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Saturday, February 26. 2005
Ein Problem, bei dem ich an anschließende E-Mail denken musste, machte mich wieder auf das unselige Patentproblem aufmerksam. Eine Freundin leiht sich DVDs über einen Online-DVD-Verleih. Sie hatte mplayer mit allem was dazu gehört kompiliert und schaut sich DVDs über ein eingebautes DVD Laufwerk mit einer alten TNT2 Karte an. Aber mplayer verweigerte den Dienst mit " Opening audio decoder: [ffmpeg] FFmpeg/libavcodec audio decoders Cannot find codec 'dts' in libavcodec…[format] Sample format big endian AC3 not yet supported. Couldn't find matching filter/ao format!" obwohl der AC3 Support, den mplayer anbietet, einkompiliert war. Wir machten uns auf die Suche - per Google, in Foren und Mailinglisten - und stießen auf allerlei mehr oder weniger esoterische Lösungsversuche, die aber zumeist mit DVR Lösungen zu tun hatten. Am vielversprechendsten kam mir der Tipp vor, libdts zu kompilieren & installieren und mplayer neu zu übersetzen. Gesagt getan, fand ich über eine RPM Searchengine ein libdts Source RPM zu Fedora Core 2, das sich auch unter Fedora Core 3 übersetzen ließ. Nach einem neuen Rebuild des mplayers funktionierte es jetzt, holperig, was aber mit ihrer Hardwareausstattung zusammenhängen mag. Was ich aber auch unter libdca - a free DTS Coherent Acoustics decoder fand, war folgende Mitteilung:
Getting libdca
DTS Inc. claims that distributing this software is a violation of their patent EP 864 146. At DTS Inc. request, we decided, as a precautionary measure, to provisionally suspend the distribution of libdca while reviewing DTS Inc. claim. This is not an acknowledgement of the validity of the claim.
The previous name "libdts" was changed to "libdca" as a precautionary measure. Und hier die E-Mail der Foundation for a Free Information Infrastructure, an die ich dabei denken musste:
am Donnerstag abend ist einem Unterstützer eine Email einer Künast-Mitarbeiterin zugekommen, in der es heisst "Ich schreibe Ihnen im Auftrag von Renate Künast. Am 28.02. wird der 'Gemeinsame Standpunkt' zur Richtlinie über die Patentierbarkeit computerimplementierter Erfindungen auf dem Treffen der Agrar- und Fischereiminister formal bestätigt." Will man einen A-Punkt abnicken lassen, so wäre der Montagstermin geschickt gewählt: Die Europaparlamentarier sind nach einer Sitzung in Straßburg gerade wieder nach Brüssel, und - so rechnet man sich möglicherweise aus - über das Wochenende ist die Mobilisierung schwieriger.
Unverzügliches Handeln ist also geboten, deshalb verschicken wir dieses Rundschreiben schon seit der Nacht, und wir bitten Sie, über Ihre politischen Kontakte darauf hin zu wirken, dass die Softwarepatentrichtlinie kein A-Punkt am 28.02. wird. Andererseits heißt schnelles Handeln auch, dass wir diese Mail bisher nicht aus einer zweiten Quelle verifizieren konnten, wir bitten Sie deshalb um Verifikation oder Falsifizierung, neueste Ergebnisse werden unter
http://wiki.ffii.org/AItemWarning050224De
veröffentlicht (wir bitten Sie, dort nach dem Öffnen dieser Mail nachzuschauen und eigene Erkenntnisse dort beizutragen.)
