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Wednesday, August 11. 2004
"Im allgemeinen durfte man nicht annehmen, auf dem Lande sehr viel sicherer als in London selbst zu sein. Freilich gab es in der Natur keine Televisoren, aber es bestand immer die Gefahr verborgener Mikrophone, die eine Stimme auffangen und so zur Feststellung des Sprechers führen konnten..."
G. Orwell: 1984 - Ein utopischer Roman. Wenn das stimmt, was im CNN Artikel Olympics' digital security unprecedented steht, dann werden die 1000 bis 1500 Videokameras, die Bestandteil des Überwachungsnetzwerkes in Athen sind, nicht nur zur Videoüberwachung eingesetzt, sondern sind zusätzlich alle mit Mikrofonen zur Audioüberwachung ausgestattet, die eine neue Dimension der Überwachung öffentlicher Räume mit Videokameras darstellen. Anscheinend dient Athen auch als gigantisches Testfeld zur Erprobung neuer Überwachungstechniken. Dem Artikel zufolge werden Sätze und Wörter durch Software der Firma Autonomy Corporation mittels eines Spracherkennungsprogramm, das Griechisch, Arabisch, Farsi und alle hauptsächlichen europäischen Sprachen versteht, aufgenommen, in Text umgewandelt und automatisch nach auffälligen Mustern durchforstet. In der Pressemitteilung Autonomy's Software to Support Security Infrastructure Contract at 2004 Summer Olympics teilte Autonomy am 21. April mit: "Autonomy's software will be used to help automate the processes of analyzing, routing and delivering content, irrespective of format or storage location, and monitor potentially suspicious activity to help increase the efficacy of intelligence operations. Autonomy's unique Intelligent Data Operating Layer (IDOL) automatically forms contextual and conceptual associations between seemingly disparate documents in real-time and is designed to alert users to potentially dangerous activities or individuals. Sophisticated analytical capabilities reinforce the work of intelligence officers by performing automatic, in-depth analysis of enormous amounts of data in both English and Greek"Zur Erkennung, Indizierung und Bearbeitung der abgehörten Sprache in dem Data-Mining System von Autonomy kommt dabei die Spracherkennungstechnik der Firma SoftSound zum Einsatz, in die Autonomy investiert hat und die ein Spin-Off der Cambridge University ist. Kombiniert werden die verarbeiten Sprachaufzeichnungen mit dem VideoLogger System der Firma Virage, die zur Autonomy Firmengruppe gehört. Das VideoLogger System dient der automatischen Codierung und Indizierung der Videostreams, die von den Überwachungskameras in Athen aufgezeichnet werden. Über ein SoftSound Plugin in der VideoLogger Software werden beide Komponenten miteinander verbunden, wie es in dem Dokument SoftSound Audio Analysis for VideoLogger beschrieben wird.  Abbildung: Virage Das VideoLogger Interface: Links oben der aktuelle Videostream, darunter einzelne Frames. Daneben die Textausgabe des SoftSound Plugins. Über Timecodes sind die Bildaufnahmen mit den Sprachaufzeichnungen verknüpft.  Abbildung: Virage Das gesamte Autonomy VideoLogger/SoftSound System. Die farbigen Stecker-Icons in der Mitte stehen stellvertretend für das Sprecher-Identifizierung, SoftSound Sprache-zu-Text und Audio-Segmentierung Plugin. Virage ist laut dieser Pressemitteilung auch einer der Unternehmen, das mit seinen Überwachungslösungen an dem Video Analysis and Content Extraction Research (VACE) Programm teilnimmt, einem von vielen Programmen des Advanced Research and Development Activity (ARDA) Forschungszentrums der US-Gehiemdienste NSA, FBI und CIA, die als Erweiterung und Nachfolger des eingestellten DARPA Programms Total Information Awareness (TIA) gelten. Demnächst heißt es also nicht nur: "Achtung - Hier werden Sie videoüberwacht", sondern auch "Hier werden die video- und audioüberwacht". Ich werde wohl mein Alternativ-DIN-Symbol zur Videoüberwachung überarbeiten müssen. Via Slashdot: Olympics to Have Massive Surveillance Network. Siehe auch: Jungle World: Olympische Besatzung.
