von den Suchmaschinenbetreibern z. B. im Sinne der Klassifizierungen von Ratingorganisationen als jugendgefährdend gelten, nicht angezeigt bekommen möchte.
 Familienfilter bei Yahoo.
In Deutschland schreibt der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) in § 5 und § 11 zusätzlich vor, dass die direkten Anbieter und nicht die Suchmaschinen ihre Inhalte so anbieten oder zugänglich machen müssen, " dass Kinder oder Jugendliche der betroffenen Altersstufen sie üblicherweise nicht wahrnehmen". Entweder durch technische oder "sonstige" Mittel, zu denen nach § 11 "Jugendschutzprogramme" zählen, die den Angeboten vorgeschaltet oder nur mit dem Programm abzurufen sind oder durch eine zeitliche Beschränkung des Inhaltsangebots auf die späten Abendstunden.
Zu den Inhalten zählen nach § 4 JMStV nicht nur kinderpornografische oder allgemein pornografische, sodomitische Inhalte, sondern auch alle Angebote, die von der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM), der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, Jugendschutz.net, von der KJM anerkannte Einrichtungen der Freiwilligen Selbstkontrolle oder auch mal einer Bezirksregierung so klassifiziert würden oder klassifiziert sind: Als Propagandamittel, das sich gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung oder den Gedanken der Völkerverständigung richtet, als Angebot, das Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verwendet, zum Hass gegen Bevölkerungsanteile und -gruppen aufstachelt, nationalsozialistische Handlungen leugnet oder verharmlost, grausame oder unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen und den Krieg verherrlicht oder verharmlost, zu rechtswidrigen Taten nach § 126 Abs. 1 SGB anleitet oder sterbende oder leidende Menschen darstellt und damit die Menschenwürde verletzt.
Um die Methoden, Techniken und Ansätze, wie mit solchen Inhalten zu verfahren sei, gibt es schon so lange Diskussionen, wie es diese Inhalte gibt. Sie betreffen viele Fragen und Probleme, zu denen u. a. die Frage gehört, wer mit welchem Schema, welcher Weltanschauung und "Medienkompetenz" die Inhalte klassifiziert, ob die Klassifizierung so treffgenau sind, dass wirklich nur "extreme" Angebote klassifiziert und von Filter- und Schutzprogrammen erfasst werden, was in der Vergangenheit in Berichten zu Schemata und darauf basierender Filtersystem stets verneint werden musste, die Frage, wieviel Verantwortung den Personen zukommt, die zur Erziehung berechtigt oder mit ihr betraut sind, was die Vermittlung von "Medienkompetenz" an Kinder und Jugendliche angeht und der Methoden, dass Internet eigenverantworlich selektiv zu nutzen im Verhältnis zum Stellenwert, den dabei (halb)automatische Bewertungs- und Filtersysteme einnehmen sollten und nicht zuletzt das Problem, wie erwachsenen Benutzern, zu denen auch Journalisten, Studenten, Wissenschaftler und Blogger gehören, ihre Rezipientenfreiheit zu garantieren ist, was auch die Möglichkeit einschließt, anonym Inhalte zu nutzen, nicht nur zum Zweck der Information und Nutzung, sondern auch für Recherchen und zur Berichterstattung.
Unter dem Gesichtspunkt, dass sich die oben genannten Pflichten an die Anbieter selbst richten und dem unten angerissenen Fragen- und Problemkomplex erscheinen die neuen Methoden, der Suchmaschine Seekport krtitisch, wenn nicht problematisch. Denn wie die KJM gestern in ihrer Pressemitteilung Erfolg der Internetaufsicht: KJM bewertet technische Jugendschutzmaßnahme der Suchmaschine Seekport positiv mitteilte, " gibt es erstmals für eine Suchmaschine technische Schutzmaßnahmen, mit denen der Zugang von Kindern und Jugendlichen zu problematischen Erotikseiten im Internet wesentlich erschwert werden kann...die Jugendschutzvorkehrungen sollen bei Seekport und weiteren Partnern, die Suchergebnisse von Seekport erhalten, eingeführt werden". Die KJM stellt dazu selbst fest, dass " technische Schutzmaßnahmen nach dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) grundsätzlich von Inhalteanbietern eingesetzt werden müssen. Seekport als Suchmaschine geht mit diesem Konzept über die gesetzlichen Mindestanforderungen deutlich hinaus".
Was machen die technischen Schutzmaßnahmen von Seekport aus? Dazu heißt es in der entsprechenden Pressemitteilung von Seekport
Technische Grundlage der Jugendschutzmaßnahmen, die Seekport zur Bewertung bei der KJM eingereicht hat, ist die innovative Themensuche (Vertical-Search-Funktion), die zum Patent angemeldet ist. Sie ermöglicht die Zuordnung aller im Index befindlichen Internetdokumente zu definierten Themenbereichen. So wird es möglich sein, pornografische Inhalte aus der normalen Internetsuche auszuschließen. In den separaten Themenbereich "Erotik" können volljährige Nutzer dann erst nach Eingabe des Geburtsdatums, der Personalausweisnummer und der E-Mail-Adresse wechseln (...)