Mehr Hintergrund unter
http://wiki.ffii.org/Kuenast050224De
Zusätzlich bietet sich die Aktion "B-Punkt jetzt! - Bananen ans BMJ" an. Alles Nötige findet man heute noch im eigenen Briefpostkasten (Stichwort: Freipaket-Freitag), im Supermarkt und auf
http://demo.ffii.org/bmjbananen050225/
Darüberhinaus gibt es am Samstag Parteitage, die sich dringend damit befassen sollten:
http://wiki.ffii.org/GruenerNrwParteitag050226De
Thursday, February 24. 2005
Ein neues Weblog, dass sich ebenfalls mit den Themen Überwachung und Kontrolle beschäftigt ist Schnueffelstaat.de, das von der liberalen Hochschulgruppe an der Heinrich Heine Universität anlässlich ihrer Unterschriftenaktion gegen die Einschränkung der informationellen Selbstbestimmung eingerichtet wurde. Ein Schwerpunkt stellt das ab April wirksame Kontenüberwachungsgesetz Gesetz zur Förderung der Steuerehrlichkeit dar, dessen Stopp gefordert wird. Durch das Gesetz erhalten zahlreiche Behörden, angefangen von einer einfachen Konteninhaber- bis zur detaillierten Kontenbewegungsabfrage, den Komplettzugriff, was faktisch jede noch bestehende gesetzliche Regelung zum Bankgeheimnis zur Makulatur macht. Der weitere Inhalt der Unterschriftenaktion ist sehr allgemein gehalten, konkrete Forderungen nach Änderung oder Einstellung bestimmter Gesetze fehlen.
Wednesday, February 23. 2005
Nicht nur das Thema Menschen- und Bürgerrechte in China angesichts der Teilnahme Chinas am UN Weltgipfel zur Informations- und Zivilgesellschaft (WSIS) im November 2005 sollte mehr in das Blickfeld der Öffentlichkeit geraten, sondern auch das Gastegeberland Tunesien des diesjährigen Weltgipfels selbst. Denn gerade in Tunesien herrscht ein ähnlich repressives Regime wie in China mit allem was dazu gehört: Zensur von Medien, Überwachung der Internetnutzer, Verhaftungen und Inhaftierungen von Regimekritikern. Deshalb ist auch der Austragungsort Tunesien so kritisch zu betrachten (ähnlich wie die kommende Olympiade in China). Denn durch derlei Veranstaltungen - lässt man die Frage der Menschen- und Bürgerrechte außer Acht, obwohl deren Achtung notwendiger Bestandteil jeder offenen Informations- und noch mehr jeder Zivilgsellschaft ist - wertet man unweigerlich undemokratische Regime auf. Andererseits bieten solche Orte auch Anknüpfungspunkte, um auf kritische Menschen- und Bürgerrechtssituation aufmerksam zu machen und Druck auf die Regime auszuüben, wenn denn diese Fragen durch die Öffentlichkeit und die Medien wahrgenommen und thematisiert werden. Die Frage, ob die durch die Öffentlichkeit erreichten Veränderungen von Dauer oder nur Showveranstaltung zum jeweiligen Event sind, bleibt trotzdem bestehen. Dem Ziel, die Menschenrechtsfragen, insbesondere in Bezug zu Tunesien, stärker in den Mittelpunkt der WSIS Gipfel zu stellen widmet sich dabei der Menschenrechts-Caucus der Zivilgesellschaft, in dem sich viele bekannte Menschen- und Bürgerrechtsorganisationen aus dem Nichtregierungslager (NGOs) zusammengeschlossen haben. Wohl nicht ohne Grund, denn den anwesenden Regierungs- und Unternehmensvertretern auf den WSIS Gipfeln geht's oft vornehmlich mehr um das Prestige, den Profit und abstrakte politische Ziele als um die Beachtung der Menschenrechte in Ländern, die zwar ihre Informationsinfrastruktur ausdehen, darüber aber nur regimefreundliche Informationen zulassen. In Menschenrechte auf dem WSIS berichtet Markus Beckedahl vom Netzwerk Neue Medien e.V. über ein Treffen des NGO Zusammenschlusses zum gerade stattfindenden WSIS Vorbereitstreffen in Genf, auf dem die Thematisierung der Menschenrechte auf dem WSIS Gipfel und der Lage in China und Tunesien nebst Berichten von Aktivisten aus den beiden Ländern Inhalt der Tagesordnung war. Der Menschenrechts-Caucus der Zivilgesellschaft hat zu Tunesien auch eine Extraseite eingerichtet, auf der es u. a. den Report Media under Watch der Tunesischen Organisation zur Verteidigung der Menschenrechte als PDF aus dem Jahr 2004 gibt, der ausführlich die Unterdrückungs- und Zensurpolitik des tunesischen Regimes darstellt. Weitere Informationen zu Tunesien gibt es auf der Tunesienseite der Reporter ohne Grenzen und im Tunesien Jahrebericht 2004 von Amnesty International.