Wednesday, August 11. 2004
Futurezone in Mobilfunker fürchten hohe Lausch-Kosten, de.internet.com in Mobilfunkbranche fürchtet Lauschangriff und c't aktuell in Wirtschaftsministerium will den kleinen Lauschangriff deutlich vergrößern berichten schon mal auszugsweise zu einem neuen Entwurf der Telekommunikations-Überwachungsverordnung (TKÜV), der, wie es ausschaut, eine Generalisierung und weitere Ausdehnung der Telekommunikationsüberwachung vorsieht. Statt der konkreten Angabe einer Rufnummer oder einer IP-Adresse soll nach dem Entwurf technikneutral das Abhören jeglicher Telekommunikation "auf Grund jeder Kennung" und "sonstiger technischer Merkmale" die zur Telekommunikation genutzt wird, ermöglicht werden. Bereits die jetzt gültige Version der TKÜV hatte die Kennungen, die von der TKÜV erfasst werden, über die reine Telefonnummer hinaus ausgedehnt. Dem c't Artikel nach kommt die Verpflichtung neu hinzu, dass auch sämtliche Betreiber von Netzknoten, "die der Zusammenschaltung mit ausländischen Telekommunikationsnetzen dienen", Abhörschnittstellen einzurichten und die Überwachung zu ermöglichen haben. Davon wären alle Provider betroffen, wenn man unter dem ausländischen Telekommunikationsnetz auch das Internet versteht, denn bis jetzt hieß es dazu in der TKÜV § 2 Kreis der Verpflichteten, Absatz 2: "Betreiber, die nicht unter Absatz 1 fallen, sind von der Pflicht befreit, technische Einrichtungen zur Umsetzung der gesetzlich vorgesehenen Maßnahmen zur Überwachung der Telekommunikation vorzuhalten und vorbereitende organisatorische Vorkehrungen für die Umsetzung solcher Maßnahmen zu treffen. Dies gilt ebenso für Telekommunikationsanlagen nach Absatz 1, soweit (...) 2. sie Netzknoten sind, die der Zusammenschaltung mit dem Internet dienen (...)." Im Entwurf will der c't nach Schily auch "Vorschriften zum präventiv-polizeilichen 'kleinen' Lauschangriff in die TKÜV" integriert wissen, was ja mit der Ausdehnung der Lauschbefugnisse für die Polizeibehörden über Änderung der Landespolizeigesetze korrespondiert. Bei der Erwähnung der geplanten Vorschrift, die Mobilfunknetzbetreiber müssten demnächst genaueste Standortdaten eines Handys für's Location-Tracking liefern und nicht mehr nur die Funkzelle, musste ich an einen Satz denken, mit dem der Direktor der National Security Agency (NSA) Hayden in dem Artikel Director of NSA shifts to new path, der sich mit der technologischen und personellen Aufrüstung der NSA beschäftigt, zitiert wird: "In the current war, you're looking for infinitely more granular information. You want to know where this human being is. And it's not good enough to say he's in Afghanistan. In terms of our current ops [operations] tempo, it's not even good enough to know what city. You have to know what building he's in."Mich wundert auch, dass keiner der Artikel den Entwurf in Beziehung setzt zum Erfolg des FBI, das nach einer Anfrage von der Federal Communications Commission (FCC) die vorläufige Entscheidung erhalten hat, das Communications Assistance for Law Enforcement Act (CALEA) Gesetz von 1994, das eigentlich nur die Überwachung der Telefonnetzwerke regelt, gelte nun auch für alle Breitband Kommunikations- und öffentliche VoIP-Dienste, denn letztendlich beruhten CALEA und die TKÜV auf informellen und internationalen Abstimmungsprozessen zwischen dem FBI, bzw. der USA und Kanada, Australien und acht weiteren europäischen Ländern - darunter Deutschland - Mitte der 90er Jahre, die unter dem Begriff ENFOPOL bekannt wurden. Meiner Meinung nach besteht zumindest der Verdacht, dass man es hier wieder mit ähnlichen Prozessen zu tun hat. Auf jeden Fall ist klar, wo der (internationale) Trend hingeht: Die Überwachung jeglicher Telekommunikation unabhängig vom eingesetzten Protokoll, der eingesetzten Technik und der zugrundeliegenden Netzinfrastrukturen zu erreichen und die Daten auf Jahre für den Zugriff der Geheimdienste, Polizeibehörden und neuerdings auch der Multimediaindustrie auf Vorrat zu speichern. Angesichts dieses Trends ist es unbegreiflich, dass immer noch die Mehrheit der Internetuser entweder keine Ahnung vom Einsatz von Anonymisierungs- und Verschlüsselungstechniken haben oder darauf verzichten.
