Ich schaltete vorhin das TV an und sehe eine Dokumentation zu 9/11 im ZDF.
Mir kommt sofort die Erinnerung an den Tag vor Augen, wie ich ihn erlebte. Ich war spät aufgestanden, hatte mir Kaffee gemacht und den Fernseher eingeschaltet, als die Fernsehsender die ersten Bilder und Aufnahmen der Flugzeuge zeigten, wie diese in die Türme des WTC stürzten und die Moderatoren so was sagten wie
"Gerade ist ein zweites Flugzeug in einen der Türme gerast...es wird mit Hunderten oder Tausenden von Toten gerechnet..."
Ich konnte im ersten Moment gar nicht glauben, was ich da sah. Es war einfach unfassbar, dass es Terroristen geschafft haben sollten, zwei Flugzeuge zu entführen und dann auch noch gerade in die Türme des WTC zu lenken. Es hatte etwas Irreales an sich, die Explosionen und die Feuerwolke der Einschläge zu sehen. Ganz unpassend musste ich denken
Das ist ja wie in einem Hollywood-Thriller, aber alle Sender zeigten die gleichen Bilder.
Ich rief Leute, die ich kenne und Verwandte an und sagte
"Schaltet schnell das TV ein, das WTC ist angegriffen worden", manche hatten noch gar nichts davon mitbekommen. Ich sah weiter zu – den ganzen Tag und das Gefühl des Entsetzens und des Schreckens ließ mich einfach nicht mehr los, obwohl ich doch kein Amerikaner bin, hier Tausende von Kilometern in einer Kleinstadt vor dem Fernseher saß und eigentlich immer eine äußerst kritische Haltung zu den USA einnahm und in der Vergangeheit mehrmals gegen die amerikanische Politik demonstriert hatte ("...U-S-A, internationale Völkermordzentrale...").
Aber das war angesichts dieser Bilder wie weggefegt und wurde ersetzt durch den Anblick weinender und schreiender New Yorker in den Straßen, den Stimmen der im WTC Eingeschloßenen, die mit ihren Handys ihre letzten Anrufe machten, fallender Menschen, die sich aus den klaffenden Öffnungen stürzten und dem Versuch der Vorstellung, was die noch lebenden Menschen in den Türmen erleben und erleiden mussten.
Ich muss zugeben, dass ich an diesem Tag weinte und schwer schlucken musste und das alles nur wegen eines Terroranschlags, von denen ihn schon so oft gehört, gelesen und Fotos gesehen hatte? Aber irgendwie war es diesmal anders und mit der Gefahr pathetisch zu klingen, es war, als würden sich alle Terroranschläge, alle Bilder des Terrors, der Kriege, der Geschichten und Artikel über die Greuel, die Menschen anderen Menschen antun in diesen beiden Türmen konzentrieren. Diese Gefühle sind immer noch die gleichen, jedesmal, wenn ich Bilder oder Aufnahmen der Anschläge sehe. Es gibt einige Tage, die man nie vergessen wird, der 9/11 gehört für mich dazu.