Sunday, February 20. 2005
Über den Artikel Eye Scans Becoming the Future of Identification ist ein Realplayermovie in verschiedenen Größen verlinkt, der vorführt, wie es zur Zeit beim Iris-Scan Projekt am Frankfurter Flughafen zugeht, auf das Innenminister Schily so stolz ist. In dem Artikel wird das Projekt kurz beschrieben - mit der sonderbaren Aussage, dass über den Iris-Scan die Bewegung der Leute verfolgt werden kann. Ich denke mal, das ist ein Fehler, denn mir ist nicht bekannt, dass auf dem Flughafen schon überall Scannerkameras installiert wären, die dauernd einen Scan vornehmen und so den jeweiligen Aufenthaltsort einer Person mitverfolgen könnten. Das geht doch mit RFID Chips und Durchgangsschleusen viel einfacher.
 Scanstation im Frankfurter Flughafen Neben einem zufriedenen Flughafenkunden kommt auch der Chef des Bundesgrenzschutzes am FraPort, Hubert Steiger, zu Wort. Man lasse sich seine Ausführungen zum Sinn und Zweck des Projektes auf der Zunge zergehen:
"The main purpose of this test to avoid bad people passing this iris recognition and at the moment we have no information that it is possible. At the moment it's human beings who compare the document with the person. And human beings may make mistakes. At the moment, it still has little mistakes, but we expected that."
 Herr Steiger, Chef des Bundesgrenzschutzes am Frankfurter Flughafen, erklärt im Film das Iris-Scan Projekt. Via Freedom Is Slavery.
Saturday, February 19. 2005
Zur Zeit, genauer vom 17. bis 25. Februar 2005, findet das zweite Vorbereitungstreffen zum UNO Weltgipfel der Informationsgesellschaft in Genf statt, der im November 2005 in Tunis durchgeführt wird.
Während sich dort die Delegierten aus China - Herr Sha, Herr Yin, Herr Hongqiang, Frau Jixiu, Herr Yang, Frau Yufei und Herr Zhang - u. a. aus dem chinesischen Außenministerium, der ITU und dem Ministerium für die IT-Industrie die Zeit mit hochgeistigen Gesprächen zur Zukunft der Zivil- und Informationsgesellschaft Chinas vertreiben dürfen, berichten die Reporter ohne Grenzen wie es denjenigen in China ergeht, die nicht so ganz in das Bild von Zivil- und Informationsgesellschaft des chinesischen Regimes passen und die Rechte in Anspruch nehmen, wie man sie in den westlichen "Zivil-" und "Informationsgesellschaften" für selbstverständlich hält. Wie die Reporter ohne Grenzen in Cyber-dissident tortured to stop him appealing against 12-year prison sentence berichten, liegen ihnen neue Information zur Situation des Cyber-Dissidenten und Journalisten Huang Jinqiu vor, der - wie es unter der sich westlichen Werten ganz toll öffnenden chinesischen Regierung üblich ist - mit einer 12-jährigen Kerkerhaft wegen Subersion gegen den chinesischen Staat bestraft wurde, sprich er hat demokratisch und meinungsbildend agiert. Zu Recht ist man unter China-Aktivisten darüber empört, dass sich auf den WSIS Konferenzen und Gipfeln chinesische Offizielle herumtreiben dürfen, während Huang Jinqiu gegen seinen Willen in eine Psychatrie verschleppt werden soll, um ihn dort mit Hilfe von Psychopharmaka für immer ruhigzustellen. Übrigens eine Praxis, wie sie auch während der Vor-Gorbatschow Ära in der UDSSR üblich war, um politische Gegner "sanft" verschwinden zu lassen. Aber nicht nur das. Nachdem Jinqiu eine erneute Eingabe gegen seine Inhaftierung machte, begann man mit einer "Spezialbehandlung" im Gefängnis. So wurde er in eine Gemeinschaftszelle gesperrt, in der nichtpolitische Gefangene einsitzen, die wohl von den Wärtern den Auftrag erhielten Jinqiu täglich zu misshandeln. Außerdem muss Jinqiu jeden Tag einen 20 Kilometerlauf im Gefängnishof absolvieren, Abbrüche seitens Jinqiu werden mit Schlägen durch die Aufseher quitiert. Sein Rechtsanwalt bestätigte, er habe während eines Besuchs, bei dem Jinqiu wiederholt in Tränen ausbrach, deutliche Merkmale für Folter und Misshandlungen erkannt. Man braucht eigentlich nicht mehr zu erwähnen, dass seine Post an seinen Anwalt regelmäßig überwacht wird und im äußere Sinneseinflüsse wie das Lesen entzogen werden.