Seekport bietet seit dem Start im Juni 2004 in Deutschland eine umfassende, roboterbasierte Internetsuche mit einem minimalen Anteil an so genannten entwicklungsbeeinträchtigenden erotischen Dokumenten in der normalen Suche. Die generell hohe Treffer-Qualität wird durch ein Qualitätsteam sichergestellt, das kontinuierlich die Suchalgorithmen verbessert, unerwünschte Inhalte entfernt und systematisch gegen Suchmaschinen-Spam vorgeht. (...) "Unser Qualitätsmanagement macht uns schon jetzt zur mit Abstand familienfreundlichsten Suchmaschine mit einem signifikant geringeren Anteil unzulässiger Dokumente. Denn bei Seekport fängt Qualität nicht erst da an, wo der Gesetzgeber eingreifen muss", erklärt Stefan Karzauninkat, bei Seekport Director Quality Management Europe.
D. h. bei Seekport und zukünftig allen Suchmaschinen, die das Seekport System übernehmen würden oder ähnliche Techniken entwickeln, wird ein menschliches Team Inhalte nach Kriterien in jugendgefährdende Kategorien aussortieren, die von dem Suchmaschinenbetreiber selbst bestimmt werden und zusätzlich wird die Pflicht und Umsetzung von Zugangsbeschränkungen, die eigentlich nur vom Inhalteanbieter selbst vorzunehmen sind, zu den Suchmaschinen vorverlagert. Welches Mitsprache- und Einspruchsrecht der Inhalteanbieter dabei selbst noch hat ist ungewiss. Gewiss ist aber, dass erwachsene Benutzer schon der Suchmaschine selbst eine Reihe persönlicher Daten auszuhändigen haben, wenn sie auf Inhalte stoßen, die der Einschätzung der Suchmaschinenbetreiber nach jugendgefärdend sind - was, wie man oben lesen konnte, nicht nur "Erotikseiten" betrifft. Daten, die sich bei den Suchmaschinenbetreibern ansammeln und den anonymen Zugang zum Webserver des Inhalteanbieters selbst unmöglich machen werden, wenn der Benutzer keine Kenntnis von der direkten Adresse besitzt. Man denke dabei auch an die für ihre Datensammelleidenschaft bekannte Google Suchmaschine, dem gesteigerten Bedürfnis von Geheimdiensten, Sicherheitsbehörden und Regierungen, mehr über die Nutzer von bestimmten Inhalten erfahren zu wollen und der Bereitwilligkeit oder dem Zwang seitens einer Suchmaschine wie Google, mit staatlichen Behörden zusammenzuarbeiten zu wollen oder zu müssen. In einem Staat wie China dürfte den dortigen Sicherheitsorgane nach der vollbrachten Zwangsregistrierung aller Inhalteanbieter derartige Techniken als willkommene Ergänzung erscheinen. Eine in irgendeiner Form selbstbestimmte Suche nach Inhalten wie anfangs angesprochen, würde bei breiter Anwendung solcher Techniken durch alle Suchmaschinenbetreiber oder gar gesetzlicher Verpflichtung zur Implementierung der Vergangenheit angehören. Das man sich das seitens der KJM wünscht, geht aus der Schlußbemerkung des KJM Vorsitzenden Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring hervor:
"Eine spürbare Verbesserung des Jugendschutzes im globalen Medium Internet kann nur mit Hilfe von technischen Schutzmaßnahmen, verbunden mit der Selbstbeschränkung der Anbieter, erreicht werden. Suchmaschinen spielen dabei eine Schlüsselrolle. Das Konzept von Seekport zeigt, dass technische Jugendschutzmaßnahmen auch bei Suchmaschinen möglich sind, und kann Modellcharakter für andere Unternehmen haben."
Aber wie alle Techniken, besitzen vermutlich auch Techniken wie die von Seekport Vorzüge. Dazu zählt trotz der Problematiken, die ich gerade formuliert habe der Nutzen, den sie trotzdem für den Jugenschutz haben können - die Frage ist nur, wie man sie im Rahmen des Fragen- und Problemkomplexes einordnet. Dazu zählt auch die "generell hohe Treffer-Qualität" und die Entfernung von Seiten mit Dialern aus dem Suchindex, die Seekport verspricht, was den Usern zugute kommen würde, die mit ungenauen Ergebnissen überhäuft oder mit schadhaften Inhalten belästigt werden.
Eine ähnliche Ambivalenz zeigt sich bei einer neuen Suchmaschinentechnik, man könnte auch von Data-Mining Technik sprechen, die kürzlich von der University at Buffalo vorgestellt wurde. Die Technik, die sich u. a. der Kontextanalyse und Natural Language Processing(NLP) bedient, dient der Aufspürung von Unapparent / Unintended Information Revelations (UIR) also unabsichtlichen und verdeckten Preisgaben von (neuen) Informationen, auch Gemeinsamkeiten, die sich aus der Analyse und Synthese von Internetinhalten ergeben, die von verschiedenen Quellen und Autoren stammen. Denn einerseits soll die Technik über das Data-Mining von Websites, Weblogs u. a. der Aufspürung terroristischer Netzwerke oder von Beziehungen zwischen Personen dienen, auf die (vermeintlich) terroristische Profile passen und kann zu einer noch größeren Abschottung von Publikationen staatlicher Stellen führen, wenn eine UIR Analyse ergibt, dass mehrere aber verschiedene Quellen in ihrerer Gesamtheit Informationen generieren, die man nicht veröffentlicht sehen will und deshalb einzelne Quellen vom Netz nimmt. Andererseits kann die Technik auch für Suchmaschinenalgorithmen verwendet werden, deren Zusatzinformationen aus der "Gesamtschau" heterogener Quellen einen "Zusatzgewinn" für den Benutzer darstellt oder auch zur Herstellung von Kontakten für Social Networks und Software über die Aufdeckung von Beziehungen dienen, die so nicht zu vermuten wären.
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