Thursday, August 5. 2004
Nein, es ist mal wieder genauso wenig wie GoldenEye-100 ein UFO, sondern eine neue Form der unbemannten Fluggeräte (UAV), was man auf dem Foto sieht. Allerdings dachten 2000 Leute, die erste Testflüge Anfang Juli 2004 nahe Wahington beobachteten, das UAV "AeroSphere SA-60" des amerikanischen Herstellers Techsphere Systems International sei ein UFO und meldeten ihre "Sichtung" den Behörden, wie CBS in Blimps Against Terror berichtet. Die Testflüge führte das Naval Air Systems Command (NAVAIR) und Cyber Aerospace durch, die auch das AeroSphere UAV vermarkten. Bei dem "Golfball" handelt es sich um eine Kugel, die aus zwei Hüllen besteht. Die innere Hülle enthält Helium zum Auftrieb, die äußere Hülle ist mit Spectra beschichtet, einer synthetischen Faser, die 10x stärker als Stahl ist und u. a. für Panzerungen eingesetzt wird. Außerdem sind auf der äußeren Schicht dünne Filmsolarzellen angebracht, die das System zur Steuerung und zum Antrieb während des Tages mit Enrgie versorgt. Mit der erzeugten Energie werden auch ein Generator und ein Kompressor versorgt, die SA-60 während der Nacht antreiben. Ausgerüstet wird das UAV mit SIGINT/COMINT, Video- und Radarsensoren, die das Unternehmen Sierra Nevada Corporation liefert und mit denen von der Kommunikation bis zum Objekt am Boden alles überwacht werden kann. AeroSphere SA-60 operiert in einer Höhe von 20 bis 25 km, deckt also den Bereich zwischen der Überwachung durch Spionagesatelliten und den niedriger fliegenden MAVs und UAVs ab. Die besonderen Vorteil von AeroSphere: Es kann über Tage, Wochen und Monate stationär, automatisch und unbemannt Überwachung garantieren, kann schnell über bestimmten Orten positioniert werden und die Sensorik kann anders als bei Satelliten schnell ausgetauscht werden. Bedingt durch seine Konstruktion, Energieversorgung und der Flughöhe ist diese Form des UAVs nicht den Beschränkungen unterworfen, die sich für normale Ballons, Flugzeuge und Drohnen ergeben.  "Homeland Security" mit AeroSphere SA-60s zur Überwachung der amerikanischen Außengrenzen. Warum nicht ein flächendeckendes Netz von AeroSpheres aufbauen? Abbildung: Techsphere Systems InternationalAngedacht ist, mit einer ganzen Kette von AeroSpheres die gesamten Außengrenzen der USA, einzelne Häfen oder Städte zu überwachen, aber auch als Relay für Telekommunikationsfirmen.
Wednesday, August 4. 2004
Wie Bundesinnenminister Schily heute mitteilte, wird das Pilotprojekt "Automatisierte und Biometriegestützte Grenzkontrolle" am Frankfurter Flughafen wegen der "enorm hohen Teilnehmerakzeptanz" von über 8.600 Reisenden, die sich vom Bundesgrenzschutz ihre Iris haben einscannen lassen und danach im Non-Schengen Verkehr durch den automatischen Abgleich mittels Irisscanner ohne manuelle Grenzkontrolle passieren dürfen, um ein weiteres Jahr verlängert. "Unser Konzept, die Sicherheit im Luft- und Grenzverkehr zu erhöhen, aber den Passagieren zugleich ein schnelleres und bequemeres Reisen zu ermöglichen, findet national und international hohe Anerkennung" so Schily. Verschiedene Untersuchungen biometrischer Identifikationssysteme, wie BioFace, BioFinger und BioP I, die vom BSI in Zusammenarbeit mit dem BKA durchgeführt wurden und andere Studien von unabhängiger Seite hatten einen eher zweifelhaften Sicherheitsgewinn aufgrund falscher Zurückweisungen berechtiger Personen, False Positives falscher Identitäten und schlechter Erkennungsraten ergeben. Zuletzt hatte die Frankfurter Rundschau in Indiskutable Rückweisungsraten über die Mängel der biometrischen Identifikationssysteme berichtet, die Schily mit soviel Verve pusht. Zur Zeit läuft auch das BioP II Projekt am Frankfurter Flughafen, über das man im Hause Schily nicht soviele Worte verliert. Im Rahmen von BioP II werden mit 2000 Versuchskaninchen, die aus Beschäftigten des Frankfurter Flughafens und der Lufthansa bestehen, neben Irisscansystemen 2D-Gesichtserkennungs- und Fingerabdrucksysteme getestet. Mit an Bord von BioP II sind u. a. NEC mit einem biometrischen Terminal für Fingerabdruck- und Gesichtserkennung, dem 2D-Gesichtserkennungssystem NeoFace und das Dresdener Unternehmen Cognitec mit seinem Gesichtserkennungssystem FaceVACS. Weitere Informationen zu den beteiligten Systemen und den BSI Studien in der No Big Brother Abteilung Überwachung per Biometrie und DNA-Analyse.
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