Saturday, February 19. 2005
Font bei Thundrune gefunden.
Saturday, February 19. 2005
Wer sich schon jetzt für die Details des Angriffs auf SHA-1 interessiert, bevor die vollständige Dokumentation für jeden verfügbar ist, kann sich bei Cryptome das 3-seitige Entwurfspapier Collision Search Attacks on SHA1 von Xiaoyun Wang, Yiqun Lisa Yin und Hongbo Yu als PDF herunterladen, das Adi Shamir auf der RSA Konferenz erwähnte. Als Ergänzung dazu das neue Posting von Bruce Schneier mit dem Titel Cryptanalysis of SHA-1, in dem er die neuen Resultate in Beziehung zu Moore's Law und vergangenen Projekten zur Berechnung von Secret Keys wie der DES Cracker Machine der EFF und des distributed.net setzt. Sein Fazit: Für die 2 69 Kalkulationen, die Bestandteil des SHA-1 Angriffs sind, bräuchte eine aktuelle DES Cracker Machine, deren Kapazitäten sich nach Moore's Law entsprechend erhöht hätte, 3 1/4 Jahre bzw. eine "Maschine", die 25 - 38 Miillionen US$ kosten würde, 56 Stunden. Folge man dem alten Ausspruch "Angriffe werden immer besser, nie schlechter", der in der NSA gepflegt würde, der Tatsache, dass die Ergbnisse der Chinesen ebenfalls auf älteren Angriffen gegen MD4/5 und simpleren Versionen von SHA-0/1 aufbauen und Moore's Law, sei davon auszugehen, dass auch das jetzige Angriffsverfahren der Chinesen mit der Zeit durch Verbesserungen und Optimierungen durch andere Kryptologen Basis eines besseren Angriffs gegen SHA-1 wird.
Friday, February 18. 2005
Es ist immer wieder das Gleiche. Kaum ist ein Thema im Fokus der Öffentlichkeit, das die Gemüzer zu Recht erhitzt, schnappen Sicherheits- und Geheimdienstbehörden zu, wenn es darum geht, ihren Schnüffelspielraum zu vergrößern. Ob Kinderpornografie, Morde an Prominenten, Erhöhung des Gewaltniveuas, Terrorismus, organisierte Kriminalität oder Rechtsextremismus, jedes Thema kommt gerade recht, um sich lang gehegte Wünsche zu erfüllen. Die Begehrlichkeit: Die Vorratsspeicherung, die es (zur Zeit) noch schwer hat im Bundestag und Bundesrat und auf EU Ebene noch nicht in's Rollen gekommen ist. Aber nicht die gezielte und personenbezogene Speicherung der Daten von bekannten Angehörigen der rechtsradikalen Szene ist gefragt - die haben oft ihre Accounts im Ausland, was dem BKA Probleme bereitet. Nein, Herr Zierke denkt mal wieder - wie alle Vertreter seiner Zunft - an einen tumben Rundumschlag, der alle Internetnutzer erfassen würde. So gab er dem Tagesspiegel im Interview Frühwarnsystem gegen Rechtsextreme auf die Feststellung "Gegen die Hetze der Neonazis im Internet sind Sie auf die Zusammenarbeit mit dem Ausland angewiesen" zur Antwort:
Das ist manchmal sehr schwer. In den USA ist die Meinungsfreiheit viel weiter gefasst, auch in Dänemark. Davon profitieren Neonazis, die dort Seiten ins Internet stellen, deren Inhalte in der Bundesrepublik strafbar sind. Bei deutschen Providern hingegen findet das BKA Gehör. Aber das BKA möchte auch, dass Provider mindestens sechs Monate ihre Daten speichern müssen, damit beweiskräftig ermittelt werden kann, wer wann auf strafbare Websites zugegriffen hat.
D. h. internationale Rechtshilfe, Sperrvefügungen wie in NRW, Meldehotlines zu rechten Inhalten und die Mitarbeit der ISPs reichen dem BKA nicht. Nun soll auch beweiskräftig derjenige per Vorratsspeicherung dingfest gemacht werden, der im Web auch mal eine rechtsextreme Website ansteuert. Also z. B. auch jemand wie ich, der sich auch mal eine rechtsextreme Site anschaut, um sich einen Eindruck zu verschaffen mit welchen (Stil-)Mitteln die Rechten arbeiten, wie gut deren technisches Know-How ist oder wie die Vernetzungsstruktur in der rechten Szene aussieht. Also jeder mündige und kritische Bürger, der nicht aus rechtem sondern demokratischen Interesse sich ein Bild machen möchte, würde zukünftig erfasst werden. Aber das reiht sich ja in die seit Jahrzehnten und aktuell praktizierte Politik gegen den Rechtsextremismus ein: Verbot rechtsextremer Parteien, die sich danach einfach einen neuen Namen und eine neue Strategie überlegen und ihren wahren Kern noch klandestiner organisieren, Wegsperren von Websites, die dann umziehen oder die Drohung mit der Vorratsspeicherung. Und schwupps ist die Gefahr gebannt und den Rechten wurde mal wieder so richtig gezeigt, wo es lang geht. Nun gut, ein weiteres Stück der Meinungsfreiheit und Willensbildung ist zwar demontiert, das Heer des Subproletariats, das man sich mit Hartz IV selbst geschaffen hat und von denen sich viele von rechten Agitatoren agitieren lassen werden, wird zwar auch gleich bleiben, ein Großteil der Bevölkerung sieht ihre demokratischen Volksverteter mittlerweile eher als korruptes Pack an, aber man kann weiter der Illusion nachhängen, etwas "aktiv gegen den Rechtsextremismus" getan zu haben und hat auch noch die eigenen Interessen durchgesetzt. Prima, Herr Zierke, 6, setzen.
Friday, February 18. 2005
Hier noch einmal ein paar Stimmen zur SHA-1 Schwäche, die das chinesische Forscherteam gefunden hat, aus den Artikeln Researchers find security flaw in SHA-1 algorithm und Chinese researchers compromise SHA-1 hashing algorithm in Ergänzung zu SHA-1 anscheinend richtig gebrochen. Für Bruce Schneier sind die Forschungsergebnisse der Chinesen "phänomenale Forschung" mit einer "Menge von wirklich beeindruckender Mathematik". Für Kryptologen sind neue, erfolgreiche Kryptoanalysen genauso interessant wie neue Algorithmen, weil sie neue mathematischen Erkenntnisse hervorbringen, die auch wieder zum Design besserer bzw. stärkerer Algorithmen beitragen und Indikatoren liefern, wie die Stärke kryptograpfischer Funktionen einzuschätzen sind. Schneier weist weiter darauf hin, dass die Anzahl von Versuchen, um mit den Methoden der Chinesen praktisch Kollisionen bei SHA-1 herbeizuführen, 1000 Jahre mit einem einzelnen PC erfordern könnten. Das praktikable Ermittlen von Kollisionen wäre allenfalls ein paar Regierungsinstitutionen wie der National Security Agency (NSA) oder privaten Unternehmen mit genügend finanziellen und technischen Ressourcen möglich. Trotzdem stellt er die Frage "Do you want your online bank account vulnerable to a 1-in-1000 chance that someone could break it?" Nach Michael Szydlo, einem Forscher der RSA Laboratorien betrage die Anzahl nötiger Versuche eine 1 mit 30 Nullen. Zur praktischen Anwendung kommt ein weiteres Argument hinzu. Würde ein großer Geheimdienst anfangen, Signaturen zu fälschen, wäre es nur ein Frage der Zeit, dass dies bekannt würde. Außerdem könnten nach solchen Angriffe genauere Aussagen oder Vermutungen zu den technischen und mathematischen Kapazitäten eines Dienstes getroffen werden - etwas, was kein Dienst will und was deshalb bei Nachfragen zu diesem Bereich auch immer mit der Standardantwort der Dienste beantwortet wird: "No Comment". Im zweiten Artikel, der sich auf eine Podiumsdiskussion während der letzten RSA Konferenz bezieht, wird Adi Shamir (das S in RSA), der von dem chinesischen Team einen Entwurf ihrer Dokumentation per E-Mail zugeschickt bekommen hatte, mit dem Statement zitiert, das die Ergebnisse "seiner Meinung nach große Wellen schlagen werden" und es "extrem wichtig sei, neue Typen von Hashalgorithmen zu entwickeln", aber "niemand solle übermäßig besorgt sein oder sofort das Design existierender Systeme oder Programme ändern". Einen Originaleindruck zur Podiumsdiskussion zum Forschungsergebnis der Chinesen kann man sich über einen Stream des Cryptographer's Panel verschaffen. Sein Kollege Ron Rivest (das R in RSA) ergänzte, "das Brechen von SHA-1 sei überwältigend und digitale Signaturen seien weniger sicher geworden". Mit Blick auf die schnell aufgekommenen Forderungen, SHA-1 sofort oder schnellstmöglich durch irgendeinen anderen Algorithmus wie Whirlpool oder SHA-256 zu ersetzen, mahnte er, wie viele andere Kryptologen, das die Forschungsresultate auch "eine weitere Mahnung sind, dass Konservatismus notwendig bei der Wahl eines Algorithmus sei." Im Gegensatz dazu kündigte Jon Callas, Chief Technology Officer bei PGP.com in dem Artikel Another Form of Encryption Goes Down for the Count an, "die nächste Version von PGP wird SHA-256 implementieren. PGP 9 wird höchstwahrscheinlich in ein paar Wochen in die Betaphase gehen". Mit etwas Arroganz führte er weiter aus, "bei PGP arbeiten wir dazu schon seit längerer Zeit, aber wir sind in diesen Dingen ein wenig schneller als die meisten Leute (GnuPG hat SHA-256 seit 1.4.0 im "Angebot", etliche andere Kryptoprodukte ebenfalls)". Aber auch er fügte in blumigen Worten an "dies ist keine 'Rennt zu den Ausgängen, es brennt' Situation, sondern 'der Feueralarm ist angesprungen, das ist keine Übung, bitte begeben sie sich zu den Ausgängen." Das BSI hatte in seinem Dokument "Geeignete Algorithmen zur Erfüllung der Anforderungen nach §17 Abs. 1 bis 3 SigG vom 22. Mai 2001 in Verbindung mit Anlage 1 Abschnitt I Nr. 2 SigV vom 22. November 2001" Ende September 2004 zu SHA-1 und SHA-256 erklärt:
"Nach heutigem Kenntnisstand der Analyse von Hashfunktionen können die folgenden beiden 160-Bit Hashfunktionen bis Ende 2009 als sicher und geeignet für qualifizierte digitale Signaturen betrachtet werden. - RIPEMD-160, - SHA-1, Folgende Hashfunktionen mit verschiedenen Hashwert-Längen (SHA-224 ist eine 224-Bit Hashfunktion etc.) sind geeignet, ein langfristiges Sicherheitsniveau zu gewährleisten: - SHA-224, SHA-256, SHA-384, SHA-512. Diese vier letzteren Hashfunktionen sind (mindestens) in den kommenden sechs Jahren, d.h. bis Ende 2010, für die Anwendung bei qualifizierten elektronischen Signaturen geeignet."
Aussagen, die sich ja in etwa auch beim NIST wiederfinden. Einige Teilnehmer des Forums wiesen auch darauf hin, dass Unternehmen wie AMTEL und Infineon SHA-1 in ihre TPM Chips für das "Trusted Computing" implentiert hätten. Ein Fingerzeig auf die Konsequenzen, die sich mittel- bis langfristig aus der Schwächung von SHA-1 ergeben. Weitere Stimmen zum "SHA-1 Break" und Informationen zu den Hintergründen finden sich ach in dem Heise Artikel Hash mich - Konsequenzen der erfolgreichen Angriffe auf SHA-1 von Reinhard Wobst und Jürgen Schmidt. Dort heißt es zur Frage der Ablösung von SHA-1 durch SHA-256 - 512:
Ob sie aber tatsächlich die richtige Wahl für eine langfristige Perspektive sind, bezweifeln manche Kryptanalytiker. Denn mehr Sicherheit bieten sie hauptsächlich durch längere Hash-Werte. Da sie jedoch zur selben Familie wie SHA-1 gehören, sind sie unter Umständen gegen dieselben Attacken anfällig. Denn bisher haben sich die Kryptanalytiker mit ihnen viel weniger beschäftigt als mit SHA-1. Wenn sich das jetzt ändert, könnten durchaus neue Schwächen ans Licht kommen.
Ein Standpunkt, der wie gesagt, von vielen Kryptologen geteilt wird. Darunter auch von Werner Koch, einem Entwickler des GnuPG Teams, der auf der IETF OpenPGP Mailinglsite erklärte:
We should however not kick out SHA-1 from all places where it is now used and replace it by SHA-256 before we understand the new attack. If we recall the DES development, the NSA knew techniques which got invented in open research only years later. Hopefully that is the case with SHA-2 too.
Seine Erklärung bezog sich auf ein Posting von Hal Finney, das ich mal in einem Auszug als Gegenposition wiedergeben möchte:
This leads to another claim I'm seeing a lot of, which is that SHA-256 is just about the same as SHA-1 and will probably be just as unsafe. I don't agree that we are in a position to make this conclusion. MD4, MD5 and SHA-1 are a very similar family of hash functions, each one adding a few twists and extensions to the one before. SHA-2 is not nearly so similar. I don't think anyone who has studied or implemented these functions would disagree with the claim that SHA-1 is much closer to MD5 than it is to SHA-256. This suggests to me that you can't generalize from the older hash functions to SHA-2.
Now, it's true that in its broad structure, SHA-2 does share commonalities with the others. It is basically an unbalanced feistel network structure. But it handles the nonlinearities differently, it updates two words each round, one in the middle and one at the end, using two sources of nonlinearities, it mixes the bits up much more with rotates, it avoids the use of the 16 round block structure of MD4, MD5 and SHA-1, and there are many more differences.
We can also look at the fact that in a way, the attack just barely works against SHA-1. As I said, it puts us in a gray area. SHA-1 almost retained its full designed strength against the attack. The additional complexity in SHA-2 should give us even more confidence. And SHA-2, with a minimum strength of 128 bits, has a much greater margin against attacks. If we took 11 bits off SHA-2 it wouldn't matter a bit. We could lose 30 bits and it wouldn't matter.
Some people are concerned that SHA-2 hasn't received enough attention. But don't get the impression that this is some little-known hash function which has suddenly found itself thrust into the limelight. These hashes have been around for four years. The are being put forward by the most powerful and prominent source of cryptographic standards in the world. People haven't ignored SHA-2. If there is a dearth of published attacks, it's not because nobody paid attention. Finding a flaw in the new standard hash algorithm of the United States government would be a major accomplishment for a cryptographer.
Now, I'm not arguing here that we should drop all support for SHA-1 and switch over to SHA-2. But in my opinion, given the information presently available, SHA-2 is a better choice for a hash function than SHA-1. I wanted to give my reasoning because I'm seeing people promoting the alternative views that SHA-1 is just fine and/or that SHA-2 is no better. I don't think SHA-1 is just fine and I do think that SHA-2 is better. Where we go with that is still open for discussion.
Genau, es wird weiter spannend bleiben, mit noch mehr Stimmen aus der Kryptowelt, besonders, wenn erst einmal das Papier des chinesischen Forscherteams die gesamte Kryptoszene durchdrungen hat.
Thursday, February 17. 2005
Bin der Aufforderung von MissAntroph nachgekommen und hab mal in einem Verzeichnis gegraben :) bilder]$ ls -l | grep RAVEN -rw-r----- 1 user user 24056 24. Jul 2004 governor2k3-RAVEN.jpg
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